17.04.2016, 18:36 Uhr

Deutschunterricht verleiht Flügel

Auf diese Geschichtenhefte können Flora, Sebastian, Katharina, Miriam und Samuel sowie ihre Lehrerin Cornelia Schütz wirklich stolz sein.

Bei Kindern schon in der Volksschule die Lust am selbst Geschriebenen und am Lesen und Sprechen erwecken.

Eine Studie des Bildungsministeriums zeigt die Hälfte der Volksschulabgänger mit guten oder sehr guten Kompetenzen beim Lesen, Schreiben und Verstehen, am unteren Ende der Skala erreichen 15 % die Ziele in mindestens drei getesteten Bereichen jedoch nicht. Wie ambitioniert Deutschunterricht in Volksschulen abgehalten wird, zeigen wir stellvertretend für die vielen motivierten Pädagoginnen an zwei Beispielen der Volksschule Kreuzstetten.

Cornelia Schütz hat letzten September eine erste Klasse übernommen und setzt seit der ersten Schulwoche ein Konzept von der gebürtigen Kärntner Pädagogin Marlene Walter um. Dabei wird ein persönliches Geschichtenheft von den Kindern mit eigenen Gedanken und in eigener Gestaltungsfreiheit regelmäßig befüllt. Von den anfänglichen Wort-Bild Sätzchen sind nach sechs Monaten bereits halbseitige Texte entstanden, die je nach Entwicklungsstand des Kindes eigene Ideen und Gefühle mit beachtlichen Wortschatz darstellen. "Ich bin wirklich beeindruckt von der Ausdrucksweise der Kinder, manche schreiben auch Worte, bei denen wir die Buchstaben noch gar nicht gelernt haben, " freut sich Schütz über die außergewöhnliche Entwicklung bei dieser Methode. "Die Kinder lesen sich dann gegenseitig ihre Geschichten vor, oder auch den Eltern zu Hause. Diese Möglichkeit der Vermittlung von eigenen Gedanken bei so jungen Menschen kann man gar nicht hoch genug einschätzen," ist die junge Lehrerin überzeugt.
Das Gefühl für Poesie wird in dieser Klasse ebenfalls geweckt, so zum Beispiel mit einem selbst erfundenen Frühlingsgedicht in der "Elfchen-Form", das sind 11 Worte in einer bestimmten Kombination auf vier Zeilen aufgeteilt. Die Poesie von siebenjährigen Lyrikern ist wahrhaft erstaunlich.

Sandra Nießler unterrichtet in der zweiten Klasse und ihr ist die Lesekompetenz ihrer Schützlinge ebenso ein besonderes Anliegen. Sie hat mit den Kindern ein Lese-Theater einstudiert, bei dem verschiedene Rollen von den Kindern in lebhaftem Vortrag laut gelesen werden. "Nachdem eine Aufführung des Theaterstückes vor anderen Klassen ein großer Erfolg war, haben wir dieses auch den Eltern präsentiert," berichtet Nießler. "Es war natürlich aufregend und eine Herausforderung für die Schüler, betont, laut und deutlich vor Publikum zu sprechen, aber sie haben das toll gemeistert", freut sich die Pädagogin.
Ein anderes Projekt in dieser Klasse war anlässlich der Erarbeitung des Themas "Post" ein von den Kindern per Hand oder Computer selbst geschriebener Brief, der an eine Person ihrer Wahl adressiert wurde. Vom Kuvertieren bis zum Aufgeben am Postamt wurde der Lauf eines Poststückes erarbeitet. "Und am Postamt durften wir sogar selbst die Marke abstempeln," freuten sich die Kinder.
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