Die Donaugemeinden kämpfen sich zurück zur Normalität – Tausende Helfer im Einsatz

Voller Einsatz: über 400 Helfer waren in Marbach im Einsatz.
 
Einfahrt verboten: In Marbach regierten am Wochenende noch die Helfer.
 
Marbach an der Donau – Hafen
 
Die Wachaubahn sorgte in der Katastrophenwoche dafür, dass der öffentliche Verkehr in der Region nicht vollkommen zusammengebrochen ist. Mit an Bord: Landesrätin Barbara Schwarz. (Foto: NÖVOG/weinfranz)
 
Landesrätin Barbara Schwarz nutzte selbst als Passagierin die Wachaubahn als Alternative um von Dürnstein nach Krems zu kommen. (Foto: privat)
 
Feuerwehrmann Sebastian: Bis hier stand das Wasser. (Foto: SC Ternitz)
 
Krummnußbaum beim Aufräumen (Foto: Berger)
 
Landeshauptmann Pröll macht sich mit dem Ybbser Bürgermeister Anton Sirlinger ein Bild vor Ort. (Foto: Permoser)
   
Marbach an der Donau (Foto: Zimmerl)
 
Der Landeshauptmann lässt sich erklären, was passiert wäre, wenn die Mauer nicht da wäre. (Foto: Permoser)
 
Das Bundesheer hilft im Katastrophenfall mit Menschen zu retten, Häuser zu sichern und nach der Flut wieder aufzuräumen. (Foto: Bundesheer)
 
Alles muss raus: Präsenzdiener halfen beim Ausräumen von Wohnhäusern. (Foto: Bundesheer)
Gesperrte Häuser, ausquartierte Schüler, weinende Bewohner: Mit unbändiger Tatenkraft einer Hundertschaft von Helfern wird in Marbach wieder Stück für Stück Normalität hergestellt.

Letztes Update: Montag, 10. Juni, 08:16 Uhr


Ein gelbes Schild wird an die Tür genagelt. Darauf steht in schwarzen Buchstaben "Betreten verboten – behördlich gesperrt". Mit versteinerter Mine, aber durchaus gefasst, nimmt ein Mann es im Marbacher Ortsteil Granz hin, bis zur Klärung durch einen Sachverständigen, nicht mehr das Haus betreten zu können.

Was das für ihn heißt, erklären ihm sowohl Marbachs Bürgermeister Anton Gruber als auch zwei ausgebildete Helferinnen vom Kriseninterventionsteam des Roten Kreuzes. Wie viele ihrer Kollegen sind auch Brigitte Scheuchelbauer und Margit Labuda in der Region unterwegs. "Manche weinen, die meisten wollen einfach nur reden und sind wirlich dankbar, wenn man kommt. Es berührt mich immer wieder, wenn jemand einfach sagt 'Danke, dass ihr bei uns seid", sagt Brigitte Scheuchelbauer.

Die Helferinnen bekommen dabei, ebenso wie Vizebürgermeisterin Renate Hebenstreit, alle Tragödien hautnah mit. "Diese Famile ist erst zwei Tage vor dem Hochwasser mit einem Kleinkind in ihr Haus gezogen. Jetzt ist es zerstört", sagt Scheuchelbauer und zeigt auf ein kleines Häuschen direkt neben der B3. Die Wohnfläche befindet sich im Erdgeschoß. Und das befand sich unter Wasser.

Beim Rückweg zum Feuerwehrhaus – dem aktuellen Zentrum von Marbach wo sich Hunderte Helfer treffen, stärken, neue Order bekommen und wieder losziehen um aufzuräumen – sieht man allerorts Menschen bei der Arbeit. Bei schwerer Arbeit. Bundesheersoldaten sind mit elf Mann auf einer kleinen eingezäunten Fläche dabei, die einst ein Garten war, den Schlamm rauszuschaufeln.

Andernorts im Freizeitzentrum fährt eine einzelne Zille durch den Hafen und sammelt Treibgut auf, gegenüber findet sich die "Autowaschanlage" – ein Tanklöschfahrzeug der FF Breitenfurt, die mit dem Katastrophenzug aus Mödling angereist ist um zu helfen.

Jeder Bewohner hat seine eigene Geschichte zu erzählen. Die einen hadern damit, dass mein seit Jahren einen Hochwasserschutz will und ihn einfach nicht bekommt – die anderen fügen sich ihrem Schicksal und erzählen vom letzen Mal und dass das Wasser heuer rund 20 Zentimeter höher stand als damals. Obwohl es offiziell keinen neuen "Rekord" beim Donaupegel gab.

Auch die Kleinsten blieben vom Hochwasser nicht verschont. Sowohl die Volksschule als auch einer der Kindergärten ist nicht mehr nutzbar. Die Kinder wurden mittlerweile in umliegenden Kindergärten sowie der Schule Artstetten untergebracht, mitsamt ihren Betreuern und Lehrern natürlich. Wann sie wieder zurück können, ist noch offen. Die Volksschüler bleiben auf jeden Fall bis zum Ende des Schuljahres in ihrem Ausweichquartier, so Vizebürgermeisterin Renate Hebenstreit.

Margarete Grubmüller, Betreiberin eines Möbelhauses, zeigt auf die Oberkante ihrer großen Schaufenster und sagt: "Bis dorthin ist das Wasser gestanden." Und ohne Nachfrage fügt Sie hinzu: "Wissen Sie, wenn man all die jungen Menschen sieht die mitanpacken und dabei mit so viel Hingabe arbeiten, als ob all das ihr eigen Hab und Gut sei, dann kann ich nur sagen: Hier sieht man das Gute im Menschen."

Geeint sind die Marbacher durch ihr Schicksal. Und ihren in jeder Faser des Ortes spürbaren Willen, so schnell wie möglich wieder zur Normalität zurückzukehren. Auch wenn dies heißt, einige Tage fast rund um die Uhr Schlamm zu schieben, Container voller Müll wegzubringen und jenen beizustehen, die Hilfe am dringendsten brauchen.

Am Freitag waren jedenfalls rund 450 Menschen in Marbach unterwegs, um der Katastrophe die Stirn zu bieten und Hoffnung zu spenden. Wenn uns die vergangene Woche etwas Positives elehrt, dann wohl jenes, was Margarete Grubmüller schon gesagt hat: "Hier sieht man das Gute im Menschen."

Link: Hier finden Sie alle Bilder von den Aufräumarbeiten in Marbach an der Donau


Die BEZIRKSBLÄTTER berichten laufend aus den betroffenen Orten, liefern neue Hintergrundgeschichten und Bildern vom Fortschritt der Arbeiten nach der Katastrophe.

Link zu: Bilder vom Höhepunkt der Flut in Aggsbach Dorf

Link zu: Ternitzer helfen in Aggsbach Dorf

Link zu: Aufräumarbeiten in Melk Laufen: Dutzende Pioniere und Team Österreich Helfer im Einsatz.

Link zu: Aufräumarbeiten in Dürnstein

Link zu: Mit Ihrem Einkauf zugleich spenden – Melker Unternehmerin unterstützt Hochwasserhilfe der Bezirksblätter

Link: Aktuelles aus Ybbs an der Donau finden Sie hier

Ein Hochwasser-Bus namens "Wachaubahn"

Die Geschichte der Wachaubahn ist gekennzeichnet von Auf und Abs. Noch bevor die Bahn zu Beginn des 20. Jahrhunderts ihre erste Fahrt unternahm, war sie schon im Gespräch, denn bei den Bauarbeiten der Gleise wurde eine 11 Zentimeter große Frau gefunden. Die "Venus von Willendorf" wurde weltberühmt – und mit ihr eine ganze Region.

Rund 100 Jahre später drohte der Wachaubahn der Todesstoß: Bis auf Schüler transportierte sie kaum noch Menschen, den ÖBB war die Nebenbahn schlicht zu teuer. Und das Ende wurde besiegelt.

Als Retter in der Not sprang schließlich, nach einigem hin und her, das Land NÖ in Form seiner Verkehrsgesellschaft NÖVOG ein. Und dass es eine äußerst gute Idee war, die Bahn nicht ganz sterben zu lassen, zeigte sich in dieser Hochwasser-Woche recht deutlich.

Wachaubahn – Retter in der Not

Als klar war, dass die Donau an einem neuen Rekord-Pegelwert schrammen würde, wurde die Wachaubahn, so wie im Notfallplan vorgesehen, zum Herzstück des öffentlichen Nahverkehrs der Region, Busse konnten aufgrund der gesperrten Straßen ja nicht mehr verkehren. Ein Glücksgriff, wie sich herausgestellt hat.

"Bis zu 200 Personen haben etwa die Morgenzüge genutzt. Darunter natürlich viele Schüler, aber auch Pendler, die so in die Arbeit kommen konnten", sagt Brigitta Pongratz, Sprecherin der Betreibergesellschaft NÖVOG.

Dabei hatte die Wachaubahn bei ihrer morgendlichen Fahrt auch zwei Mal hohen Besuch an Bord. Landesrätin Barbara Schwarz, wohnhaft in Dürnstein, nutzte die Bahn um nach Krems zu kommen und von dort aus ihre Reise in den St. Pöltener Regierungssitz anzutreten.

"Ich wollte auf jeden Fall die Güterwege für die Einsatzkräfte freihalten und daher nicht mit dem PKW dort fahren. Die Wachaubahn war eine gute Alternative. Gut, dass die NÖVOG diese so schnell zugänglich gemacht hat", sagt Schwarz, die auch gerne als normale Passagierin mit den Schülern gereist ist.

"Ich habe jedes Mal einen Sitzplatz bekommen, es war kein Problem und die beste Lösung."
Schwarz, die bis 2011 auch Bürgermeisterin der Stadt Dürnstein war, zieht vor den Helfern den Hut. "Natürlich habe ich auch bei der Feuerwehr vorbeigeschaut, gefragt ob sie etwas brauchen. Aber ich muss agen: Sie sind wirklich top organisiert. Und auch der Dürnsteiner Bürgermeister braucht meine Ratschläge nicht, alle wissen was zu tun ist. Wir haben in der Landesregierung reagiert und 10 Millionen Euro an Soforthilfe auf den Weg gebracht", sagt Barbara Schwarz, die ausdrücklich die "Professionalität" aller Einsatzkräfte lobt.


Aufräumen nach der großen Flut

Sehr gemächlich zieht sich die Donau wieder in ihr Bett zurück. Der Pegel sinkt. Derzeit (Freitagmorgen, 9 Uhr), stehen wir bei einem Wachau-Pegel von 8,32 Meter. Im Laufe des Samstags wird er auf etwas über 7 Meter sinken. Damit laufen die Aufräumarbeiten nun auf vollen Touren.


Krummnußbaum: Alle helfen zusammen

Lob, Lob und noch mehr Lob für den Bürgermeister. Nein, es ist kein Wahlkampf, es ist der erste Zeit nach dem Hochwasser in Krummnußbaum. Und mit wem man hier auch spricht, Bernhard Kerndler hat bei jedem einen Stein im Brett.

"Der Bürgermeister hat mir in meinem Haus geholfen auszuräumen", sagt der eine. "Wo findet man schon einen Bürgermeister, der sich nicht zu Schade ist mitanzupacken und immer direkt bei den Leuten ist. Hut ab", sagt ein anderer.

Generell scheint die Stimmung hier, auch unter dem Eindruck der ersten Sonnenstrahlen, gelöst zu sein. "Das Miteinander hat einfach hervorragend funktioniert, von den Vorarbeiten über die Versorgung der Einsatzkräfte bei dem die Bürger so viel gespendet haben bis hin zum Wegräumen des Mülls", sagt die Feuerwehr.

Link zu: Bilder aus Krummnußbaum

Pröll im Hubschrauber über Ybbs: "Hatte feuchte Augen"

Nachbesprechung in der Feuerwehrkommandozentrale in Ybbs am Donnerstagvormittag: Die müde wirkenden Feuerwehrleute zogen mit unter anderem mit Bürgermeister Anton Sirlinger, dem Ybbser Feuerwehr-Kommandanten, Landesrat Stephan Pernkopf, Melks FF-Bezirkskommandanten Puschacher, Rot-Kreuz-Kommandant Gerhard Wurzer und Landeshauptmann Pröll Resüme: Alles mehr oder minder glimpflich ausgegangen, man atmet auf.

Pröll dazu: "Als ich mit dem Hubschrauber über Ybbs geflogen bin, habe ich feuchte Augen bekommen. Ich sah mit gewisser Genugtuung, dass der Hochwasserschutz so gut funktioniert hat."

Melk hingegen hat es am falschen Fuß erwischt: "Wäre das Hochwasser bloß ein halbes Jahr später gekommen, wäre die Lage weitaus weniger dramatisch wie jetzt", so der sichtlich betroffene Landeshauptmann.
Im selben Zuge dankte der LH Landesrat Pernkopf stellvertretend für alle Feuerwehrleute für die "exzellente Arbeit".

Bgm. Sirlinger dankte auch "dir, lieber Landeshauptmann" und richtet damit den großen Dank seitens der Bevölkerung aus bzw. weiter. Die Ybbser zeigen sich laut des Orts-Häuptlings zufrieden mit dem Schutzwall.

Der neue Hochwasserschutz in Ybbs wurde am 1. Juni aufgebaut – und keinen Tag zu früh - das "Jahrhunderthochwasser Vol. 2" war ein Kelch, der dadurch an Ybbs vorüberging.
Katastralgemeinden wie Sarling hat es gröber erwischt - auch die FF Sarling selbst, denn deren Bootshaus welche das Ausbildungszentrum für die Zillenfahrerei diente wurde von der Flut angehoben und weggeschwemmt.

So wurde das Bootshaus zu einem "Hausboot" und riss sogleich auf einem Handy-Video der FF gut ersichtlich eine 20-jährige Eiche mühelos mit, wie FF-Kamerad G. Mairhofer berichet. Pröll spricht frei aus: "Sobald's ihr den Schaden abschätzen könnt', sagt's uns des!"

Mehr Neuigkeiten von der Donau

Ganz nah dran den Feuerwehren, die rund um die Uhr auch in Krems arbeiten, ist die Kremser Redaktionsleiterin Doris Necker. So erlebt sie die Helfer in der Not.

Zugespitzt hat sich gestern Mittwoch auch die Lage in Theiß. Unsere Kremser Kollegin Doris Necker berichtet vor Ort.

"Inspiriert" beziehungsweise angespornt durch das Hochwasser an der Donau, macht man sich selbst in Waidhofen an der Thaya Gedanken, wie man einen Hochwasserschutz finanzieren könnte. Nun ist eine Abgabe im Gespräch. Unser Kollege Peter Zellinger berichtet aus Waidhofen.

Das Heer steht hinter dem Heer der Freiwilligen

Derzeit arbeiten rund 1.600 Soldaten in Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg und Tirol an der Beseitigung von Hochwasserschäden. Bundesheer-Hubschrauber retten Menschen, die in den Fluten eingeschlossen waren.

Pioniere bereiten den Wiederaufbau von Brücken vor. Schreit-, Mobil- und Hydraulikraupen-Bagger sind einsatzbereit. Voraussetzung für einen Einsatz dieses schweren Gerätes ist das Zurückgehen der Pegelstände. Bei Bedarf kann das Bundesheer seine Unterstützung noch weiter erhöhen - bis zu 8.000 zusätzliche Soldaten könnten von den Behörden angefordert werden. Vier Pionierkompanien stehen bereit, um bei Bedarf sofort technische Hilfe zu leisten. In Melk wurden erste Kräfte am Mittwoch in Marsch gesetzt.

In Niederösterreich sind die Soldaten vor allem in Hainburg und Melk sowie im Raum Amstetten tätig, in der Wachau halfen sie in der kritischen Phase mit die Hochwasserschutzbauten abzustützen und zu sichern.

Pflege daheim auch in der Krise

Durch das Hochwasser ist es oft schwierig von A nach B zu kommen, die meisten Hauptverbindungen sind unterbrochen, lange Umwege müssen in Kauf genommen werden.

Was aber, wenn man selber gar nicht woanders hin will, sondern darauf angewiesen ist, dass man selbst Hilfe bekommt? Zum Beispiel, wenn man zu Hause auf seine Pflegerin wartet. Diese besondere Art der Nahversorgung hält unter anderem das Hilfswerk aufrecht.

"Wir hier in Melk halten alle zusammen", sagt Maria Eder, die Leiterin des Hilfswerks Melk. Ihre Mitarbeiter fahren im Moment ein "bewundernswertes Notprogramm in den betroffenen Gebieten." Denn schließlich muss die – oft lebenswichtige – Versorgung pflegebedürftiger Menschen aufrechterhalten werden. Gesperrte und überflutete Straßen und widrige Verhältnisse machen es den Mitarbeitern des NÖ Hilfswerks nicht einfach. Das Hilfswerk arbeitet jedoch eng mit den Einsatzkräften zusammen. „Meine Mitarbeiter wurden zu den teilweise schwer zugänglichen Häusern gelotst und zwar über Nebenstraßen, die noch nicht überflutet waren“, weiß Maria Eder.

Derzeit sind im Bezirk 30 Pfleger im Einsatz, vier wurden am Wochenende aus dem Urlaub bzw. Zeitausgleich zurück in den Dienst geholt. "Alles kein Problem, meine Mitarbeiter haben großes Verständnis dafür, wir können das nur gemeinsam schaffen", sagt Eder. Durch mehr Personal müssen einerseits die längeren Wege ausgeglichen werden, zum anderen soll sich auch Dominik Stummer, den das Hilfswerk für die Feuerwehr freigestellt hat, keine Sorgen machen müssen, dass seine Arbeitskraft fehlt.

Auch das Problem, dass Kunden in ihren Häusern nicht auffindbar sind, hat man beim Hilfswerk mittlerweile gelöst. "Es ist ja so: Wenn jemand nicht öffnet, müssen wir im Normalfall auch die Tür aufbrechen lassen, es könnte sich ja um einen Notfall handeln. Jetzt checken wir mit der Feuerwehr ab, ob Kunden evakuiert worden, was in den meisten Fällen derzeit der Fall ist.

Und das Hilfswerk tut noch mehr. Als Arbeitgeber stellt es Angestellte frei, die für wichtige Aufgaben benötigt werden, etwa der 29-jährige Dominik Stummer. Im Hauptberuf ist er Krankenpfleger, seine Berufung ist nebenbei die Feuerwehr. Für diese ist er nun bereits seit vergangenem Freitag als Koordinator in der Feuerwehrzentrale Emmersdorf tätigt.
„Für mich war klar, dass er freigestellt wird – und auch für seine Kolleginnen und Kollegen war das in dieser Situation selbstverständlich", bekräftigt Maria Eder, Betriebsleiterin des Hilfswerks in Melk.

Der Wachaubahn geht auf offener Strecke das Benzin aus – Passagiere sitzen fest

Eigentlich eine gute Idee: Die gute alte Wachaubahn, die bereits einmal eingestellt wurde und nun im Auftrag des Landes von der NÖVOG betrieben wird, sprang am Wochenende für die eingestellten öffentlichen Buslinien ein. Auf der hochwassersicheren Gleisroute werden Passagiere von Emmersdorf nach Krems gebracht. Doch am Mittwochmorgen war für einige von ihnen Grimsing die unfreiwillige Endstation.

Nach Informationen der BEZIRKSBLÄTTER dürfte ein Zug der Bahn mit einer unbekannten Zahl von Passagieren an Bord bei der Fahrt Richtung Emmersdorf plötzlich stehen geblieben sein. Genauer gesagt: Zwischen Aggsbach Markt und Emmersdorf, erund 800 Meter vor der Haltestelle Grimsing.

Nach Auskunft der lokalen Feuerwehr könnte schlicht vergessen worden sein, zu tanken. Rund 100 Liter Diesel stellte die FF Aggsbach Markt dem Pannenzug zur Verfügung und unterstützt die herbeigerufenen Helfer der NÖVOG, die derzeit (11 Uhr) verzweifelt versuchen die Lok zu starten.

Die Passagiere sitzen derweil in den Waggons fest, denn auf der einen Seite befindet sich nichts als Felsen und Wald, auf der anderen Seite blicken sie auf die vorbeiziehenden Wassermassen der Donau. Wie lange die Reparatur des Zuges dauern wird, ist derzeit unklar.

NÖVOG-Sprecherin Brigitta Pongratz zu dem Vorfall: "Derzeit wird alles getan um die Situation zu lösen, leider wird es bis in den Nachmittag hinein zu Verzögerungen kommen."

Für die Panne selbst dürfte übrigens die Wiener Lokalbahn verantwortlich sein, denn diese führt den Bahnverkehr im Auftrag der NÖVOG und mit Zügen der NÖVOG durch, ist jedoch für den gesamten organisatorischen Ablauf verantwortlich. Dort bemüht man sich zu versichern, dass am frühen Nachmittag nun ein Ersatzzug in der Wachau angekommen ist. Außerdem sei man dabei genau zu ergründen, welchen Grund es für den Ausfall des Zugs gibt.

Der Fahrplan für Mittwoch schaut wie folgt aus:

Erster Zug von Emmersdorf nach Krems um 14.40 Uhr – erster Zug von Krems nach Emmersdorf wieder um 16 Uhr

Pongratz abschließend: "Ich bin mir jedoch ziemlich sicher, dass nun kein Lokführer mehr losfahren wird ohne sicher zu sein, dass genügend getankt wurde."

Auf der Liste der bedrohten Arten

Früher waren sie das Zentrum der Ortschaft, doch dann begann ihr Massensterben. Heute gibt es nur noch einige wenige Exemplare. Die Gattung "Greißler" steht quasi auf der Roten Liste der bedrohten Arten. Und doch beweist sich gerade in der Krise, wie wichtig sie sind.

Mittwochmorgen, kurz vor 9 Uhr im kleinen Nah&Frisch Markt von Ulrike Stummvoll in Aggsbach Markt. Hier trifft man sich, kauft Semmeln fürs Frühstück, Blasenpflaster für von Gummistiefeln gepeinigte Füße und Schokolade fürs Gemüt. Und natürlich spricht man über die Donau, die den Ortskern in Beschlag genommen hat. Nur rund 30 Meter entfernt von dem Geschäft findet man derzeit die Hochwassergrenze.

"Es gibt eigentlich alles hier. Nur der Radler ist schon aus", sagt eine Kundin die gerade mit Brot und Gebäck das Geschäft verlässt. Drinnen werden von Besitzerin Urlike Stummvoll gerade fleißig Wurstsemmeln vorbereitet – und noch mehr Service geboten. Annemarie Vacano ist etwa mit ihrem Fotoapparat ins Geschäft gekommen. Das Problem: Sie hat keine Ahnung, wie die Digitalkamera funktioniert. "Ich habe sie nun schon zwei Jahre, aber nie benutzt. Aber jetzt will ich Fotos von unserem Keller für die Versicherung machen", sagt sie und lässt sich von Ulrike Stummvoll und ihrem Mann Eduard das neumodische Gerät erklärten.

Nebenbei kauft sie noch ein und ist voll des Lobes: "Wir können uns nicht beklagen, man bekommt hier alles, was man braucht. Es ist wirklich ein Segen, noch ein Geschäft im Ort zu haben."

Rückwärts den Jauerling hinunter

Dass die Versorgung auch in Krisenzeiten klappt, verdanken viele kleine Betriebe dem Engagement ihrer Lieferanten. "Uns beliefert Kastner und die kommen jetzt mit kleineren LKWs und erst gestern ist ein Fahrer den ganzen Weg von Maria Laach nach Aggsbach rückwärts heruntergefahren", sagt Ulrike Stummvoll voller Bewunderung.

Ein Umdrehen mit einem LKW ist in Aggsbach nämlich aufgrund der engen Straßen defacto unmöglich, die Fahrer brauchen also etwas Kreativität. "Die wissen schon, was sie tun", sagt Edin Pekmezovic, Chef der Kastner-Fahrer die vom Standort Zwettl aus die Region mit Waren versorgen. "Wir haben uns mit Frau Stummvoll in Verbindung gesetzt und einen Ausweg gesucht: Kleinere LKW die gerade noch unter der Bahnbrücke in Aggsbach durchpassen – und eben das rückwärts fahren über den Jauerling", sagt er. Und das sind immerhin mehrere Kilometer mit zahlreichen Kurven.

Sogar das abgeschnittene Dürnstein wird von den Kastner-Fahrern noch versorgt. "Wir laden alles, was benötigt wird in ganz normale VW Busse und fahren damit wirklich durch den Wald um zur Familie Böhmer zu kommen. So etwas kommt nicht oft vor, aber wir halten es für unsere Pflicht die Versorgung aufrecht zu erhalten", so Perkmezovic.

Und auch Ulrike Stummvoll wird die Versorgung aufrecht erhalten. Mit viel Informationen zur aktuellen Lage, Blasenpflastern und Wurstsemmeln ...

Endlich: Der Pegel sinkt langsam

Der für die Wachau maßgebliche Pegelstand in Kienstock sinkt seit 4 Uhr früh wieder leicht. Zuerst hatte sich der Wasserstand um Mitternacht auf 10,78 Meter eingependelt. Derzeit (5:50 Uhr) ist er bereits auf 10,76 Meter gesunken. Um 6.30 Uhr war er auf 10,73 Meter gefallen. Östlich von Wien haben die Pegel aber noch nicht nach unten ausgeschlagen. Die Feuerwehr scheint über Nacht alle wichtigen Dämme gehalten zu haben. Noch ist nichts von Wassereinbrüchen bekannt. Dramatisch ist die Situation allerdings in Theiss bei Krems. Dort droht ein Damm zum rückgestauten Kremsfluss zu brechen. Er ist auf etwa drei Kilometern Länge unterspült, um drei Uhr Früh wurde die Evakuierung angeordnet. Im Rest der Wachau-Orte mit Schutzdämmen herrscht vorsichtiger Optimismus.


Land unter "irgendwo zwischen Emmersdorf und Spitz": Auch Aggsbach Markt säuft im wahrsten Sinne des Wortes ab

"Ich hoffe einfach, dass es sich ausgeht", sagt eine Bewohnerin im Zentrum von Aggsbach Markt und blickt aus dem Fenster auf den an ihrem Haus vorbeirinnenden Endlingbach. Eigentlich ein kleines Bächlein, das selten mehr als drei Zentimeter Wasser führt, doch wenn die Donau voll ist, staut sich der Bach zurück und wird zur Gefahr für die Anrainer.

Aktuell hält die Donau bei 10,60 Meter, doch das soll es noch nicht gewesen sein sagt der Feuerwehrkommandant Hans-Jürgen Sponseiler: "Ich habe soeben die Nachricht vom Bezirksführungsstab bekommen, dass noch 30 Zentimeter bis zum Abend dazu kommen werden."

Die meisten Vorarbeiten hat die aktuell 30-köpfige Truppe, viele der Feuerwehrmitglieder sind heute ihren normalen Arbeitsstätten fern geblieben um im Ort zu helfen, bereits geleistet. "Jetzt kämpfen wir gerade um einige Häuser an der Wassergrenze durch Pumparbeiten und Sandsäcke zu halten. Wenn wir Glück haben, geht es sich vielleicht aus."

"Das schaffen wir schon, wir sind alle eingespielt, jeder weiß was zu tun ist. Es ist nicht unser erstes Mal", sagt der Kommandant. Erst nach dem Hochwasser, bei den Aufräumarbeiten wird Hilfe erwartet – und ist auch sehr erwünscht.

Von der Bundesstraße B3 ist in Aggsbachs Zentrum nichts mehr zu sehen, auch Susi's Donaustüberl ist bereits überflutet und auch ins Gemeindeamt kommt man nur noch mit der Zille. Wobei selbst das Zillenfahren hier gefährlich ist. "Es geht eine ziemliche Strömung durch unsere Gassen, das sollte man nicht unterschätzen."

Medial fühlt man sich ein wenig "vergessen", wie Sponseiler sagt, denn berichtet werde hauptsächlich über Krems und Spitz, die eh einen Hochwasserschutz haben oder eben über Melk und Emmersdorf. Arbeitsmäßig kommt man alleine ganz gut zurecht, nur bei den Aufräumarbeiten ist es den Aggsbachern schon wichtig, nicht zu kurz zu kommen. Denn immerhin leiden auch sie unter derselben Flut wie alle anderen auch ...

Die Angst vor dem eigenen Damm

In Krems-Stein wurden Anrainer mittlerweile aufgefordert ihre Autos auch von bislang als sicher geltenden Flächen zu entfernen und in Sicherheit zu bringen. Auch, namentlich nicht genannt werden wollende, Feuerwehrleute warnen: Es reiche bereits ein großer Baumstamm der die Mauer an einer empfindlichen Stelle beschädigt, um eine Katastrophe auszulösen und das Hinterland zu fluten. Die durch einen Bruch einströmenden Wassermassen könnten alleine aufgrund des Drucks des Wassers nicht aufgehalten werden.


"Man muss sich bei einem guten Schutz gemütlich zurücklehnen können"

Mit Blick auf die Spitzer Nachbarn lässt sich Aggsbachs Bürgermeister Hermann Gerstbauer sogar zur Aussage hinreißen, dass es positiv sei, noch keinen Hochwasserschutz zu haben.
"Wenn ich mir anschaue wie die Spitzer zittern ob er hält, muss ich schon sagen, dass ich mir nach der Planung eines Dammes erwarte, mich in Sicherheit zurücklehnen zu können. Wenn Spitz nur auf ein Hochwasser von 11,20 Metern ausgerichtet ist und man nicht weiß, ob es sich ausgeht, muss man die Planung schon hinterfragen", so Gerstbauer.

Aggsbach verfügt noch über keinen Hochwasserschutz, aufgrund der notwendigen Fördermittel des Bundes ist derzeit erst das Jahr 2021 als Baustart im Gespräch. Der Bürgermeister hofft nach der neuerlichen Katastrophe in der Wachau, dass die Fördermittel künftig schneller freigegeben werden.


719.000 Leser. 28 Ausgaben. Eine Mission: Wir helfen!



Wirtschaftskammer-Aktion für Mitglieder

Für alle NÖ Betriebe, die durch das Hochwasser betroffen sind, läuft eine Soforthilfe-Aktion von Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ), Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft und Wirtschaftskammer Österreich an. Für Betroffene gibt es bis zu 10.000 Euro.

"Wir helfen rasch und unbürokratisch", so Niederösterreichs Wirtschaftskammer-Präsidentin Sonja Zwazl, "von Katastrophen getroffene Unternehmen werden nicht allein gelassen."

Als Ansprechpartner für die Soforthilfe stehen die jeweiligen Bezirksstellen der Wirtschaftskammer Niederösterreich bereit. Wichtig ist, dass die betroffenen Unternehmen zwecks Schadensfeststellung möglichst rasch den entsprechenden Kontakt mit ihrer zuständigen Gemeinde aufnehmen.

Zum und rund um das Schadensereignis stellen sich eine Menge von Fragen. Was ist bei der Schadensfeststellung zuerst zu beachten, welche Förderungen gibt es, wie schaut es steuer- und arbeitsrechtlich aus?
Alles Infos unter http://wko.at/noe/hochwasser


Nachtwache mit den Helfern

Melk, Dienstagmorgen kurz vor halb fünf. Beim Weg vom oberen Teil der Stadt Richtung Donau, an der Bezirkshauptmannschaft und der leeren Kurzparkzone vorbei durch die Abbe Stadler-Gasse merkt man von angespannter Ruhe eigentlich noch nichts. Es hat sogar aufgehört zu regnen. Es ist einfach ein etwas zu kühler Frühlingsmorgen. Sogar Vogelgezwitscher ist zu hören, Melk scheint einfach nur zu schlafen.

Kommt man dann am goldenen Löwen am Rathausplatz vorbei ändert sich die Geräuschkulisse langsam. Das Gezwitscher der Vögel wird abgelöst durch ein dumpfes Brummen, das umso lauter wird, je näher man dem Hauptplatz kommt. Tauchpumpen versehen hier ihren Dienst und tun zusammen mit der Nachtschicht der Feuerwehr ihr Möglichstes um Häuser nicht mit Wassermassen volllaufen zu lassen.

Lagunen-Flair in der Stiftsstadt

Der Melker Hauptplatz sieht aus wie ein kleiner See inmitten der Stadt. Eine Zille liegt abfahrbereit wie eine venedische Gondel am linken Rand. Rechts im Hotel Stadt Melk, das von seinen neuen französischen Besitzern erst vor zweieinhalb Wochen nach Umbau wieder eröffnet wurde, brennt in einem Fenster Licht und ein Mann trinkt seinen morgendlichen Kaffee.

Ein paar Meter weiter, noch im Trockenen, findet man die Fleischerei Sdraule, deren Eingang über einen Meter hoch mit Sandsäcken verbarrikadiert ist. Nichtsdestotrotz wurden hier gestern noch durch den offenen Spalt Leberkässemmel verteilt. Verhungern will man schließlich auch im Hochwasser nicht.

Die Nachtwache bestreitet am Melker Hauptplatz die 17. Bereitschaft des dritten Zuges, mit dabei sind Feuerwehrmänner aus Eichgraben und Unter-Oberndorf.
Sie erzählen von einer überlaufenden Toilette, die unermüdlich Wasser ausspuckt, das abgepumpt werden muss und einer langen Nacht, die hauptsächlich aus Warten besteht.

Dabei ist der Trupp mit 16 Tauchpumpen im Einsatz und kontrolliert ständig, ob alle laufen. Dazwischen bleibt Zeit einfach einmal ein paar Minuten auf den See am Melker Hauptplatz zu starren. "Noch wird etwas dazu kommen, aber um 8 Uhr rücken wir wieder ab. Ich freu mich schon auf eine heiße Dusche und mein Bett", sagt Johannes Blauensteiner. Und das hat er sich wahrlich verdient. Denn vielleicht muss er mit seinen Kameraden schon in wenigen Tagen wieder anrücken. Dann für die Aufräumarbeiten ...

Feuerwehr kämpft in Spitz gegen Wasserdruck: Loch bedroht Ortschaft.

Einer der Hochwasser-Hotspots ist derzeit Spitz in der Wachau. Bei der Schiffsstation hat Grundwasser den Flut-Schutz unterspült. Als sich der Bezirksblätter-Redakteur Montag kurz nach 21 Uhr der Stelle nähert, stürmt ein älterer Feuerwehrmann auf ihn zu: „Du musst wissen, das hier ist eine Bombe. Du solltest schleunigst Sicherheitsabstand einhalten, das kann jeden Moment hochgehen." Schock. Eine Übertreibung oder bitterer Ernst?

Stefan Gloimüller vom Bezirkskommando Krems ist ebenfalls vor Ort und erklärt: „Derzeit gibt es zwei neuralgische Punkte. In Theiß muss der Damm bei der Mündung der Krems erhöht werden, er ist zu niedrig. Hier in Spitz ist die zweite Gefahrenstelle. Im Laufe des Tages hat sich ein Loch etwa fünf Meter hinter dem Hochwasserschutz in einer Grünfläche bei der Schiffstation gebildet. Grundwasser ist in größeren Mengen eingedrungen, immer mehr Material wurde weggespült. Wir haben mit einem Fließ die Stelle abgedichtet und bislang sieben Kipper-Ladungen Gleisschotter eingefüllt. Oben drauf haben wir „Big Bags" gestellt, um das Erdreich zu beschweren. Die Gefahr ist der Druck, denn das Wasser hinter dem Hochwasserschutz steht mehrere Meter Höher als das Loch. Wir stellen nun Wachen auf und hoffen, dass nicht mehr passiert."

Spitzer Hotelier ist dankbar: "Ohne Hochwasserschutz würden wir hier schon schwimmen."

Auch Paul Reiböck, Chef des Hotels "Goldenes Schiff" ist froh, dass der Hochwasserschutz noch Hält in seiner Gaststube zeigt er auf die Hochwassermarke von 2002: „Wenn der Schutz nicht wäre, dann würde hier herinnen schon alles etwa 1,80 Meter unter Wasser stehen. Es ist ein Segen." Reibeck ist der Letzte Gastronom, der Montag gegen 23 Uhr in Spitz die Stellung hält. Etwa 120 Mann der Feuerwehr wurden in den vergangenen Stunden verköstigt. Reiböck: „Eigentlich hätte ich alles ausräumen sollen, aber da bin ich Stur. Ich hab die Pegel kontrolliert und hab mich entschieden offen zu lassen und auf den Schutz zu vertrauen. Im Weinkeller drückt es zwar Wasser hinein, aber das bring ich mit der Pumpe raus. Mit dem Flutschutz zahlt es sich nun auch aus, hier zu investieren, früher war das anders."

Gegen 21 Uhr revidierte die Feuerwehr auch die Höchststandsprognose nach unten. Gloibmüller: „Wir gehen derzeit von einem Höchststand von 10,50 Meter aus, also etwas unter dem Pegelstand von 2002."

Spitz ist derzeit nur über die Hinterlandroute über den Jauerling und Maria Laach zu erreichen. Die Fahrt bei Regen und Nebel dauert knapp 40 Minuten. Während in Spitz noch Zuversicht herrscht, sieht die Lage nach Mitternacht in Emmersdorf anders aus. Die Stadt ist großräumig überschwemmt. Dienstag gegen 0.30 Uhr ist Feuerwehrmann Michael Löscher noch im Einsatz. Er schleppt einen Zehn-Zehner-Staffel in ein Gebäude: „Ich bin Bereitschaftsdienst bis morgen in der Früh." Dazwischen liegt eine Nacht der ungewissheit.

Am Vorabend kurz vor 19 Uhr erreichten die Bezirksblätter Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner. Er ging noch von einem höheren Pegelstand aus: „Der vermutliche Höchststand bleibt mit 10,95 Meter aufrecht. Dieser Höchststand wird morgen im Laufe des Vormittages erwartet. Derzeit liegen wir bei 10,07 Meter, das Wasser steigt drei Zentimeter pro Stunde.“
Die neuralgischen Punkte sind Krems Stein und Spitz. Fahrafellner: „In Spitz gibt es ein kleineres Problem, dort unterspült ein Rohr den Hochwasserschutz. Wir haben die Lage aber unter Kontrolle."

Zugespitzt hat sich die Lage am Abend auch in Weißenkirchen. Dort wurde um 19 Uhr Zivilschutzalarm ausgelöst, 400 Häuser wurden evakuiert. Bürgermeister Anton Bodenstein: „Wir haben Vertrauen in unseren Hochwasserschutz, aber der Wasserstand hat eine Höhe erreicht, bei der laut Alarmplan evakuiert werden muss."

Pröll vor Ort in Melk: Zehn Millionen Euro Hilfsmittel zugesichert.

Am Nachmittag machte sich Landeshauptmann erwin Pröll in melk ein Bild von der Lage: "Wir werden wohl eine ähnliche Höhe erreichen wie 2002, daran führt kein Weg vorbei. Zusammen mit den Einsatzkräften werden wir alles daran setzen, den Betroffenen schnellstmöglich zu helfen. Die Schadenskommissionen werden so rasch wie möglich ihre Arbeit aufnehmen", so Landeshauptmann Erwin Pröll am Melker Hauptplatz.

In Begleitung von Landesrat Stephan Pernkopf, der in der Landesregierung für den Zivilschutz zuständig ist, erkundigte sich Pröll auch nach dem Ausmaß der Schäden bei Trafikanten, Kaffeehausbesitzerin oder Schuhgeschäften. Dem besonnen vorsorglichen Verhalten der Bevölkerung und dem guten Zusammenspiel bei der Information der Bürger mit den Medien zollte Pröll ebenfalls Respekt. Kurz nach seinem Besuch in Melk sicherte Pröll via Aussendung zu, die Hochwasseropfer mit einer Soforthilfe von zehn MillionenEuro zu unterstützen.

Intensivpatienten aus Krems evakuiert

Währenddessen wurde bekannt, dass im Krankenhaus Krems vorsorglich neun Patienten der Intensivstation in andere Spitäler verlegt wurden um jeder Gefahr, etwa bei möglichen Stromausfällen, vorzubeugen. Ansonsten wurden alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen, eine weitergehende Evakuierung von Patienten sei nicht notwendig und auch nicht geplant, so ein Krankenhaussprecher.


Polizei stellt Marbach unter "Quarantäne"

In Marbach im Nibelungengau gilt bereits der Zivilschutzalarm, rund 400 Anwohner müssen in Marbach und Granz zusehen, wie das Wasser in ihre Häuser eindringt. "145 Objekte sind betroffen", schildert Bürgermeister Anton Gruber den BEZIRKSBLÄTTERN die aktuelle Lage.

Als besonders ärgerlich empfindet Gruber die Dreistigkeit Hunderter Schaulustiger. "Sie kommen von überall her – über Münichreith, aus dem Waldviertel, aus Wien – sie blockieren die Wege und behindern das effektive Arbeiten der Einsatzkräfte", so der Bürgermeister. Noch dazu müssen sich die Einheimischen durch die neugierigen Fotografierer durchdrängen.

Das Verhalten der Menschen ist dabei oft sogar leichtsinnig, denn der reißende Fluss ist nicht zu Späßen augelegt. Die Polizei hat mittlerweile reagiert und mehr Personal nach Marbach entsandt. "Alle Zufahrten wurden mittlerweile abgeriegelt um den Zuzug von Schaulustigen zu verhindern", sagt Gruber. Denn derzeit brauche man keine Touristen, sondern Helfer.

Au-Bewohner in Klosterneuburg sollen Häuser verlassen

Die Bezirkshauptmannschaft Wien-Umgebung und die Polizei ersuchen alle Bewohner der Siedlungen im Augebiet der Donau in Klosterneuburg und Kritzendorf ihre Gebäude zu verlassen und ihre Fahrzeuge zu entfernen, weil am Montag und Dienstag ein weiterer Anstieg der Donau um ca. 1,5 Meter erwartet wird und der Strom in den Siedlungen abgeschalten werden muss.
Es wird ersucht, die Räumung so schnell wie möglich durchzuführen.
Rückfragen sind an die Bezirkshauptmannschaft Wien Umgebung zu richten.

Feuerwehren im Dauereinsatz: Bangen um Wachauer Hochwasserschutz

Der Krisenstab des Landes erklärte Sonntagabend die betroffenen Gemeinden entlang der Donau zum Katastrophengebiet.
Am Montag stehen rund 2.500 Feuerwehrleute im Dauereinsatz, viele von ihnen sind ihrer Arbeit ferngeblieben um Familie, Freunden oder der Allgemeinheit zu helfen.

Generell sind die meisten Vorarbeiten in den betroffenen Gebieten erledigt, jetzt heißt es nur noch: Warten. Und hoffen, dass es nicht ganz so schlimm kommt, wie angekündigt.

Melker Senioren bereits am Montag evakuiert

"Die Einsatzkräfte und die Stadt Melk haben die Situation unter Kontrolle und sind für einen Hochwasserfall wie im Jahr 2002 gerüstet", so Bürgermeister Thomas Widrich. Die Einsatzkräfte vor Ort werden von 9 anderen Feuerwehren und einem Katastrophenzug beim Einsatz unterstützt.

Die Seniorenwohnhausanlage "Senior Sozial" wurde am Montag in den Vormittagsstunden evakuiert. 20 Personen konnten von der Feuerwehr und dem Roten Kreuz in Sicherheit gebracht.

Aktuelle Bilder aus Melk, Marbach, Emmersdorf und der Wachau finden Sie in unserer Bildergalerie.


Landesrat Stephan Pernkopf, zuständig für den Katastrophenschutz, sagt ganz klar: "An der Donau steuern wir auf Werte wie 2002 zu." Landesweit gesehen dürfte die Katastrophe die nur allzu gut bekannten Ausmaße nicht erreichen. Doch an der Donau zittern sowohl Bewohner als auch Einsatzkräfte einem Rekord entgegen, den eigentlich niemand will.


ANRAINERINFO

Es wird im eigenen Interesse darum gebeten, alle Fahrzeuge aus den gefährdeten Bereichen zu entfernen. Ebenso bitten die Einsatzkräfte ausdrücklich darum, sich nicht in der Nähe von aufgebauten Schutzzäunen aufzuhalten, da man sich dadurch in einen unmittelbaren Gefahrenbereich begibt, sollten die Dämme an der ein oder anderen Stelle nicht halten.

Im Sinne Ihrer eigenen Sicherheit befolgen Sie die Anweisungen der Einsatzkräfte und nutzen Sie keine gesperrten Straßen auf eigene Faust.

Wir helfen! Helfen Sie mit den BEZIRKSBLÄTTERN

Berichten allein ist aber zu wenig. Wenn die Flut vorbei ist, brauchen jene, die unverschuldet in Not geraten sind, Ihre Hilfe. Deswegen haben wir die Spendenaktion „Wir helfen“ ins Leben gerufen. Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner wird jenem Komitee vorstehen, das entscheidet, wem die Mittel zu Gute kommen sollen. Gemeinsam können ”wir helfen!“

Mehr zu unserer Spendenaktion finden Sie hier: WIR HELFEN


STRASSENSPERREN

Die B1 bei Melk wurde am Sonntagmittag gesperrt werden, der Verkehr wird großräumig umgeleitet.

Auch die B3 sowie die B33 wurden am Sonntagnachmittag für den Verkehr gesperrt.
Die Busverbindungen durch die Wachau wurden bereits eingestellt, es fahren ersatzweise Züge der NÖVOG auf der Linie der alten Wachaubahn (Fahrpläne siehe Anhang zu diesem Artikel).

Weiters gesperrt sind die B25 bei der Anschlussstelle Ybbs, die B31 zwischen Waidhofen/Ybbs und Opponitz sowie die B122 zwischen Krenstetten und Aschbach.

Alle hochwasserbedingten Strassensperren finden Sie auch hier beim Ö3 Verkehrsservice.


MEHR INFORMATIONEN

Hier geht's zur Prognose der Pegelstände durch das Land NÖ.


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2 Kommentare
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Peter Pugganig aus Sankt Veit an der Glan | 05.06.2013 | 10:41  
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johann kailich aus Wien-22 Donaustadt | 06.06.2013 | 12:56  
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