24.06.2016, 14:19 Uhr

Brexit: Goodbye EU, hello Europe

Katharina Moser ist Unternehmerin und Autorin (www.mosaik-­agency.eu). Für die bz - Wiener Bezirkszeitung sammelt sie online und alle zwei Wochen in der Zeitung die Spuren europäischer Länder und Menschen in Wien.

Das Ergebnis dieses Referendums ist Ausdruck starker Emotionen. Damit wird sich die EU auseinandersetzen müssen. Ein Kommentar.

Mit einem lauten “in your face” hat Großbritannien seinen “Independence Day” verkündet. Und ein Kontinent steht wie erstarrt vor dem Ergebnis des Referendums. Ein Ergebnis, das weniger von Logik, als von Emotion getrieben wurde.

Und genau das ist der Punkt. Die EU ist ein rationaler Zusammenschluss von 28 Staaten. Sie ist eine Struktur, an der man vieles kritisieren kann, darf und muss. Sie ist ein bürokratischer, komplexer und aufwändiger Koloss, der sich nur langsam fortbewegt. Sie wirkt steif, kompliziert und jenseits unserer eigenen Erfahrungswelt, meilenweit entfernt von den Dingen, die uns emotional berühren.

Das Ergebnis dieses Referendums hingegen ist Ausdruck starker Emotionen: Angst, Frustration, aber auch die Hoffnung auf ein besseres Leben außerhalb der EU. Dabei ist die Frage, die auf dem Wahlzettel stand, in ihrer Banalität kaum zu überbieten: Rein oder raus? Die Realität ist nie so schwarz oder weiß, wie sie hier abgebildet wurde. Beide Entscheidungen ziehen einen Rattenschwanz an Pros und Contras mit sich. Diese standen nicht auf dem Wahlzettel.

Doch die EU muss sich jetzt mit den Emotionen auseinandersetzen, die hier geäußert wurden. Und sollte sich in ihrer Antwortfindung, vielleicht daran erinnern, dass hinter diesem rationalen Zusammenschluss auch eine emotionale Idee stehen sollte: die Idee eines gemeinsamen Europas.

Ein Europa von Menschen, Ländern und Kulturen, die den Herausforderungen unserer Zeit gemeinsam begegnen wollen, weil sie daran glauben, dass wir sie nur so lösen können. Ein Europa des alltäglichen Erlebens von Vielfalt als Bereicherung, die uns zu weltoffeneren und wissenderen Menschen macht. Ein Glaube daran, dass Empathie und Solidarität uns weiter bringen, als Egoismus und Abgrenzung.

Die Beatles singen in einem ihrer bekanntesten Songs “I don’t know why you say goodbye, I say hello”. Vielleicht ist es an der Zeit, dass die EU sich von der Idee eines rein rationalen Wirtschaftszusammenschlusses verabschiedet. Und sich stattdessen endlich einer Idee von Europa zuwendet, die wir alle herzlich begrüßen können.
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Hermine Reisl aus Favoriten | 30.06.2016 | 18:10   Melden
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Helmut A. Kurz aus Hernals | 15.07.2016 | 07:51   Melden
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