20.07.2016, 20:00 Uhr

"Linz muss künftig in die Höhe bauen"

Als "exzellent" bezeichnete der Gestaltungsbeirat die Planung für das Weinturm-Hochhaus. (Foto: Kleboth Lindinger Dollnig)

Statt nur Büro-Wolkenkratzern werden in Linz erstmals auch wieder Wohn-Hochhäuser geplant.

Es gibt immer mehr Singles und immer mehr Menschen, die in der Stadt wohnen wollen. Die Konsequenz: Die Nachfrage nach Wohnraum in Linz steigt. Ein Grund, warum plötzlich auch wieder Wolkenkratzer mit Wohnungen geplant werden. „Aus Gründen der Nachhaltigkeit muss in Linz in die Höhe gebaut werden. Eine weitere Zersiedelung an den Stadträndern verhindert eine nachhaltige Stadtentwicklung“, sagt Christoph Langhof, Architekt und Vorsitzender des Linzer Gestaltungsbeirats. Die Nachverdichtung der Innenstadt ist laut Langhof auch ökologisch sinnvoll: „Wenn sich die Stadtplanung für die horizontale Ausbreitung entscheidet, haben wir künftig erheblich längere Wege, höhere Infrastrukturkosten, höhere ökologische Belastungen mit Abgasen und Lärm und höhere soziale Kos-ten.“ Nicht immer muss es jedoch gleich ein Wolkenkratzer sein: „Man stelle sich vor, auf jeden Altbau werden zusätzlich zwei Stockwerke gesetzt, mit der Verpflichtung, eine grüne Oase auf dem Dach zu schaffen. Das würde die Wohnungsnot erheblich eindämmen und gleichzeitig die Ökobilanz um ein Vielfaches steigern.“

Sorgfältige Planung

Ein laut Gestaltungsbeirat „exzellentes“ Projekt ist das sogenannte „Weinturm-Hochhaus“ in der Kaarstraße vom Linzer Architekturbüro Kleboth/Lindinger/Dollnig. Es fasziniert durch seine ungewöhnliche Bauweise (siehe rechts), die sich in alle Richtungen biegt. Begrünte Stufen minimieren Abwinde und machen das schlanke Gebäude sofort als Wohnhaus erkennbar. „Einen Turm zu bauen, ist ein Menschheitstraum. Ein Hochhaus darf kein rein rationales Projekt sein, sondern muss begeistern“, sagt Architekt Andreas Kleboth. Auch bei den Anrainern findet das Projekt Anklang. Generell bemerkt Kleboth ein Umdenken: „Hochhäuser waren früher oft negativ behaftet, weil viele sie mit sozialem Wohnbau assoziiert haben. Dabei herrscht laut Studien in vielen Hochhäusern eine hohe Zufriedenheit bei den Bewohnern. Wichtig dafür ist eine sorgfältige Planung.“


Mischnutzung ideal

Anzustreben ist laut Christoph Langhof bei künftigen Projekten vor allem eine Misch-nutzung von Wohnen und Gewerbe, gegebenenfalls auch mit Gastronomie- und Hotelbetrieb im Gebäude. „Das steigert die Attraktivität der Umgebung. Statt einer Verödung zu bestimmten Tageszeiten werden die Quartiere durch verschiedene Nutzphasen neu belebt.“ Auch Kleboth und sein Team wollen mit ihrem Projekt neue Impulse in Urfahr setzen: „Der Bau eines Hochhauses ist Stadtakupunktur. Das Weinturm-Hochhaus könnte eine Initialzündung für das ganze Viertel sein.“
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Nobody Lieber aus Linz | 22.07.2016 | 23:04   Melden
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