24.04.2016, 13:34 Uhr

Mehr Schutz für die Kleinen

Steckdosen üben eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf Kinder aus. (Foto: RAXmedia)
BEZIRK NEUNKIRCHEN (bs). Alle 13 Minuten verunglückt in Österreich ein Kind den eigenen vier Wänden. Eine der häufigsten Unfallarten sind Stürze, dabei könnten gerade diese durch einige einfache Sicherheitsmaßnahmen oft vermieden werden. Die Bezirksblätter sahen sich um und machten die typischen Kinder-Fallen im Eigenheim ausfindig.

Die häufigsten Unfälle

Oberarzt Dr. Rudolf Wehrl von der Kinderabteilung des Landesklinikums Wiener Neustadt - es ist auch für unseren Bezirk zuständig - sieht das Unfall- und Verletzungsrisiko bei Kindern so: "Kinder verletzen sich hauptsächlich in der Freizeit, bei sportlicher Betätigung kommt es sehr oft zu Brüchen des Unterarmes, des Ellbogens und des Schlüsselbeines. Bei Knochenbrüchen der unteren Extremität sind höhere Gewalteinwirkungen, beispielsweise Sturz aus großer Höhe, erforderlich. In seltenen Fällen kommt es auch beim Fußballspiel zu Unterschenkelbrüchen. Sehr häufig sind im Sommer sogenannte Radspeichenverletzungen, wenn die Kinder am Fahrrad am Gepäcksträger mitgeführt werden und dann mit dem Fuß in die Radspeichen kommen. Dies wäre eine Verletzung, die durchaus vermeidbar wäre, nur ist dieser Verletzungsmechanismus den Eltern, die mit dem Rad fahren, meistens nicht bewusst. Durch einen heftigen Zug am Arm kann es auch zu einer Verrenkung des Speichenköpfchens kommen, dies betrifft hauptsächlich Kleinkinder und wird von den Eltern oft anfänglich nicht ernst genommen, deshalb suchen sie dann oft erst am nächsten Tag das Krankenhaus auf. Die Kinder haben dadurch einen Tag unnötige Schmerzen, die bei einem sofortigen Einrichten der Verrenkung gleich wieder abklingen würden. Durch die entsprechende Schulung der Polizei sind Verkehrsunfälle mit Kindern rückläufig, weil diese nun die Gefahr des Straßenverkehrs besser einschätzen können. Ein knapp vor einem Auto über die Straße Laufen ist deshalb zum Glück sehr selten. Leider kommt es sehr oft zum Sturz vom Wickeltisch, dies ist aber nicht den Kindern sondern den Eltern anzulasten. Die Unfallabteilung empfiehlt deshalb die Kinder auf einer Matte am Boden zu wickeln. Kinder verschlucken – wenn auch selten – Flüssigkeiten die in Limonaden abgefüllt sind, hier liegt es an den Eltern, dass sie auf gar keinen Fall Frostschutzmittel, Putzmittel oder ähnliche gefährliche Flüssigkeiten in einer Fanta-Flasche abfüllen."

Erste Hilfe für Kinder

Das Rote Kreuz bietet - nicht nur - in Gloggnitz Kindernotfallkurse für Erwachsene an. "In den Kursen lernen die Eltern nicht nur, was zu tun ist, wenn etwas mit ihrem Sprössling passiert, sondern vor allem, welche Maßnahmen Kinderunfälle vermeiden - und das sind oft ganz einfache Vorkehrungen. Da geht es um Vorbeugung und Folgen mildern", skizziert die Gloggnitzer Rotkreuz-Bezirksstellenleiterin und Ärztin Patricia Windbrechtinger.

Die besten Sicherheitstipps vom KfV

Vermeiden Sie scharfe Ecken und Kanten – eventuell durch die Verwendung eines Ecken- bzw. Kantenschutzes.
Achten Sie bei gläsernen Türen, Tischen sowie Spiegeln o.ä. darauf, dass es Sicherheitsglas ist (springt in kleinere Stücke mit weniger scharfen Kanten). Notfalls gibt es auch Schutzfolien, die verhindern, dass die Bruchstücke durch die Gegend fliegen.
Bei Steckdosen sollten Sicherheitsplättchen bereits eingebaut sein.
Für Fenster oder Türen gibt es beispielsweise einfach auszutauschende Riegel mit Schlüssel, die verhindern, dass der Griff in eine andere Position gedreht wird (z. B. wenn das Fenster zu ist, oder gekippt).
Verwenden Sie für Treppen sogenannte Stiegen-Gitter. Beim Geländer ist es wichtig, auf richtige Abstände zu achten – ein Kinderkopf sollte nicht dazwischen passen, ansonsten kann man es z. B. mit engmaschigem Netz oder vertikalen Streben weiter absichern.
Um Ausrutschen zu vermeiden, sollten Kinder nie in Socken herumlaufen bzw. nur Socken mit „Bremsbelag“ anziehen. Besser sind natürlich Hausschuhe.
Verschließen Sie Reinigungsmittel immer gut und bewahren Sie diese außer Reichweite der Kinder auf.
Verwenden Sie beim Kochen wenn möglich die hinteren Kochplatten und drehen Sie die Stiele von Pfannen nach hinten.
Führen Sie Kabel von Wasserkochern, Schneidemaschinen etc. immer an der wandseitigen Kante der Arbeitsplatte und wickeln Sie diese beim Gerät selbst auf.
Verwenden Sie eine Kindersicherung für die Ofentüre sowie ein Herdschutzgitter.
Wenn Kinder in der Küche „mitarbeiten“, dann müssen vorher die Regeln geklärt werden. Wichtig ist auch immer, dass nur unter Aufsicht mitgeholfen werden darf.
Es gibt spezielle Armaturen mit Temperaturbegrenzer, die eine Einstellung der Wassertemperatur bis zu einem Maximalwert (z. B. 38° C) erlauben. 
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