03.05.2016, 12:47 Uhr

Mein Tag als: "Mobiler Backwarenverkäufer"

Einen Tag lang durfte ich mich als Bäcker auf vier Rädern versuchen.

BEZIRK (m.h). Ein kurzes Hupen hallt durch meine Wohnstraße. Mit schlaftrunkenen Augen greife ich nach Hemd und Hose, kratze ein paar Euros aus der Geldbörse und laufe aus dem Haus - um ihn nicht zu verpassen.
So sieht mein Morgen für gewöhnlich aus. Aber nicht heute. Denn heute bin ich der hupende "Bäck auf vier Rädern".

Morgenstund hat Brot im Mund
Mein Arbeitstag beginnt um vier Uhr Früh bei der Firma Weinberger in Ybbs. Nach und nach treffen die einzelnen Verkaufsfahrer ein und beginnen gut gelaunt ihre Wägen mit Brot, Gebäck und Süßspeisen, aber auch Milch, Wurst und Käse zu beladen. Ebenso Karin Pusztai, die ich auf ihrer heutigen Route nach Melk und Umgebung begleiten darf.

Schlafende Kundschaft
Bei regnerischem Wetter und noch finsterer Nacht starten wir unsere Tour. Die ersten Kunden treffen wir nicht persönlich an – lediglich ein an die Haustür gehängtes Sackerl samt Zettel und Kleingeld gibt Karin Auskunft über die gewünschte Bestellung. Mit Sonnenaufgang erhöht sich die Kundenfrequenz zunehmend und wir fahren sowohl Privathaushalte als auch Firmen an. Mit ihrer fröhlichen Art zaubert Karin so manch morgenmuffeliger Kundschaft ein Lächeln ins Gesicht.

Als die "Semmerl" noch mit dem Fahrrad kamen
Die Geschichte des fahrbaren Bäckers geht in eine Zeit zurück, wo Autos noch Seltenheitswert hatten. Das im Volksmund als "Gai-Fahren" bezeichnete Ausliefern von Brot und Gebäck, war zumeist starken und ausdauernden Männern vorbehalten. Vollgepackt mit einem großen, schwerlastigen Korb am Rücken, fuhren sie mit dem Fahrrad die einzelnen Gemeinden ab.

Mission "Mobile Nahversorgung"
Langsam ziehen wir immer weitere Kreise um Melk und gelangen nun in kleine, abgelegene Dörfer, fernab vom nächsten Greißler oder Supermarkt. In gerade solchen Siedlungen begegnen uns Menschen, für die der Gebäck-Express weit mehr als nur Brot und Milch liefert. Zeitungen, Mehl, Grieß, Zucker oder auch Schokolade, "weil die Enkerl auf Besuch kommen", wandern über die Theke.
Zudem sind es meist ältere Damen, die sich über Karins Kommen sehr freuen. Ich merke, dass hier mehr als nur der bloße Verkauf von Waren geboten wird – ein offenes Ohr, ein paar freundliche Worte, ein netter Small Talk. Für viele hier draußen das Highlight des Tages.

Es ist fast Mittag, als wir uns auf den Weg in den wohlverdienten Feierabend aufmachen. Doch bevor es soweit ist, muss der Wagen noch ausgeräumt, die Tageseinnahmen gezählt und der mobile Verkaufsraum sauber gekehrt werden. Denn auch morgen wollen wieder viele Menschen mit frischem Brot und Gebäck in den Tag starten ...während Karins Tag schon längst begonnen hat.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.