01.04.2016, 09:22 Uhr

Stephan Rabl: "Wien könnte weitere Theaterhäuser für Kinder vertragen"

"Der Dschungel hat sein Publikum gefunden", so Stephan Rabl, Gründer des Theaterhauses "Dschungel Wien". (Foto: Christa Bauer)

Der Gründer des "Dschungel" verlässt das Theaterhaus nach 13 Jahren. Dennoch übergibt Stephan Rabl das Kindertheater mehr mit Stolz als mit Wehmut.

Sie sind nur mehr bis Ende Juni der Leiter des Kindertheaters "Dschungel Wien". Warum gehen Sie?
STEPHAN RABL:
Die Leitung in Theaterhäusern der Stadt Wien wird generell nach zwei Perioden gewechselt. Da gibt es eine Haltbarkeitszeit. Ich habe den Dschungel sogar drei Perioden lang geleitet.

Macht Sie der Abschied traurig? immerhin habe Sie das Haus gegründet und aufgebaut.
Natürlich, aber ich kann das Haus mit Stolz übergeben. Das Theater blüht und hat Stabilität - ein guter Moment, um uns zu trennen. Es ist in den letzten ein bis zwei Jahren viel passiert: Wir haben vom Sender Puls 4 zusätzliche Räume übernommen und uns stark weiterentwickelt. Ich kann jetzt loslassen!

Wenn Sie Resümee ziehen - welches war Ihre Lieblingsinszenierung?
Alle! Ich kann wirklich keine hervorheben.

Warum haben Sie den Dschungel vor 13 Jahren gegründet? Und wie kamen Sie auf das Thema Kindertheater?
Ich habe nie vorgehabt, Schauspieler oder Künstler zu werden. Nach meinem HTL-Abschluss wollte ich Architektur studieren. Als Kind der 80er Jahre habe ich nach der Matura Verschiedenes für mich ausprobiert und bin so zu Tanz und Theater gekommen. Das habe ich dann beruflich gemacht, bin mit der Clowngruppe "Schockerlinge" aufgetreten, habe auf der Straße und vom Lastwagen aus gespielt und bin so ins Feld Familie und Kinder gekommen. Kindertheater habe ich im Beneluxraum kennengelernt und beschlossen, so etwas nach Österreich zu bringen.

Wie ist die Kindertheaterszene in Wien?
Künstlerisch und kreativ haben wir eine sehr gute Szene. Der Dschungel war dafür wichtig, da sich eine Szene immer um ein Haus herum entwickelt. Die jungen Künstler sind handwerklich sehr gut und arbeitetn vernetzt. Leider fehlt es österreichweit an Strukturen, sprich: Es gibt einen Mangel an Veranstaltern und an finanzieller Unterstützung.

Ist das nicht Sache der Länder?
In Wien gibt es kulturpolitische Unterstützung. Wir haben hier zwei große Häuser - den Dschungel und das Theater der Jugend. Damit sind wir weltweit ganz vorne, aber Wien könnte noch mehr vertragen, es ist eine Theaterstadt.

Nehmen Kinder Theater an?
Ja! Spezifisch Kinder bis 12 Jahre. Ab dem achten, neunten Lebensjahr kommen andere Einflüsse dazu - das Kind betreibt Sport oder geht in eine Musikschule. Aber das Interesse am Theater ist da.

Haben sich die Kinder in den vergangenen 13 Jahren durch das Internet verändert?
Ich behaupte nein. Die kindlichen Bedürfnisse sind die selben, aber die Erwachsenen sind durch hunderte Impulse überfordert. Es liegt an uns, wie wir die Kinder in diese Globalisierung hineinführen. Unsere Kommunikationsformen haben sich verändert.

Welche Pläne haben Sie für die Zeit nach dem Dschungel?
Das halte ich mir bis Ende Juni offen, da ich bis zum letzten Tag konzentriert für das Haus da sein möchte. Im Mai werden sich gewisse Dinge entscheiden. Ich bleibe natürlich im Bereich Kultur, möchte aber soziale Aspekte hineinbekommen. Wie wir Menschen miteinander umgehen, aktuelle Ängste und Konfrontationen - da kann Kultur viel bewegen.

Was wünschen Sie dem Theaterhaus Dschungel für die Zukunft?
Es möge weiterblühen! Ich wünsche mir noch mehr solche kreativen Biotope, die aus der Kraft des Dschungels heraus auch in der Peripherie Wiens Kindertheaterhäuser bilden.
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