Kinder-Samurai stürmen Linz
LINZ (ah). Jeden Mittwoch kann man aus der Linzer Jahnschule Kinderschreie hören. Seit zwei Jahren üben sich Sechs- bis Zwölfjährige hier in der japanisichen Kampfkunst Kendo. Mit Juni hat die Hälfte von ihnen auch Rüstungen bekommen, die ans feudale Japan erinnern.
Zwölf Kinder tummeln sich in einem kleinen Gymnastiksaal inmitten von Linz. Teils haben sie normales Sportgewand an, teils indigofarbene Hosenröcke. Manche von ihnen tragen über dem blauen Gewand eine Rüstung, die an die alten japanischen Samurai erinnert. Sie alle üben sich am „Weg des Schwertes“, wie die Kampfkunst Kendo übersetzt heißt.
Das Schwert besteht in diesem Fall aus vier Bambuslamellen und ist damit biegsam – ein wichtiger Punkt, denn beim Kendo wird direkt auf die Rüstung geschlagen. In Zweiergruppen üben die 6 bis 12-Jährigen den Schlag auf die verschiedenen Trefferflächen, vorwiegend den Kopf und das Handgelenk. Die kleine Truppe hat sichtlich Spaß daran, das Bambusschwert zu schwingen. „Hier können wir uns austoben und auch schreien“, erzählt die 9-jährige Alina, die seit zwei Jahren im Kindertraining dabei ist. „Das darf ich in der Schule nicht. Jetzt mache ich es im Kendo.“
Geleitet wird das Training von Gernot Almesberger, der eine Stunde pro Woche für die richtige Mischung an Spiel, Spaß und fokussiertem Training sorgt. Das kommt bei den Kindern gut an. „Am besten gefällt mir, dass Gernot uns immer alles genau erklärt und sagt, was wir falsch machen“, bestätigt die 10-jährige Katharina. „Und dass wir danach gleich noch einmal versuchen können, es besser zu machen.“ Was für einige der Kinder noch ein wichtiger Grund ist, Kendo zu trainieren: So können sie ein bisschen wie Jedi-Ritter werden. Denn die Kämpfe mit dem Lichtschwert aus „Star Wars“ hat George Lucas direkt dem Kendo entnommen.
Für den Trainer sind beim Training die Grundgedanken, die hinter der Kampfkunst liegen, am wichtigsten. „Kendo ist für mich ein wertvolles Werkzeug, um die Persönlichkeit zu entwickeln“, erklärt er. Im Training müssen sich die Kinder auf ihre Trainingspartner einstellen und dabei auch flexibel sein – denn jeder Trainingspartner ist anders. Auch das war ein Lernprozess. „Am Anfang wollten manche Kinder nur stören“, erinnert sich Almesberger. „Jetzt arbeiten sie in der Gruppe zusammen und sind wesentlich ausgeglichener geworden.“
Katharinas Mutter kann das bestätigen. „Katharinas Bruder hat zu viel Energie. Aber in der heutigen Welt musst du überall ruhig sein“, erklärt sie. „Das Kendo bietet ihm einen Rahmen, wo er diese Energie herauslassen kann."
In den zwei Jahren hat Gernot Almesberger deutlich gemerkt, wie das Training den Kindern hilft, die aufgestaute Energie des Schulalltags herauszulassen. Mit den neuen Rüstungen, die sechs von ihnen nun tragen, haben die Kinder den nächsten Schritt im Kendo getan. „Hier haben sie eine kontrollierte Umgebung, in der sie so sein dürfen, wie sie sind“, betont Almesberger. „So kann sich jeder von ihnen auf die eigene Art und Weise entwickeln. Und das ist toll zu sehen!“
www.kendolinz.org
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