23.06.2016, 09:44 Uhr

Eine Maßnahme, die verpufft?

Wirkt oder nicht? Bilder wie dieses prangen seit Kurzem auf Zigarettenpackungen, die in Österreich verkauft werden. Foto: Edler

Experten über die Wirkung der Schockbilder auf Zigarettenpackungen.

MURTAL. Bilder sagen mehr als tausend Worte – wahrscheinlich einer der Beweggründe, warum nun auch in Österreich nur mehr Zigarettenpackungen mit den umstrittenen Schockbildern, im EU-Jargon „Bild-Text-Warnhinweise“, verkauft werden dürfen. Vorräte an „alten, unbebilderten“ Tabakprodukten dürfen noch bis Mai 2017 abgegeben werden.

Ein Ende mit Schrecken

Mit der Gesetzesnovelle reiht sich Österreich in die Riege jener Länder, die mit Schockbildern den Tabakkonsum einschränken möchten. Weltweit wird bereits in 77 Ländern zu dieser Maßnahme gegriffen – für Claudia Kahr, Geschäftsführerin von Vivid, der Fachstelle für Suchtprävention, prinzipiell begrüßenswert: „Aus suchtpräventiver Sicht ist es gut, wenn Verpackungen von Tabakprodukten keine Werbefläche mehr sind.“ Kahr vermutet allerdings, dass die Schockbilder eher Nichtraucher davon abhält, erstmals zur Zigarette zu greifen als Raucher dazu, ihr Laster aufzugeben.

Einfach verstecken

Das bestätigt auch der klinische Gesundheitspsychologe Roman Sander: „Aktuelle Gehirnforschungen zeigen, dass derartige abschreckende Bilder wirken, allerdings nicht langfristig. Raucher suchen sich außerdem Vermeidungsstrategien und Auswege, um den Schockbildern zu entgehen.“ Auch heimische Trafikanten wissen, dass ihre Kunden zu speziellen Zigarettenhüllen greifen werden, um die abschreckenden Bilder zu verstecken.

Strand statt Krankheit

Ebenso haben die regionalen Trafikanten mit den neuen Zigarettenpackungen zu kämpfen. „Es ist nicht schön, wenn überall im Geschäft diese Schockbilder zu sehen sind“, sagt einer von ihnen. „Das ist es, was mich so daran stört.“ Außerdem werde es immer schwieriger, den Überblick bei den zahlreichen Zigarettenpackungen zu behalten. „Als Erstes springen die Bilder ins Auge und nicht mehr die Marke.“
Zielführender als die Schockbilder wären sowohl für Claudia Kahr als auch für Roman Sander die Erweckung positiver Assoziationen: „Wenn auf den Packungen ein schöner Sandstrand zu sehen ist, den man sich mit dem durchs Aufhören ersparten Geld leisten kann, ist das mehr Ansporn, sich vom Rauchen zu verabschieden, als jedes noch so grausige Bild einer Krankheit“, erklärt der Psychologe.

Perfekte Kombination

„Die perfekte Kombination wäre aus unserer Sicht, überhaupt Packungen mit positiven Bildern und dem Kontakt einer konkreten Ansprechstelle für die Entwöhnung“, meint Claudia Kahr von Vivid.
Ein Ansatz, mit dem sicherlich auch die Trafikanten leichter leben könnten.

Info

Wer mit dem Rauchen aufhören möchte, kann sich zum Beispiel an die Steiermärkische Gebietskrankenkasse wenden.
Spezielle Seminare werden dort (auch regional) angeboten.
Info-Tel.: 0316/8035 - 1919.

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