25.05.2016, 15:10 Uhr

Lockruf einer faszinierenden Linzer Wildnis als besonderes Zeichen der Veränderung verstehen

Nachweisfoto der stark gefährdeten Wechselkröte (Bufotes viridis) im Biotop 3 des grünen Artenschutzbandes.
Bei der Grünen Mitte, die sich mitten in Linz befindet, kann man derzeit "noch" den nächtlichen Paarungsruf der männlichen äußerst seltenen Wechselkröte (Bufotes viridis) lauschen. Diese wunderschöne Amphibienart kommt dort verstreut auf einem Trockenbiotopverbund von drei Brachflächen vor, der nicht nur mir als Verhaltensforscher aufgrund seiner hervorragenden Artendiversität sehr schützenswert erscheint, sondern auch dem OÖ. Naturschutzbund, deren Mitarbeiter dieses Schutzprojekt unterstützen.
Viele Bürger unserer Stadt wissen nicht, welche Naturschätze Linz zu bieten hat und wer würde schon eine Krötenart abseits offener Gewässer auf einer Trockenbrache vermuten!? Aber auch dort gibt es Feuchtstellen und Wasserlachen, die sich bei Regen wieder füllen. Diese Lachen, die mineralisierte Böden mit eher spärlichem Bewuchs aufweisen, werden in den Nachtstunden von den Männchen aufgesucht, um hier ihre maulwurfsgrillenartigen Balzrufe ertönen zu lassen. Die Tonfolge dieses Rufes wirkt sehr angenehm und beruhigend und könnte durchaus auch positive Auswirkungen auf die menschliche Psyche haben.

Während meiner nächtlichen Verhaltensbeobachtungen, die ich kürzlich an verschiedenen Tagen durchführte, hat sich herausgestellt, dass aufgrund des Verkehrslärms der Paarungsruf lauter wiedergegeben und damit auch weiter übertragen wird, als bisher in der Literatur vermerkt. Wenn sich der Verkehr zu später Stunde beruhigt, kann es durchaus sein, dass die Männchen dann bis zu 100 m weit zu hören sind. Was für ein Glück für die Bewohner der grünen Mitte, die diesen wohltuenden Ruf derzeit noch vernehmen dürfen!
Leider könnte auf dieser Trockenbiotopfläche bald ein Wohnhochhaus errichtet werden, dadurch würde die bereits stark gefährdete Art weiter unter Druck geraten, da nicht nur deren Lebensraum eingegrenzt wird, sondern dieser vielleicht sogar gänzlich verschwinden könnte.

Warum die Wechselkrötenpopulationen stark nachgeben, lässt sich leicht erklären. Menschliche Eingriffe in die Natur, welche auch die Umwidmung von Brachland beinhalten, machen die Tiere erst so selten. Aber es gibt noch einen weiteren Grund für deren Bestandsabnahme, die zunehmende Klimaerwärmung, die Feuchtstellen austrocknen und Laichlacken schneller verdunsten lässt. Natürlich weist das auf Fehler der Vergangenheit hin, die rasches Handeln und gleichermaßen unser aller Umdenken erfordern. Diese Fehler können aber nur dann bereinigt werden, wenn wir zunehmend auf unsere Naturflächen achten, umwelt- sowie klimaschützende Maßnahmen ergreifen, innerstädtische Schutzzonen und Natura 2000 Schutzgebiete forcieren, Spritzmittel genau unter die Lupe nehmen, Extensivbewirtschaftung ausreichend fördern, natürlich vermehrt künstliche Teiche für Wechselkröten anlegen und nicht alles wie bisher zubetonieren. Das Beachten dieser Punkte bringt uns allen die Vorteile zurück, die uns aufgrund der stetig zunehmenden Naturentfremdung in der Vergangenheit verloren gingen. Und das wären, neben einer faszinierenden Natur- und Artenvielfalt, insbesondere unser Wohlergehen und vor allem innere Zufriedenheit!

Das grüne Artenschutzband (Biotopverbund aus drei Trockenbrachen)
Artikel vom 08.12.2015
Der Link: http://www.meinbezirk.at/linz/lokales/das-gruene-artenschutzband-natur-pur-mitten-in-linz-d1574452.html

Die im Anhang befindlichen nächtlichen Freihandmakros (Nachweisfotos) von Bufotes viridis waren, wie der Artikel zeigt, sehr schwer anzufertigen und erforderten außerdem meine vollste Konzentration und Aufmerksamkeit.
Datum der Aufnahmen: 21.05.2016, Uhrzeit: 22.07 Uhr und 22.12 Uhr.

Ihr Verhaltensforscher
Franz Huebauer

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