10.06.2016, 14:31 Uhr

Mariendom wird innen neu gestaltet

Der Siegerentwurf für die Neugestaltung des Mariendoms. (Foto: Diözese Linz)

Diözesanbischof Manfred Scheuer gab grünes Licht für die lang geplante Umsetzung der Innenraumgestaltung im Linzer Mariendom. Der Entwurf von Kuehn / Malvezzi und Zobernig, der als Sieger aus einem internationalen Architektur- und Kunstwettbewerb hervorging, steht somit vor der Realisierung. Der Entwurf wird bei der Langen Nacht der Kirchen am 10. Juni präsentiert.

Der Entscheidung für das Projekt war ein rund dreijähriger Bildungsprozess vorausgegangen. Dessen Basis bildeten ein Liturgisches Gutachten des Liturgiewissenschaftlers Univ.-Prof. Dr. P. Ewald Volgger OT und eine Begehung des Mariendoms mit dem Bundesdenkmalamt im Jahr 2009. Der Prozess umfasste Vorträge von namhaften Experten zu den Themen Liturgie, Kunst und Architektur. Domkapitel, Dompfarre und die Bischof Rudigier Stiftung als Bauherrin waren von Beginn an in diesen Prozess eingebunden.

Siegerentwurf gekürt

Im Dezember 2014 erfolgte die Ausschreibung für einen Wettbewerb, bei dem jeweils ein Künstler mit einem Architekten einen Vorschlag präsentierte. Vorgabe der Ausschreibung war, dass der Altarraum nicht wie bisher vor dem historischen Hochaltar, sondern in der Vierung des Mariendoms einzuplanen ist. Aus sieben Einreichungen wurde am 30. Juni 2015 von einer Jury der Entwurf der Berliner Architekten Kuehn / Malvezzi und des Wiener Künstlers Heimo Zobernig einstimmig zum Siegerprojekt erklärt. Herzstück ist die Schaffung eines für die Vielgestaltigkeit der Liturgie geeigneten Altarraums in der Vierung des Mariendoms. Die historische Raumgestalt mit ihrer großzügigen und klaren Grundstruktur wird durch diesen Entwurf wieder sichtbar.

Der damalige Diözesanbischof Dr. Ludwig Schwarz nahm das Projekt sehr positiv auf und gab seine grundsätzliche Zustimmung. Anfang Juli 2015 wurde das Projekt erstmals vorgestellt. Bischof Schwarz wollte jedoch eine so weitreichende Entscheidung nicht mehr treffen, als sein Rücktritt angenommen worden war.

Einweihung am 8. Dezember 2017


Diözesanbischof Dr. Manfred Scheuer beschäftigte sich nach seiner Amtsübernahme am 17. Jänner 2016 eingehend mit dem Siegerprojekt. Es erfolgte ein intensiver Austausch mit Jurymitgliedern, dem Architektenteam und dem Künstler sowie Vertretern der Dompfarre und der Bischof Rudigier Stiftung. Bischof Scheuer: „Es war mir wichtig, mit den Experten, die das Projekt begleitet haben, in einen Dialog zu treten. So konnte ich mir ein detailliertes Bild vom Bildungsprozess und dem Weg bis hin zur Entscheidung machen.“ Mögliche Bedenken wurden in diesem Dialog ebenso angesprochen wie der Zeitplan für die Umsetzung und die Finanzierung. Nach diesen Beratungen hat Bischof Scheuer nun Anfang Juni 2016 die Umsetzung des Projektes in die Wege geleitet.

Die Detailplanung soll bis Dezember 2016 abgeschlossen sein, die Ausführung ab Juni 2017 erfolgen. Die feierliche Einweihung soll am 8. Dezember 2017, am Patrozinium (Namenstagsfest) des Mariendoms stattfinden, der der unbefleckten Empfängnis Mariens geweiht ist.

Von notwendiger Sanierungen zum Gesamtkonzept

Angestoßen wurde die Planung eines Gesamtkonzepts bereits 2006, als ein Mesner den Verdacht äußerte, dass das Holzpodest, auf dem der Volksaltar steht, modrig rieche. Diese Befürchtung bewahrheitete sich nicht, gab aber den Impuls für einen Denkprozess zur Neugestaltung des Altarraums. Diese Notwendigkeit ergibt sich vor allem auch daraus, dass der derzeitige Altarraum aus den 1980er Jahren für eine Feierkultur im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils nur eingeschränkt geeignet ist. Die verschiedenen Feiern in einer Bischofskirche sind größer dimensioniert und brauchen daher mehr Raum als jene in einer Pfarrkirche (z. B. Priesterweihe, Bischofsweihe, Amtsübernahme durch den Bischof, Sendungsfeiern, besondere Ereignisse wie die Seligsprechung von Franz Jägerstätter etc.). Die Platzsituation im Altarraum ist derzeit häufig so beengt, dass sich die liturgischen Dienste (Chor, Konzelebranten, Mitfeiernde wie Firmlinge etc.) „im Weg stehen“ und den Blick auf den Hochaltar verstellen. Der Volksaltar ist derzeit nicht wie empfohlen feststehend, ebenso wenig die Kathedra (der Bischofssitz).

Klar wurde auch, dass die bestehende Heizung, die mehr als 30 Jahre alt ist, einer Sanierung bedarf. Die derzeitige Bankheizung sorgt nicht für ausreichend Wärme; die starke Konvektion ist unangenehm für die Besucher. Die daraus entstehenden massiven Temperaturschwankungen schaden überdies den Orgeln, die sich ständig verstimmen. Darüber hinaus fallen hohe Stromkosten an. Geplant ist eine Infrarot-Heizung, die die Thermik stark reduziert und die ökologisch und kostensparend ist: Der derzeitige Strombedarf kann voraussichtlich um etwa zwei Drittel reduziert werden. Das neue Heizsystem fördert außerdem den Denkmalschutz und schützt auch die Orgeln. Derzeit wird die Infrarot-Heizung in der Anbetungskapelle des Mariendoms getestet, die Rückmeldungen sind sehr positiv. Auch bei der Pflüger-Orgel (Chor-Orgel), die sich im derzeitigen Altarbereich rechts vorne befindet, steht nach 27 Jahren eine Generalsanierung an. Angesichts dieser anstehenden Herausforderungen lag es nahe, ein Gesamtkonzept umzusetzen, das langfristig Kosten spart und alle Aspekte miteinbezieht, die für eine würdige Liturgie in einer Bischofskirche notwendig sind.

Harmonische Einbindung der historischen Bausubstanz

Nach dem sogenannten Communio-Verständnis des Zweiten Vatikanischen Konzils ist die gesamte Feiergemeinde Trägerin der Liturgie. Der Dom als Bischofskirche sollte diesbezüglich Leitkirche sein. Ziel ist daher eine Altarraumgestaltung, die es der gesamten Feiergemeinde ermöglicht, sich um den Altar und den Ort der Verkündigung des Wortes Gottes (Ambo) zu versammeln.

Im Entwurf von Kuehn / Malvezzi und Zobernig ist die Altarinsel in der Vierung des Mariendoms verortet, also in der Kreuzung von Längsschiff und Querschiffen. Um eine gute Sichtbarkeit zu gewährleisten, ist die Altarinsel um ca. 20 cm erhöht. Altar („Tisch des Brotes“) und Ambo („Tisch des Wortes“) stehen längsgerichtet in der Hauptachse des Mariendoms. Kathedra und Priestersitz sind symmetrisch neben dieser Längsachse angeordnet. Ein neues Beleuchtungskonzept fördert die Wahrnehmung des Zusammenspiels von Altar, Ambo, Kathedra (Bischofssitz) und Priestersitz. Auch die Lautsprecheranlage wird erneuert. Die Bestuhlung im Bereich der Kathedra und des Priestersitzes bietet Platz für mehr als 50 konzelebrierende Priester. Dahinter finden Chor und Orchester als wesentlicher Teil der Feiergemeinde eine optimale Aufstellung auf mobilen Podesten, wodurch auch die akustischen Verhältnisse im Mariendom deutlich verbessert werden. Die Gemeindebänke werden erhalten, optisch angepasst und in drei gleich großen Bankblöcken im Hauptschiff bzw. in den Querschiffen verortet. Dadurch ist die feiernde Gemeinde sichtbar um den Altar versammelt. Der Boden im vorderen Langhaus (wo derzeit die Bänke für die Mitfeiernden auf bloßem Beton stehen) wird gepflastert. Die gesamte Gestaltung fördert die Einheit der Feiergemeinde.

Der Entwurf von Kuehn / Malvezzi und Zobernig arbeitet mit den bereits im Dom verwendeten Materialien Stein, Bronze und Holz. Es handelt sich um eine zeitlose, offene Formgebung in aktueller künstlerischer Formensprache, die für die Ausdrucksformen katholischer Liturgie in ihrer Vielgestaltigkeit geeignet ist. Das Konzept arbeitet mit der bestehenden Architektur und wird der historischen Bausubstanz mehr gerecht als der derzeitige Zustand des Altarraums. Die Positionierung der Altarinsel in der Längsachse unterstützt die optische Hinführung zum historischen Hochaltar und ermöglicht einen freien Blick auf den Hochaltar mit dem lebensgroßen Kruzifix und der Marienstatue sowie auf die Mosaike am Fuß des Altars.

Das historische Chorgestühl wird an seinen ursprünglichen Ort (vor dem Presbyterium) gebracht. Dies ermöglicht die Ausübung der Tagzeitenliturgie (Stundengebet). Vor dem historischen Kreuzaltar entsteht ein offener Raum, der für unterschiedliche Feiern und Andachtsformen zur Verfügung steht.

Wilfried Kuehn vom Architekturbüro Kuehn Malvezzi in Berlin zum Projekt: „Die Vierung ist ein großer Raum und eine große Ansage – sie heißt viele Menschen willkommen, aber auch wenige Personen sollen sich als versammelte Gemeinde empfinden. Es galt also, das Atmen des großen Raums von klein bis groß erfahrbar zu machen – genauso wie die neugotische Idee, die im Laufe der Zeit durch Veränderungen verstellt wurde. Es ist wunderbar, wie Kirche sich in ihrer Raumform aktualisiert – sie ist ja kein Museum, sondern gelebter Ort“, so der Architekt.
Henny Liebhart-Ulm, Referentin für Altarraumgestaltung und zeitgenössische Kunst im Kunstreferat der Diözese Linz, betont, dass auch von Seiten der Denkmalpflege das Siegerprojekt höchst positiv gesehen werde. „Durch das neue Konzept wird die historische Situation im Presbyterium wiederhergestellt, die Offenheit und Durchlässigkeit der Ursprungskonzeption wird wieder deutlich“, so die Kunstexpertin.

Die Kosten

In Summe sind für die Neugestaltung und Adaptierung des Innenraums im Mariendom rund eine Millionen Euro zu veranschlagen. Die Finanzierung erfolgt über die Diözesanfinanzkammer, das Domkapitel, die Dompfarre und das Bischöfliche Mensalgut. Weitere Mittel wurden seitens des Landes Oberösterreich und der Stadt Linz in Aussicht gestellt. Ein Teil wird durch Spenden aufzubringen sein. Die Diözesanfinanzkammer trägt jenen Kostenanteil, der auch sonst bei Renovierungen bzw. Umgestaltungen von Pfarrkirchen übernommen wird.

Präsentation bei der Langen Nacht der Kirchen

Im Rahmen der Langen Nacht der Kirchen am Freitag, 10. Juni werden die zum Architektur- und Kunstwettbewerb eingereichten Entwürfe im Ausstellungsraum des Mariendoms präsentiert. Von 20 bis 21 Uhr wird das Architektur- und Kunstteam Kuehn & Malvezzi mit Heimo Zobernig gemeinsam mit Dompfarrer Maximilian Strasser und Dombaumeister Wolfgang Schaffer die Details zum Siegerprojekt vorstellen. Diese Experten stehen auch für Diskussion und Rückfragen zur Verfügung.
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