Bildungswüste Österreich
Volksbegehren soll Druck auf Politik erhöhen, Reformen umzusetzen
Initiatoren Beppo Mauhart und Ingrid Vogl hoffen noch bis zum 1. Juli auf zahlreiche Unterstützungserklärungen, damit Österreich nicht sitzen bleibt.
BezirksRundschau: Sie haben bereits die notwendigen Unterstützungserklärungen für ein Volksbegehren erreicht. Der erhoffte Ansturm blieb jedoch aus. Warum?
Beppo Mauhart: Zuerst möchte ich festhalten, dass jede Unterschrift zählt. Wer jetzt die Erklärung unterschreibt, muss später bei der Volksbegehren-Eintragungswoche nicht noch einmal unterschreiben. Dennoch waren unsere Erwartungen höher. Ich muss der Bildungspsychologin Spiel recht geben: Allen ist zwar bewusst, wie dringend notwendig eine umfassende Bildungsreform ist, trotzdem gibt es keine Betroffenheit. Die Österreicher scheinen es beim Kritisieren zu belassen, anstatt aufs nächste Gemeindeamt oder Magistrat zu gehen, um etwas zu verändern.
BezirksRundschau: Herrscht hierzulande also eine gewisse Gleichgültigkeit?
Ingrid Vogl: Bildung betrifft nicht nur die Schule, sondern uns alle. Sie betrifft uns von der Krabbelstube an und reicht bis ins Alter. Das Thema Schule ist nur ein Teil der Initiative. Unser Bildungssystem hat dringenden Reformbedarf, sonst bleibt am Ende Österreich sitzen.
BezirksRundschau: Ministerin Schmied hat doch Reformen angekündigt.
Mauhart: Das sind doch Placebo-Entscheidungen! Bildung ist teuer, aber nicht in unser Bildungssystem zu investieren, kommt noch viel teurer. So haben wir noch immer kein umfassendes Ganztagsangebot.
Vogl: Schule wird in unserem Land so geführt, als ob die Berufswelt um 14 Uhr schließen würde. Viele berufstätige Menschen, insbesondere Frauen, müssen sich neben einem Zusatzeinkommen auch um die Betreuung der Kinder kümmern. Eine Ganztagsschule hilft allen, Kindern wie Eltern.
BezirksRundschau: Was erhoffen Sie sich vom Volksbegehren?
Mauhart: Dass das Thema Bildung zum prioritären Anliegen der Politik wird. 140 Millionen Euro geben Eltern jährlich für Nachhilfe aus. Das kann ja so nicht weitergehen.
Vogl: Je mehr Österreicher am Volksbegehren teilnehmen, desto weniger kann sich die Politik hinter Floskeln verstecken. Es geht um nachhaltige Entscheidungen, die unser Land zum Besseren verändern sollen.
Zur Sache
Volksbegehren
Bis 1. Juli können alle Österreicher, die das 16. Lebensjahr vollendet haben, das Volksbegehren unterschreiben. Die Unterschrift muss auf den jeweiligen Hauptwohnsitz-Gemeinden oder an magistratischen Bezirksämtern erfolgen. Infos: www.vbbi.at
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