10.10.2016, 09:03 Uhr

Mahü77: Zwischen Wehmut und Moderne

Drei große Geschäfte sollen Kunden locken. Damit hat man sich bewusst vom kleinteiligen Konzept des Generali Centers verabschiedet. (Foto: Bunke)

Das Generali Center heißt jetzt Mahü77. Die bz war auf Lokalaugenschein im neuen Shoppingcenter.

MARIAHILF/NEUABAU. (cb). Noch wirkt alles etwas unfertig in der Mariahilfer Straße 77, dem ehemaligen Generali Center. Bis zum 20. Oktober sollen hier drei große Geschäfte eröffnen. Derzeit hat nur die polnische Schuh- und Taschenkette CCC ihre Pforten geöffnet.

Immerhin: Der neue Flagshipstore befindet sich in der Mitte des neuen Trios. Doch rechts davon arbeiten noch Elektriker im Innenbereich einer 3.000 m² großen Fläche, die bald den Discounter TK Maxx beherbergen soll. Und die 1.000 m² große Fläche, auf der am 13. Oktober der Eurospar eröffnen möchte, ist noch verhüllt. Ein großes Eröffnungsevent wird aber schon angekündigt. Dafür kann man auf 1.000 m² bereits in einem hellen Ambiente Schuhe kaufen. Zum Beispiel edel ausschauende Damenschuhe ab 29,95 Euro. "Ich suche tatsächlich gerade neue Schuhe", meint Sarah K.

Sie ist eine der wenigen Kundinnen, die an diesem Mittwochnachmittag ihren Weg in das CCC gefunden haben. "Die Einrichtung finde ich nett und geräumig. Das Generali Center kenne ich nicht, da habe ich noch nicht in Wien gelebt." Sie hätte es auch so nicht wiedererkannt. Das Generali Center beherbergte 26 Geschäfte und hatte den Charakter eines Einkaufszentrums.

Dieser wurde bewusst aufgegeben, um Platz für die drei Großgeschäfte zu schaffen. Die alten Mieter mussten bis Ende 2015 raus. "Ich finde es schade, dass die alten Geschäfte weg sind", so Sabrina G. Sie betrachtet die Schaufensterauslage eines kleinen Messergeschäfts gegenüber der Mahü77. "Es gibt immer weniger kleine Geschäfte. Und auch in dem Café konnte man sehr nett sitzen und einen Kaffee trinken."

Café Certo in Konkurs

Die in Wien aufgewachsene Sabrina G. bezieht sich auf das im Generali Center beheimatete Café Certo. Es hat den Rauswurf nicht überlebt. Weil kein neuer Standort gefunden wurde, haben die Betreiber Konkurs angemeldet. "Hier waren doch mal so Platten mit Handabdrücken von Prominenten", erinnert sich Karl S., der auf dem Weg zum 13A ist. "Was ist mit denen passiert?"

Tatsächlich war die sogenannte "Straße der Sieger" ein Erkennungsmerkmal des Generali Centers. Auf 164 Platten hatten sich österreichische Prominente mit Abdrücken verewigt. Der "Walk of Fame" in Hollywood war hier Vorbild. Im Rahmen der Gebäudesanierung wurden die Platten vom Hauseigentümer Redevco entfernt. Die Immobilienfirma, die bis zu 20 Millionen Euro in den Umbau gesteckt haben soll, hat die Platten aufbewahrt.

Ob sie mit ihnen etwas vorhat, ist nicht bekannt. Längst nicht allen scheint bewusst, dass hier etwas Neues entstanden ist. Das Schild "Mahü77" an der Außenfassade kommt auch eher unscheinbar daher. "Generali Center, hä?", fragt ein vorübereilender Passant. Unbemerkt verändert die Stadt ihr Gesicht.
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