19.07.2016, 11:48 Uhr

Wie Melks "Fremde" zu Freunden werden

Ahmad AlDiebi mit einer der Ausstellungsmacherinnen, Daniela Matejschek.

Die Bezirksblätter gehen der Frage nach, wie sich die derzeit 616 Asylwerber im Bezirk eingelebt haben.

BEZIRK MELK (CR). Vor einem Jahr wurde Österreich mit voller Wucht von der "Flüchtlingskrise" getroffen. Tausende kamen aus Kriegsgebieten im Irak, Syrien und Afghanistan, viele von ihnen fanden in Melk eine Zuflucht. Wie haben sich diese Menschen inzwischen hier eingelebt?

Kennenlernen nimmt Angst
In 30 Gemeinden sind derzeit 616 Asylwerber untergebracht (Details in der Infobox). In einigen Orten des Bezirks scheiterte die Unterbringung an Widerstand und Vorurteilen der Einwohner. Andernorts lösten sich die anfangs gehegten Ängste vor "den Fremden" fast vollständig in Luft auf. In vielen Gemeinden kümmern sich Ehrenamtliche aktiv um die Integration der Geflüchteten und bemühen sich um ein gedeihliches Miteinander.
So etwa in der Bezirkshauptstadt Melk, wo aus "Fremden Nachbarn" inzwischen Bekannte oder sogar Freunde geworden. Das zeigt auch eine kürzlich im alten Postgebäude eröffnete Ausstellung, die viele "alte" und "neue" Melker anlockte. Einer der neuen Melker ist Ahmad AlDiebi (27): "Ich bin ein Jahr in Melk, komme aus dem Libanon, habe aber in Syrien gearbeitet. Ich bin Maschinenbauer und würde gern in Wien mein Studium fortsetzen. Dafür brauche ich Deutsch auf Niveau B 1, aber ohne Asylbescheid darf ich keinen Deutschkurs besuchen." Ahmad hilft bei der Eröffnung der neuen Ausstellung fleißig mit, spricht perfekt Englisch und schon recht gut Deutsch. "Ich verstehe fast alles, nur nicht wenn du Dialekt redest", sagt Ahmad lächelnd.
Heidegund Niederer, eine der Helferinnen, ist froh: "Nach dem ersten Hilfsboom haben viele Ehrenamtliche weitergemacht." Neben Deutschkursen gibt's den Lerntreff und das Konversationscafé, das sich zur Info-Drehscheibe entwickelt hat.
Auch in Kilb läuft die Integration gut, wie Anna Mayer berichtet: "Ich bin seit einem dreiviertel Jahr dabei und unterrichte Deutsch. Ich bin sehr zufrieden mit meinen Schülern, vor allem mit den Kirnbergern", lobt die Studentin. Anfängliche Pünktlichkeits-Probleme hätten sich gelegt, lediglich kurzfristige Absagen der Kursteilnahme kämen manchmal noch vor. Doch Mayer betont: "Ich mag alle sehr gerne. Sie sind lieb, höflich und zuvorkommend - auch die Männer." Nach der Sommerpause geht es in Kilb mit dem Deutschunterricht weiter.

Stimmen zum Thema
Heidegund Niederer, Melk: "Zum Glück ist bei uns in Melk die Kontinuität bei den Ehrenamtlichen gegeben."

Anna Mayer, Kirnberg: "Wenn alle anwesend sind, dann unterrichte ich in Summe sieben Personen."

Zur Sache
Aktuell leben in 30 Gemeinden 616 Asylwerber, zehn Gemeinden (alle ÖVP- bzw. ÖVP-nah geführt) beherbergen keine Flüchtlinge: Dorfstetten, Hofamt Priel, Hürm, Nöchling, Raxendorf, St. Leonhard, St. Oswald, Schönbühel-Aggsbach und Weiten.
Die Ausstellung "Fremde Nachbarn" in der Alten Post, Linzer Straße 3, Melk, ist bis 4. September täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet.
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