Ein Weisheitszahn hat – mit Verlaub,
schon Manchen seines Geist’s beraubt …
Darum ging Berta Muskatell,
zum Zahnarzt einst – und das ganz schnell …
Der Zahn – er ließ die Backen glüh’n,
wie Kopfweh wirkt – bei starkem Fön …
Als sie beim Zahnarzt angekommen,
hat der sich alsbald Zeit genommen,
die Berta auf den Stuhl gesetzt
und dann zu aller guter Letzt,
zum Mundeswinkel offen halten,
mit Eisenzangen - furchtbar kalten,
die Klappe ihr so auf gesperrt –
was sprechen ungemein erschwert ...
Als er mit prüfend Blick betonte,
„das sich Das diesmal wirklich lohnte“ …
Nicht Burgen, auch nicht Schlösser, konnte er dort seh’n,
dafür tat er Ruine dann erspähen –
ne Ruine von nem Weisheitszahn,
den er sogleich in Angriff nahm …
Er streckt die Finger Richtung Rachen,
um ebendort sich breit zu machen –
während Berta sitzt auf Hubgerät,
dass passend rauf und runter geht …
Die Finger punktgenau platziert,
wird dann noch Spritze initiiert –
die Schmerzen auch verhindern kann,
hätt Doktorchen sie hin getan,
wo ihr der Platz wär zu gedacht –
doch leider hat er’s nicht gemacht …
Er wollt das Übel bei der Wurzel packen,
doch plötzlich bricht ihm da ein Zacken –
nicht aus des Zahnes Urgemäuer,
nein noch viel schlimmer – ungeheuer –
der Zange Zinken war ruiniert
und Doktorchen hat sich geniert …
der Billigkauf im Penni-Shop,
somit bewiesen - war ein Flop …
So muss er neue Zange dann,
zur Wendung bringen an – den hohlen Zahn …
Das Doktorchen die Brille fasst,
denn jetzt heißt es – Gut aufgepasst,
nimmt Bohrer, Meißel, andre Sachen,
die rein in Bertas Mäulchen passen,
beginnt zu klopfen und zu meißeln
und manchmal auch herum zu scheißeln …
Des Zahnarztassistenten Finger,
sollen halten Bertas Kopf wann immer –
durch Bertas Sinn für Rachgelüste,
der Doktor plötzlich d’rauf zahl’n müsste …
Ein Finger sinkt in’s Loch der Nase,
wie Rosenstiel in Blumenvase –
die andre Hand am linken Ohr,
weil das steht ganz besonders vor …
Die Spritze die ihr Ziel verfehlte,
nen andren Weg sich auserwählte …
Als Berta nun durch Schmerz gepeinigt,
des Zahnarzt’s Tun doch recht beschleunigt –
indem sie rasch und Köpfe rollend,
dem Zahnarztgriff entfliehen wollend –
ihm mit nem Tritt den Arsch verbog,
sodass das ganze Werkzeug flog …
Mein lieber Mann,
so ein Theater –
der Zahnarzt bet zum Himmelvater,
als er dann mit nem Ruck gescheit,
die Berta von dem Zahn befreit …
Der Doktor wankt,
der Assistent der stolpert –
wie Berta dann zur Tür raus holpert,
das konnt man hören und auch seh’n
wohin sie stürzt blieb nichts mehr steh’n …
Inzwischen ward es finster draußen,
Frau Muskatell zu Fuß musst laufen –
nach Hause kam sie trotzdem gut,
trotz Regenwetterwasserflut …
Daheim, als Berta bei der Tür rein schlich,
mit angeschwollenem Gesicht,
ihr kleiner Racker Hubert sprach,
„Ooh liebe Mama – weh und ach,
was hat der Doktor Dir getan –
wo ist den jetzt Dein Weisheitszahn
und ausserdem und überhaupt –
bist Du der Weisheit jetzt beraubt ???“
* © Gerhard Windhager *






