10.08.2016, 08:20 Uhr

"Ruffboards": Longboards aus Wien

Früher haben Melanie Ruff und Simone Melda ihre Longboards im Pop-Up-Store im Donaukanal verkauft. (Foto: Carolina Frank)

In der Otto-Bauer-Gasse 24 haben Melanie Ruff und Simone Melda kürzlich "Ruffboards" eröffnet. Dort werden Longboards verkauft, die ressourcenschonend aus alten Snowboards produziert werden.

MARIAHILF. Sie selbst gehört zu den "dienstältesten Skaterinnen" Österreichs. Damals noch - dem Trend der 90er Jahre folgend - auf dem Snakeboard in der Halfpipe. Heute, gut 20 Jahre später, schlägt Melanie Ruffs Herz für Longboards. Dabei handelt es sich um jene Boards, die etwas größer und stärker gefedert sind als herkömmliche Skateboards und nicht in erster Linie dazu da sind, Tricks zu machen, sondern um zu "cruisen".

Seit einigen Jahren prägen sie auch in Wien das Stadtbild - und es fällt auf, dass inzwischen immer mehr Mädchen und Frauen sich mit diesem Sportgerät fortbewegen. "Die Hemmschwelle das Longboarden zu probieren ist im Gegensatz zum herkömmlichen Skateboard niedriger, weil du damit nicht in den Skatepark musst, wo du den kritischen Blicken derer ausgesetzt bist, die es schon besser können", sagt Melanie Ruff über die zunehmnde Begeisterung von Frauen für den Sport.

Dass kürzlich in Mariahilf ein Shop eröffnet hat, der von zwei Frauen gegründet und betrieben wird, könnte diesen Trend noch weiter befeuern. Seit Ende Juli hat "Ruffboards" in der Otto-Bauer-Gasse 24 geöffnet - und somit erstmals einen fixen Verkaufsraum. Verkauft haben sie die Boards, die sie selbst entworfen und hergestellt haben, schon länger - allerdings in Form eines Pop-Up-Stores am Donaukanl oder der "mobilen Manufaktur", die von Krems bis nach Berlin unterwegs war.

"Scheiß drauf, wir probieren das jetzt einfach"


Die Idee selbst Boards zu entwerfen und herzustellen kam Melanie Ruff, die eigentlich promovierte Historikerin ist und ihrer Kollegin Simone Melda, die vohrer als Zahntechnikerin und im IT Bereich tätig war, während einer USA-Reise im Jahr 2011. Inspiriert vom US-amerikanischen Zugang, etwas neues zu wagen, sagten sie sich: "Scheiß drauf, wir probieren das jetzt einfach". So kamen sie mit den ersten Skizzen im Gepäck zurück nach Österreich und fanden mit Nikolaus Hutter noch einen Partner, der sich fortan ums Geld und die wirtschaftlichen Aspekte von "Ruffboards" kümmern sollte.

"Mit dem Store ging dann alles ganz schnell", sagt Melanie Ruff. Anfang Juli erfuhr sie von dem leersthenden Lokal in der Otto-Bauer-Gasse - zwei Tage später stand der Deal, wonach die Frauen mit ihren Longboards einziehen sollten. Nach zwei Wochen intensiven Umbauarbeiten war der Raum fertig, "Ruffboards" wurde eröffnet.

Produktion mit Ex-Häftlingen


Nachdem die Produktion der Boards, die allesamt aus alten Snowboards hergestellt werden, aber Arbeiten wie flexen, fräsen und sägen erfordert, findet die Produktion nicht im Store, sondern in einer Tischlerei im 18. Bezirk statt, mit der "Ruffboards" zusammen arbeitet. Diese wird von einem Ex-Häftling betrieben und das ist kein Zufall. Neben dem ressourcenschonenden Zugang zur Produktion, ist es ihnen wichtig auch bei der Arbeit einem sozialen Gedanken zu folgen, denn: "Jeder hat eine zweite Chance verdient. Und wir haben sehr gute Erfahrungen mit dem Zugang gemacht, Menschen zu unterstützen, die es sonst am Arbeitsmarkt schwer haben".

Im Store kann man neben Longboards auch Mode und Accesoires kaufen - allesamt aus fairer, österreichischer Produktion. Und wer sich nicht sicher ist, ob ein Longboard das richtige, neue Fortbewegungsmittel für die Großstadt ist, kann sich bei "Ruffboards" einen Tag lang gratis ein Board ausleihen.
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