22.07.2016, 16:19 Uhr

"Von einem echten Ärztemangel kann man derzeit nicht sprechen" – Pensionierungswelle bereitet Sorge

Landeshauptmann Josef Pühringer: Vorwurf, dass die Ärztekammer die Bewilligung von Ausbildungsstätten für Jungmediziner blockiere, trifft für Oberösterreich keinesfalls zu. (Foto: Land OÖ)

Gesundheitsreferent Landeshauptmann Josef Pühringer nimmt zur Ärzteentwicklung in Oberösterreich Stellung: "Deutlich mehr Spitalsärzte, aber Sorge um den niedergelassenen Bereich"

OÖ. Noch vor einem Jahr haben in den Regionalkrankenhäusern in Oberösterreich rund 150 Spitalsärzte, insbesondere Turnusärzte gefehlt. Derzeit sind es etwa 50.
Im niedergelassenen Bereich kommt es in letzter Zeit doch häufiger vor, dass Ausschreibungen für eine niedergelassene Arztstelle mehrmals wiederholt werden müssen, bis sich Bewerber finden. Trotzdem könne man von einem echten Ärztemangel im niedergelassenen Bereich in Oberösterreich derzeit nicht sprechen. Landeshauptmann Josef Pühringer: "Wobei die Betonung auf derzeit liegt, weil rund 60 Prozent der Ärzte im niedergelassenen Bereich in den nächsten zehn bis zwölf Jahren in Pension gehen werden."

Pensionierungswelle in zehn Jahren


Bei den Ausbildungsärzten hat es von 2011 bis 2015 einen deutlichen Rückgang gegeben. Während 2011 956 Ärzte in Ausbildung waren, ging die Zahl 2015 auf 695 zurück. Derzeit weist die Statistik Austria für 2016 wieder 989 Ärzte in Ausbildung aus. So konnten viele Turnusstellen wieder besetzt werden. Im Zentralraum stehen Turnusärzte sogar wieder auf einer Warteliste für einen Ausbildungsplatz.

Gründe für die Verbesserung seien das Gehaltspaket und organisatorische Veränderungen. Zukünftig ist die Medizinfakultät in OÖ wichtiger "ärztlicher Nachwuchs-Lieferant".

Oberösterreich hat als erstes Bundesland einen Finanzierungsvereinbarung für die Lehrpraxen abgeschlossen. Jungmediziner können so während der Ausbildung diese Arbeit kennenlernen.

Pühringer fordert in seiner Stellungnahme zur Ärzteentwicklung die Gebietskrankenkasse auf, bei der Genehmigung von Vertragsärzten noch großzügiger zu sein. Statt hoher "Solidarabgaben" – vor allem in Richtung Wien und Kärnten – sollten die Gelder aus den Rücklagen und aus dem laufenden Betrieb in die eigenen ärztliche Versorgung in OÖ gesteckt werden.

Prävention und Primärversorgungmaßnahmen wie Primary Health Care Center sollen gemeinsam weiter verstärkt werden.

Der Vorwurf des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger, dass die Ärztekammer die Bewilligung von Ausbildungsstätten für Jungmediziner blockiere, treffe für Oberösterreich keinesfalls zu, betonte Pühringer.
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