28.06.2016, 09:50 Uhr

Maßnahme, die völlig verpufft?

Wirkt, wirkt nicht? Bilder wie dieses, prangen seit Kurzem auch auf Zigarettenpackungen. (Foto: Edler)

Was bringen die Schockbilder auf den Zigarettenpackerln wirklich? Die WOCHE hat sich umgehört.

Bilder sagen mehr als tausend Worte – wahrscheinlich einer der Beweggründe, warum nun auch in Österreich nur mehr Zigarettenpackungen mit den heiß umstrittenen Schockbildern, im EU-Jargon Bild-Text-Warnhinweise, verkauft werden dürfen. Ausnahme: Vorräte an "alten, unbebilderten" Tabakprodukten dürfen noch bis Mai 2017 abgegeben werden. Doch diese Vorräte schwinden schön langsam.
"Es wird keiner dadurch zum Rauchen aufhören. Es gibt Nichtraucher, die die Packungen mit den Bildern zu sammeln beginnen", so Martin Leitner, Trafikant in Mürzzuschlag. Viel mehr als die Schockbilder ärgern ihn andere Gegebenheiten: "Viel mehr stören mich die Registrierkassenpflicht und die Preispolitik. Es vergeht keine Woche, wo es nicht eine neue Marke gibt, die Zigaretten teurer oder sogar billiger werden. Ich bin neugierig, was sie sich einmal gegen die Alkoholiker einfallen lassen. Denn der Raucher schadet nur sich selbst", sagt Leitner.
Birgit Doppelhofer, Trafikantin in St. Barbara-Mitterdorf, sieht die Schockbilder auf den Zigarettenpackungen sehr kritisch. "Es wird einem etwas aufgezwungen, was man gar nicht haben will. Das ist nicht fair, weil der Raucher einer der größten Steuerzahler ist", so Doppelhofer. Dass durch diese Bilder zukünftig weniger Menschen zur Zigarette greifen werden, glaubt sie aber dennoch nicht. "Das wird nicht viel anders sein als mit den Sprüchen. Die Aktion mit den Bildern geht wieder in die komplett falsche Richtung", sagt Doppelhofer. Auch sie kritisiert die vielen zusätzlich anfallenden Kosten für Trafikanten in den letzten Jahren. Neben der Umrüstung der Zigarettenautomaten, pro Automat 1.000 Euro, jetzt eine neue Software für die Registrierkasse.

Ein Ende mit Schrecken

Mit der Gesetzesnovelle reiht sich Österreich in die Riege jener Länder, die mit Schockbildern den Tabakkonsum einschränken möchten. Weltweit wird bereits in 77 Ländern zu dieser Maßnahme gegriffen – für Claudia Kahr, Geschäftsführerin von Vivid, der Fachstelle für Suchtprävention, prinzipiell begrüßenswert: "Aus suchtpräventiver Sicht ist es gut, wenn Verpackungen von Tabakprodukten keine Werbefläche mehr sind." Kahr vermutet allerdings, dass die Schockbilder eher Nichtraucher davon abhalten, erstmals zur Zigarette zu greifen als Raucher anhalten, ihr Laster aufzugeben. Das bestätigt auch der klinische Gesundheitspsychologe Roman Sander: "Aktuelle Gehirnforschungen zeigen, dass derartige abschreckende Bilder wirken, allerdings nicht langfristig. Raucher suchen sich außerdem Vermeidungsstrategien und Auswege, um den Schockbildern zu entgehen. Sie stecken die Zigarettenschachtel einfach in ein Etui und es passt wieder", schmunzelt der Experte.
Zielführender wären sowohl für Kahr als auch für Sander die Erweckung positiver Assoziationen: "Wenn auf den Packungen ein schöner Sandstrand zu sehen ist, den man sich mit dem durchs Aufhören erspartes Geld leisten kann, ist das mehr Ansporn, sich vom Rauchen zu verabschieden als jedes noch so grausige Bild einer Krankheit", erklärt der Psychologe. "Die perfekte Kombination wären aus unserer Sicht, überhaupt Packungen mit positiven Bildern und dem Kontakt einer konkreten Ansprechstelle für die Entwöhnung", meint Claudia Kahr von Vivid. Ein Ansatz, mit dem sicherlich auch die Trafikanten leichter leben könnten.
^A. Koidl/A. Sittinger

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