29.08.2016, 16:11 Uhr

Borkenkäfer Kampf angesagt

Schweißtreibende Arbeit: Mit Schöpsern wurde die Rinde von den befallenen Bäumen entfernt. (Foto: Luisser/ÖAV)

Hinteralm: Zehn freiwillige Helfer im Einsatz beim Hochmoor Naßköhr.

Eigentlich wollten die zehn freiwilligen Helfer des Österreichischen Alpenvereins im Rahmen ihres Bergwaldprojektes rund um das Naßköhr auf der Hinteralm einen Zaun errichten, um es vor dem Weidevieh zu schützen. Das Naßköhr ist eines der größten Hochmoore der Ostalpen. Doch rasch stellte sich heraus, ein weitaus größeres Problem ist der Borkenkäfer. Und so wurden letzte Woche sechs Tage lang, unter fachlicher Anleitung von Mitarbeitern der Österreichischen Bundesforste, gefällte Bäume entrindet, um das Ausbreiten der Borkenkäfer auf umliegende Wälder zu verhindern. Damit verbessern sich auch die Brutbedingungen und der Lebensraum für Raufußhühner (Auer- und Birkwild). "Die Moorkörper, die sich südwestlich der Hinteralm befinden, sind teilweise stark durch die zunehmende Verwaldung beeinträchtigt, so ziehen die Bäume unverhältnismäßig viel Wasser aus der Moorlandschaft und das Torfmoos kann zu wenig Wasser speichern", erklärt Rainer Gosch, Leiter der Österreichischen Bundesforste, Forstrevier Neuberg. Dadurch seien die Bäume in ihrer Vitalität geschwächt und würden sich als ideale Brutstätte für Borkenkäfer erweisen.

Schöpsen

Mit Lederhandschuhen, Schöpsern und Sappeln ausgestattet, nahmen die Freiwilligen den Kampf gegen den Borkenkäfer auf. Der jüngste Teilnehmer war 24 Jahre alt, der älteste 76. Durch das Entfernen der Rinde mit den Schöpsern und den dadurch entstehenden Lichtkontakt wird der Borkenkäfer unschädlich gemacht. Die Äste wurden auf Haufen gesammelt, sodass die Küken des Auer- und Birkhahnes die Umgebung problemlos nutzen können. "Ich bin stolz, dass sich engagierte Menschen zusammenfinden, um ein solches Projekt anzugehen", so Vzbgm. Hannes Amesbauer bei einem Pressegespräch im Gemeindeamt Neuberg anlässlich des Bergwaldprojektes. Die Errichtung des Zaunes rund um das Naßköhr soll eventuell 2017 umgesetzt werden.
Thema bei diesem Pressegespräch war auch das Hinteralmhaus, das derzeit vom Alpenverein Edelweiss als Selbstversorgerhütte geführt wird. "Das Hinteralmhaus war immer eine Perle auf der Hinteralm", so Amesbauer. Christoph Weitz, Hütten- und Wegereferent beim Alpenverein Edelweiss, erklärte die Situation. "Sehr hohe Investitionen wären notwendig, um das Hinteralmhaus wieder bewirtschaften zu können. Alleine für behördliche Auflagen sind es rund 300.000 Euro. Für die Revitalisierung würden 800.000 bis 900.000 Euro dazukommen", erklärt Weitz.

Naßköhr

Zwischen Schneealpe und Hinteralm liegt das Naßköhr, eines der größten Hochmoore der Ostalpen. Es liegt in der Marktgemeinde Neuberg. 2004 wurde das Gebiet mit 21 Mooren als Ramsar-Schutzgebiet ausgewiesen, es umfasst Moorflächen im Ausmaß von 211 ha. Darunter zwei international bedeutende Latschenhochmoore: Capellarowiese (3,5 ha) und Zerbenwiese (13 ha). Die Moore sind im Besitz der Österreichischen Bundesforste AG.

ÖAV

Der Öst. Alpenverein (ÖAV) setzt im Sommer 14 Bergwaldprojekte mit 150 Teilnehmern und 15 Umweltbaustellen mit 151 Teilnehmern um. Ziele: Problemlösungen durch praktische Arbeit voranzutreiben, das Verständnis zwischen den Partnern (Forstbehörden, Jäger, Grundbesitzer) zu fördern und das Umweltbewusstsein der Teilnehmer, durch tiefere Einblicke in ökologische Zusammenhänge zu wecken.
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