30.03.2016, 18:00 Uhr

Keine Entschuldigung: "Ich war ja nicht besoffen"

Lorenz Potocnik ist kein Mitglied der NEOS mehr. (Foto: privat)

Lorenz Potocnik ist nun offiziell keiner Partei mehr zugehörig und ein "wildes Mitglied" im Linzer Gemeinderat.

StadtRundschau: Auslöser Ihres Rücktritts von den NEOS war ja das Interview im Standard, wo Sie die NEOS-Landesvorsitzende Judith Raab sehr deutlich kritisiert haben.
Lorenz Potocnik: Ich habe überhaupt kein Problem zuzugeben, dass das Interview nicht gescheit war. Ich habe mit Sprengstoff gespielt und es ist explodiert.

War eine Entschuldigung ein Thema?

Das hat mir der Bundesgeschäftsführer der NEOS nahegelegt. Aber ich konnte mich nicht entschuldigen, ich war nicht besoffen. Ich bin nicht in die Politik gegangen, um mich nach oben zu dienen, ich bin ein Selbstständiger im Geist. Die Beziehung zwischen Judith Raab und mir hat sich im Laufe der Zeit entfremdet. Es hat offenbar einfach aus mir rausmüssen.

Sie tragen nach wie vor pinke Socken und ein pinkes Band am Arm.

Ich bin auch nach wie vor Fan von dem Projekt. NEOS ist die Kraft der Veränderung und Erneuerung. Meine persönliche Einstellung deckt sich mit NEOS.

Im Gemeinderat sind nun zwei Vertreter von NEOS und ein Freier. Was wird sich in der Praxis verändern?
Es hat erstaunlich wenig Auswirkungen. Ich bin gewählter Fraktionsobmann, mein Mandat und meine Funktion haben mit der Partei nichts zu tun. NEOS ist auch stolz darauf, dass es keine klassische Mitgliederpartei ist. Mitgliedschaft ist also Nebensache bei den NEOS. Und das lebe ich jetzt.

Wie haben die anderen beiden NEOS-Gemeinderäte die Nachricht aufgenommen?

Felix Eypeltauer ist voll okay damit. Mit Elisabeth Leitner-Rauchdobler habe ich noch nicht gesprochen.

Wie stellen Sie sich die weitere Zusammenarbeit vor?

Ich werde ganz sicher im Team bleiben. Meine Intention war Abgrenzung von der Landesebene.

Kommt eine andere Partei für Sie infrage?

Nein, auf keinen Fall, ich wüsste auch nicht, zu welcher Partei. Wäre NEOS nicht gewesen, hätte ich mich nie in der Form parteipolitisch engagiert.

Werden Sie überhaupt beziehungsweise für wen werden Sie dann bei der nächsten Gemeinderatswahl antreten?

Ich mache jetzt fünf Jahre volle Kraft Stadtpolitik und dann werde ich 2020 schonungslos Bilanz ziehen. Wenn die Bilanz so aussieht, dass wir was bewegen können, dann werde ich weitermachen. In jedem Fall werde ich aber stadtpolitisch aktiv bleiben. Für mich ist das ein Versuch und ich bin mein eigenes Versuchskaninchen.

Ist ein Wiedereintritt bei NEOS vorstellbar?

Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, ob das geht. Das habe ich mir noch nicht überlegt. In fünf Jahren kann sich vieles ändern. Ich finde aber, dass auf der Bundesebene gute und wichtige Arbeit geleistet wird. Entscheidend wird auch das Abschneiden der NEOS bei der Nationalratswahl 2018 sein.
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