18.05.2016, 10:44 Uhr

Holocaust: Gerasdorfer Gedenken am 17. Juni

Die Delegation aus Österreich zu Gast bei István Gábor Benedek und seiner Frau war als Kind in Gerasdorf interniert und hat neben den Gräueln des Holocaust in Gerasdorf auch Hilfsbereitschaft erfahren, wie er erzählte. (Foto: Gigl)

Am Freitag, 17. Juni 2016, wird um 14 Uhr am Bahnhof Gerasdorf mit der Enthüllung eines Gedenksteins jener ungarischen Jüdinnen und Juden gedacht, die im Jahr 1944 in einem Zwangsarbeits-Lager in Gerasdorf interniert waren. Ein Holocaust-Überlebender, der als Kind selbst in dem Lager war, wird zur Gedenkfeier kommen.

„Nördlich des Bahnhofs Gerasdorf richteten die Nationalsozialisten im Jahr 1944 ein Zwangsarbeitslager für etwa 280 ungarische Jüdinnen und Juden ein. Hier waren Kinder sowie Frauen und Männer verschiedener Altersgruppen interniert. Sie wurden für Zwangsarbeit eingesetzt und gequält. Mindestens sieben Menschen erlagen den erlittenen Entbehrungen: Csengeri Emilie (26.12.1856-09.07.1944), Fogl Mór (04.02.1877-02.08.1944), Ihasz Heinrich (25.06.1874- 0.10.1944), Raducziner Helene (17.11.1879-15.10.1944), Schlesinger Sereni (1868-16.07.1944), Szantos Samuel (15.04.1865-14.07.1944), Woyda Gabriele (01.10.1892-14.07.1944). Im Geist der Geschwisterlichkeit aller Menschen wird die Gerasdorfer Bevölkerung die Opfer niemals vergessen und immer für Frieden, Freiheit und Menschenwürde arbeiten“, so lautet die Aufschrift eines Gedenksteins, der neben dem Bahnhof Gerasdorf den Holocaust-Opfern auf Gerasdorfer Boden ein äußeres Zeichen des bleibenden Andenkens sein wird.

„Aus Anlass des 70. Jahrestages der Befreiung vom Nationalsozialismus hat die Stadtregierung im Vorjahr begonnen, zusammen mit Gerasdorfer Zeitzeuginnen und -zeugen sowie renommierten Wissenschafterinnen und Wissenschaftern die Geschehnisse der damaligen Zeit aufzuarbeiten, um der Opfer auf Gerasdorfer Boden in einer würdigen Art und Weise gedenken zu können“, erklärt Vizebürgermeister Abg. Lukas Mandl.

Bürgermeister Alexander Vojta ergänzt: „Zusammen mit Wisssenschafterinnen und einem Wissenschafter vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes, der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und des Simon Wiesenthal Instituts haben wir einen Holocaust-Überlebenden, der als Kind in Gerasdorf interniert gewesen war und heute in Budapest lebt, besucht. Es handelt sich um den Journalisten und Schriftsteller István Gábor Benedek. Wir durften ihm mitteilen, dass der Gerasdorfer Gemeinderat beschlossen hat, die bisher namenlose Straße neben der Liegenschaft, auf der 1944 das Lager war, nach seiner Mutter, Rózsi Braun, zu benennen. Das hat diesen sehr liebenswürdigen Mann sehr gerührt. Ich freue mich, auch bekanntgeben zu dürfen, dass Benedek persönlich der Gedenkfeier in Gerasdorf beiwohnen wird.“

Zur Gedenkfeier werden alle Gerasdorferinnen und Gerasdorfer eingeladen. Eine Vorab-Präsentation durch die leitende Historikerin, Eleonore Lappin-Eppel, findet am 13.06. um 18:30 Uhr im Stadtsaal statt. Auch dorthin sind alle Interessierten eingeladen. Für die Planung bittet die Stadtgemeinde für beide Veranstaltungen um Anmeldung via E-Mail an rathaus@gerasdorf-wien.gv.at oder telefonisch unter 02246/2272-40.
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