04.04.2016, 10:43 Uhr

Emmersdorfs "großer Sohn" war ein Nazi

Diese Tafel am "weißen Rössl" in Emmersdorf sorgt für Diskussionen. (Foto: privat)

Eine Gedenktafel für den Künstler Ernst von Dombrowski am "weißen Rössl" sorgt für Diskussionen.

EMMERSDORF (CR). Ernst von Dombrowski (das "von" führte er zu unrecht) gilt als "Sohn der Gemeinde", so liest man auf Emmersdorfs Wikipedia-Seite. Seit den 70er-Jahren wird mit einer Tafel an der Fassade des "Weißen Rössls" seiner gedacht. Geht's nach den Grünen, soll die Tafel weg: "Es besteht kein Zweifel, dass Dombrowski bis zu seinem Tod 1985 dem Nationalsozialismus zugetan war", so Grünen-Gemeinderat Helmut Paul Wallner mit Verweis auf zahlreiche Fakten.

NS-Staatskünstler ersten Rangs
Historiker Rainer Thiemann lässt im Buch "Dombrowski. Eine Aufklärung über heute noch wirkende Mythen des Nationalsozialismus" keinen Zweifel daran, wes Geistes Kind der Künstler Zeit seines Lebens war. Er legt dar, dass Dombrowksi in der NS-Zeit als Staatskünstler ersten Rangs galt. Auf Bezirksblätter-Anfrage betont er: "Von Dombrowski ist nichts bekannt, was darauf hinweist, dass er politische und ideologische Fehler vor 1945 einräumen würde."

Mit Judenhassern kooperiert
"Seine Aktivitäten sprechen für eine bleibende deutschnationale völkische Gesinnung mit zumindest extrem verharmlosender NS-Deutung bis NS-Bejahung", so Thiemann. Die Zusammenarbeit mit alt- und neonazistischen Literaten, Juden- und Zigeunerhassern habe ihn nie gestört.

Tief in der rechten Szene
Dombrowskis Wiki-Eintrag - an dessen Verlinkung auf die Emmersdorf-Seite sich die Grünen stoßen - weist auf dessen Verflechtungen zur rechten Kunstszene der Nachkriegszeit hin. So war er etwa Referent für das rechtsextremistische "Deutsche Kulturwerk Europäischen Geistes" und nahm 1976 den Preis "Dichterstein-Schild" des seit 1998 wegen NS-Wiederbetätigung verbotenen Vereins "Dichterstein Offenhausen" entgegen.
"Bei Personen von solchem Ruf werden Straßen- oder Platzbenennungen oft problemlos aufgehoben", so Wallner.

Historiker sollen klären
Doch die ÖVP möchte zuerst Historiker befragen. Gemeinde-Vize Richard Hochrathner: "Wir haben im Gemeindevorstand erstmals davon gehört", will er das Institut für Geschichtsforschung zu Rate ziehen. Hochrathner schließt eine Tafelentfernung nicht aus: "Wenn sich die Vorwürfe bestätigen, werden wir uns nicht dagegenstellen."

Zur Person: Ernst Dombrowski wurde am 12. September 1896 in Emmerdorf geboren und arbeitete später als Illustrator, Autor und Xylograph. Bereits ab 1932 sympathisierte er mit der NS-Bewegung, für die er sich auch illegal betätigte, unter anderem im Rahmen des NS-Putsches in Schladming im Jahre 1934. Dombrowski gilt als einflussreichster NS-Künstler der Steiermark. Während des Zweiten Weltkriegs schuf er zahlreiche kriegspropagandistsiche Werke zu teils antisemitischen Texten. Im Jahr 1944 wurde er von Propagandaminister Goebbles sogar "unabkömmlich" gestellt.

Stimmen:
Helmut Paul Wallner, Grüne: "Der Hinweis auf Dombrowski als großen Sohn von Emmersdorf schädigt unserer Ansicht nach das offizielle Ansehen der Gemeinde."

Richard Hochrathner, ÖVP: "Als Volksschülern ist uns Dombrowski als großer Emmersdorfer angepriesen worden. Für uns kommen die Vorwürfe völlig neu. Das war uns bisher nicht bekannt."

Rainer Thiemann, Buchautor:
"Warum bei Ihnen "von" auf der Tafel steht, ist mir ein Rätsel. Herr Dombrowski hatte weder in Österreich noch in Deutschland das Recht, sich "von" zu nennen, das hat selbst die Bundespräsidialkanzlei festgestellt."

"Dombrowski ist Ehrenbürger in Traunstein und Siegsdorf und ihm wurde mit EU-Steuergeldern und Gemeindemitteln vor einigen Jahren ein lebenslanges Museum mit Dauerausstellungen in Siegsdorf neben dem Mammutmuseum eingerichtet."

"Ich würde nicht behaupten, dass Dombrowski antisemitische Texte verfasst hat, sondern er hat Bilder zu antisemitischen Texten verfasst und in seiner Eigenschaft als Betreuer und Organisator der NS-Zeitschrift der Kampf musste er natürlich Antisemit sein, da dort hauptsächlich gegen das Finanzkapital und das internationale Judentum gehetzt wurde."

Auch in der Stadt Mank gibt es seit 2012 Diskussionen ... hier geht's um den Dollfuß-Platz, dessen Umbenennung die SPÖ bislang vergeblich fordert. Den Bericht dazu finden Sie hier.
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