12.07.2016, 09:53 Uhr

Was soll mit dem Hitler-Geburtshaus passieren?

Wien: VHS Hietzing | Der Direktor der VHS Hietzing, Dr. Robert Streibel hat dazu einen Vorschlag und unterstützt die Initiative "Idea for a House of Responsibility in Braunau am Inn"

Was soll mit dem Geburtshaus von Hitler in Braunau am Inn passieren? Ein weiteres Museum? Das ist leider nicht nur eine Frage der Vergangenheit. Es ist Zeit Verantwortung zu übernehmen, für die Geschichte und für die Gegenwart. Ein Haus der Verantwortung ist eine Möglichkeit. Es ist Zeit, dass wir nicht der Opfer gedenken, sondern uns mit den Tätern auseinandersetzen. Die Täterforschung ist eine Frage der Zeit, damit wir in Zukunft nicht wieder die Geschichte von Opfern schreiben müssen. Welches andere Haus in Österreich würde sich besser eignen, um alle Facetten der Täter zu dokumentieren, zu erforschen. Täter gibt es nicht nur in der Vergangenheit.

Wenn dieses Haus einen Sinn macht, dann als Zentrum für Täter. Und wir wissen, Täter sind nicht nur jene, die eine Waffe in der Hand hatten, manche haben die Weichen gestellt, andere Listen geschrieben. Wer ist überhaupt noch Täter in einer arbeitsteiligen Mord-Gesellschaft? Wer hat Verantwortung? Wer ist verantwortlich zu machen? Die Verantwortung braucht ein Haus und ein Stockwerk gehört sicherlich den Tätern.

Als Historiker beschäftige ich mich seit 25 Jahren mit der NS-Geschichte, dem Widerstand und Exil. Begonnen hat alles in Krems. Geschichte alleine hat mir nie genügt, die Umsetzung des Wissens, deren Popularisierung ist eine Frage der Volksbildung. Der Begriff des Gedenkarbeiters trifft die Sache. Aktionen in diesem Sinne für vergessene Widerstandskämpfer (Franz Zeller), für verdrängte Massaker (6. April 2016 im Zuchthaus Stein), unbeachtete Judenlager (Dross bei Krems), ermordete Jüdinnen und Juden (Hietzing). Zuletzt erschien der Roman „April in Stein“ (Residenz Verlag) über das Massaker im Zuchthaus Stein. In Kürze wird eine Dokumentation über das Friedenkreuz bei Rührsdorf, den historischen Hintergrund für den Kampf der Deutschen Wehrmacht in Jugoslawien zeigen. Und im Herbst wird die vergessene Erzählung von Louis Mahrer „Bora“ kommentiert im Verlag Bibliothek der Provinz vorliegen. Eine Geschichte über den Widerstand in der deutschen Wehrmacht in Serbien. Zurzeit ist in der VHS Hietzing die Ausstellung „Der Tod hat nicht das letzte Wort“ über die Krimis von Hans Georg Friedmann zu sehen. Der 13jährige hat diese Geschichten vor seiner Deportation geschrieben.

Robert Streibel (*1959 in Krems an der Donau) ist Historiker, Autor und Lyriker. Seit 1999 leitet er die Volkshochschule Wien Hietzing. 2015 wurde er von der Stadt Wien mit dem Leon Zelman-Preis für Dialog und Verständigung ausgezeichnet.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.