21.03.2016, 12:13 Uhr

Im Theater: Ein Solo für den Kontrabass

Ein Ausnahmekünstler aus Margareten: Josef Semeleder und sein Kontrabass. "Eine zwiespältige Beziehung", sagt er selbst. (Foto: privat)

Der Künstler Josef Semeleder zeigt im "Spektakel", was der Kontrabass kann. Unter anderem in einem Stück von Süskind.

MARGARETEN. Eigentlich ist dem Kontrabass die Aufmerksamkeit fremd. In Orchestern geht er eher unter, es gibt keine Soloparts. Allenfalls ein Duett. Der junge Wiener Kontrabassist Josef Semeleder verhilft dem Instrument nun aber zum großen Auftritt: Im "Spektakel" in der Hamburger Straße spielt Semeleder, geboren 1984, seine Interpretation des Theaterstücks "Der Kontrabaß" von Patrick Süskind.

Die Geschichte, die Süskind erzählt, ist tiefgehend: Sie besteht aus einem Monolog eines alternden Kontrabassisten, der - hermetisch von der Außenwelt abgeschottet - dem Publikum einen Vortrag über die Vorzüge seines Instruments hält. Seine Lobreden auf den Kontrabass schlagen jedoch bald ins Gegenteil um. Und er entpuppt sich als einsamer, introvertierter Stubenhocker, der sein Instrument und seinen Beruf aus tiefster Seele verabscheut. Die einzigen positiven Gefühle verspürt er für eine junge Sopranistin, die er sich aber nie anzusprechen traut...

Ob Semeleder selbst eine derart zwiegespaltene Beziehung zum eigenen Instrument verspürt? Wohl ja. "Die zwiegespaltene Beziehung hat jeder Mensch, der mit seinem Instrument mehr Zeit verbringt als mit dem Rest der Welt", sagt er. Und nochmals ja, auch mit dem Protagonisten des Stücks könne er sich identifizieren.

Verbittert und einsam ist Semeleder nicht. Doch: "Zu dem Zeitpunkt, als ich das Buch zum ersten Mal las, spielte ich schon in der Wiener Staatsoper als Substitut. Dort hatte auch ich schon meine Erfahrungen mit himmlischen, unerreichbaren schönen Sängerinnen." Umlegen - und das sei "das Spannende" - lasse sich die Geschichte, die Süskind erzählt, wohl aber auf jede Berufsgruppe.

Engagement an der Oper

Für den Kontrabass entschieden hat sich Semeleder im Alter von zehn Jahren. Zuvor hat er sich - "schlicht, weil ich noch zu klein war" - am Cello versucht.
Es folgte eine beeindruckende Karriere: Semeleder, der mittlerweile in der Franzensgasse wohnt, gewann mehrere Preise bei (nationalen und internationalen) Wettbewerben, absolvierte Meisterkurse bei Auersperg, Markovic und Bucini und konzertierte als Solist mit dem "Anton von Webern"-Orchester.

Im Jahr 2006 wurde er beim RSO Wien angestellt, 2007 folgte ein Vertrag an der Wiener Staatsoper. 2010 wechselte Josef Semeleder zum SWR-RSO Stuttgart, bei dem er heute noch engagiert ist. Er nahm Schauspielunterricht und war zehn Jahre als professioneller Tänzer tätig.

In Süskinds "Der Kontrabaß" kann Semeleder nun all seine Talente unter Beweis stellen.

Termine:

Im Spektakel in der Hamburger Straße 14 ist Semeleder bei der Veranstaltungreihe "KontraSpektakulär" in mehreren Stücken zu sehen, darunter in "Der Kontrabaß" (am 2. April und am 28. Mai). Infos/Karten: www.spektakel.wien oder Tel. 01/9296079.
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