Brunft am Kilber Tennisplatz

Die BEZIRKSBLÄTTER untersuchen das Phänomen der Kampfschreie

KILB.(MiW) Tennisprofi Thomas Muster machte es und bei dem 17. Ortsturnier in Kilb wurde dem ebenso gefrönt:
In keinem anderen Sport wird so viel und so laut gegrunzt und gestöhnt wie beim Tennis.
Es hat mit Energie und Leidenschaft zu tun. Das bestätigt auch Vereinsobmann Gerhard Wieser, der sogar statt dem Kreuz Jesu Christi einen goldenen Tennisschläger um den Hals trägt.
Einmal von den Urlauten der Spieler abgesehen, ist Tennis abseits des Feldes ein ruhiges und geselliges Unterfangen, erzählt der Obmann.
„Man kann diesen Sport auch sehr gesellschaftlich spielen. Im Gegensatz zum leistungsorientierten Fußball kann man Tennis auch im gehobeneren Alter noch prima ausführen und sich nach dem Match bei einem G’spritzten zusammensetzen“, gibt Gerhard Wieser Bescheid, der bereits seit 20 Jahren als Obmann des „Union Tennisclub Kilb“ (UTC Kilb) fungiert.
Aber dieses gesellige Beisammensitzen wird stets von dem Grunzen der Spieler ur-musikalisch untermalt. Was die Zuschauer über diese Geräuschkulisse denken? Ist das animalische Gestöhne attraktiv? Eine Dame winkt rasch ab und meint bloß: „Katastrophal!“
Michaela Wandl, ihres Zeichens Freundin eines Turnier-Teilnehmers meint indes amüsiert: „Also bei meinem Freund finde ich das okay. Aber jeder Spieler hat seinen eigenen Urlaut von ‚Oi!’ bis zu einem piratenhaften ‚Harrrrr!’“.

In Summe macht sich bei der Damenwelt aber gewisse Frustration breit:
Da versucht man in den langen Jahren einer Beziehung aus dem verwilderten Mannsbild einen halbwegs zivilisierten Menschen zu formen und dann röhrt der Angetraute auf dem Tennis-Court doch wieder wie ein brunftiger Hirsch herum.

Auch die Herren finden die energiegeladenen Schreie nicht sonderlich attraktiv: „Während des Spiels gibt man darauf gar keine Acht, ob da nun jemand schreit“, meint der frischgebackene Herren-Turniersieger Lucas Hejhal.

Spielerin und Damen-Turnier-Zweite, Stephanie Vock, schmunzelt zum Abschluss: „Also je müder ich auf dem Platz werde, desto lauter schreie ich.“
In einem sind sich die Kilber aber sicher: Diese ungewöhnlichen Laute sich auf jeden Fall auch dazu da, um den Gegner psychologisch einzuschüchtern. Mit Erfolg.


Das Für und Wider des Tennisgegrunze
Als „Grunting“ (engl. für „Grunzen“) bezeichnet die Fachwelt das „exzessive Stöhnen“ während eines Tennis-Matches.
Der Welt-Tennis-Verband hat Anfang dieses Jahres sogar überlegt, diese Laute vom Platz zu entfernen, da sie die Gegner zu sehr irritieren.
Da es aber ein teils natürlicher Reflex ist, der bewusst übertrieben wird, wird der Lärmpegel wohl so verbleiben.
Die lauteste Grunzerin der Profi-Tenniswelt ist die 25jährige Russin Marija Jurjewna Scharapowa, deren Schreie mit über 100 Dezibel an dem Lärm eines Presslufthammers beziehungsweise eines Flugzeuges im Landeflug herankommt.
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