27.07.2016, 15:52 Uhr

Auf der Spur der jungen Junkies

469 Drogendelikte gab es im Jahr 2015 (Foto: LPDNÖ)

Längst sind Drogen nicht nur ein Problem der Städte. Die Konsumenten werden immer jünger. Eine Spurensuche im Bezirk

BEZIRK. Die Konsumenten sind teils Jugendliche. Die Bezirksblätter haben nachgefragt, wie groß das Problem im Bezirk Mödling ist. 2015 wurden 469 Straftaten wegen Drogenkonsums und 46 wegen Dealens erhoben und an die Staatsanwaltschaft angezeigt. Dabei wurden fast alle Festnahmen der Drogenverkäufer in Wien oder den südlichen Bezirken durchgeführt, wie der stv. Bezirkspolizeikommandant Obertslt. Oliver Wilhelm bestätigt. (Siehe zur Sache)

Chemische Drogen

Dass die Anzahl der Konsumenten mehr geworden ist, beweist die Tatsache, dass die Zahl der ermittelnden Beamten der Suchtmittelgruppe von 11 auf 14 Personen erhöht wurde. "Eine Wahrnehmung der letzten Jahre ist allerdings, dass ein leichter Trend zu den chemischen Drogen erkennbar ist", so Wilhelm. Wie kann man Jugendliche davor bewahren? "Durch repressive Maßnahmen alleine können Jugendliche nicht von Drogen abgehalten werden. Da bedarf es auch sozialer, pädagogischer und therapeutischer Einrichtungen und Maßnahmen."

Lehrer greifen ein

Michael Dorfstätter ist seit 30 Jahren Lehrer. "Als Pädagogen merken wir freilich Veränderungen unserer Kinder, als Pflichtschullehrer sind wir auch verpflichtet, mit den Erziehungsberechtigten gemeinsam einem 'Verdacht' auf Missbrauch nachzugehen", so Dorfstätter. Die "In-Drogen" sind für die Jugendlichen manchmal eine Möglichkeit, sich schon in frühem Alter in eine Gesellschaft einzuschmuggeln, und sich älter zu geben, als sie tatsächlich sind.
Der Leistungsdruck und die Erwartungshaltung sind hoch. "Wichtig ist, dass wir sofort einem Verdacht nachgehen, wenn er sich herumspricht. Dieses Herumsprechen geht heutzutage schneller als früher, und genauso schnell können wir dem entgegen wirken." In den Schulen ist man jedenfalls, so der Pädagoge, gerüstet und sucht auch Unterstützung bei Profis und Sozialarbeitern. "Das ist dann besonders wichtig, wenn einzelne SchülerInnen dennoch abgleiten", so Dorfstätter.
Mag. Caroline Naumann leitet ein Burschen-Wohnheim in Guntramsdorf: "Ich habe als Pädagogin bereits mit Mädchen und mit Burschen gearbeitet. Die Burschen sind, was Drogenkonsum betrifft, wesentlich gefährdeter. Die Mädchen richten ihre Aggressionen und ihren Frust meistens gegen sich selbst." Man kennt das: Mädchen haben mehr Essstörungen oder verletzen sich selbst.

Zur Sache

2015 konnten 119 Sicherstellungen durchgeführt werden. U. a. wurden 10,5 kg Cannabis, 46 g Heroin, 50 g Kokain, 300 g Amphetamin, über 300 Tabletten XTC/MDMA/Testosteron, verbotene Waffen sowie mehrere Tausend Euro Bargeldbeträge sichergestellt.
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