14.06.2016, 14:14 Uhr

Wenn eine Folie zur Kamera wird

Bereits jetzt können mit der Folien-Kamera beeindruckende Ergebnisse erzielt werden. (Foto: JKU)
Wenn man es das erste Mal hört, klingt es seltsam bis utopisch woran Oliver Bimber, Professor für Computergrafik an der JKU, forscht: Eine einen Millimeter dicke Folie, die eine vollständige Kamera ist. "Wir messen wie ein Computertomograf nur optisch, einfach mit Licht", erklärt Bimber. Und das funktioniert tatsächlich, wie Ergebnisse des Forschungsprojekts zeigen. Die Vorzüge einer Folie statt einer klassischen Kamera werden weniger für die Hochglanzfotografie als vor allem bei alltäglichen Tätigkeiten oder automatisierten Prozessen deutlich. Praktische Anwendungsbeispiele gibt es unzählige: So könnte das Display des Handys schon die Kamera sein. Vorstellbar ist auch, dass die Folie in die Windschutzscheibe eines Autos verarbeitet wird, wodurch diese zur Kamera wird. "Grundsätzlich kann die Folie aber in alle erdenklichen Alltagsgeräte und in allen Größen und Formen eingearbeitet werden", sagt Bimber. Der Vorstellungskraft sind also kaum Grenzen gesetzt.
Wesentlich für die Realisierung der Folien-Kamera sind auch neue Technologien. Das sogenannte "Machine Learning" ist dabei ein entscheidender Faktor. Das heißt, die Kamera greift auf einen riesigen Datensatz zu und lernt immer weiter, wodurch sie das Bild realitätsnah wiedergeben kann.

Microsoft als Partner

Bimber betont, dass es sich bei dem Projekt um Grundlagenforschung handelt – aber schon um weit fortgeschrittene. Seit fünf Jahren arbeitet der gebürtige Deutsche bereits an der Kamera und konnte dabei auch schon große Fortschritte erzielen. "Wir können schon jetzt Fotos machen, bei denen das Objekt gut zu erkennen ist", sagt Bimber. Die nächsten zwei Jahre arbeitet das Team nun am Folien-Objektiv, um eine hohe Auflösung und Schärfe erzielen zu können. Möglich wird das Projekt auch durch eine enge Partnerschaft mit Microsoft. "Es forschen auch zwei Wissenschaftler vom Microsoft Research Team an unseren Kameras", so Bimber. Nach diesen zwei Jahren schon soll es dann einen Prototypen geben. Bis zur Serienreife wird es aber in jedem Fall noch länger dauern. "Wann man so eine Kamera dann tatsächlich kaufen kann, lässt sich heute noch überhaupt nicht einschätzen", so Bimber. Es kann sich noch einige Jahre in die Länge ziehen, es kann aber auch sehr schnell gehen. Geklärt werden müssen sicher auch noch ethische Fragen. Eine Kamera, die man nicht als solche erkennt kann schnell missbraucht werden. Auch für eine Diskussion darüber kann und sollte die Zeit bis zur Marktreife genutzt werden.
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