28.09.2016, 00:52 Uhr

Laufbericht Schneeberg-Trail 2016

Geschafft! Nicht gerade heldenhaft aber doch steh ich am Klosterwappen :-)
Puchberg am Schneeberg: Schneeberghalle | Liebe LauffreundInnen,

seit 2012 gibt es zum klassischen Schneebeglauf mit 10Km Länge und 1200 Höhenmetern eine "Großen Bruder", den Schneeberg-Trail. Der führt von Puchberg aus in großem Bogen über Grünbacher Sattel, Ascher, Dürre Wand und Edelweißhütte weiter über den Fadenweg hinauf auf´s Klosterwappen und wieder hinunter in´s Ziel bei der Bergstation Zahnradbahn. Macht etwa 32Km und 2400Hm mit zahreichen - teils recht schwierigen - Auf- und Abstiegen. Ich war seither jedes Jahr beim Trail dabei, habe ihn aber noch nie fehlerfrei hinbekommen. Das soll heuer anders werden: Tolles Herbstwetter ist angesagt, die Strecke kenne ich inzwischen, die "Generalprobe" beim Stanzer Speedtrail vor einer Woche ist tadellos gelungen - was kann da noch schiefgehen?

Meine Taktik ist einfach: Die Fehler der vergangenen Jahre vermeiden ;-) Das bedeutet: Auf den ersten 21Km bis zur Edelweißhütte Tempo rausnehmen und ab dort das letzte Drittel des Trails über den Fadenweg, 600Hm rauf auf´s Klosterwappen und wieder runter in´s Ziel zügig durchlaufen - und wo laufen nicht mehr möglich ist zumindest flott gehen. So weit, so gut.

Um 7:00 komme ich mit meinem "Chauffeur und Fotografen", Sohn Patrick, in Puchberg an, hole meine Startsachen und begrüße zahlreiche Freunde und Bekannte - toll wieviele da sind, wir könnten stundenlang Geschichten austauschen ;-) Doch zum Erzählen sind wir nicht da sondern zum Erleben - also fertigmachen zum Start! Obwohl es noch kühl ist, vielleicht 7°, entscheide ich mich gleich im kurzen Leiberl loszulaufen - aus Erfahrung weiß ich daß mir beim Bergauflaufen schnell warm wird.

Um 7:30 fällt der Startschuß und - ganz traditionell - geht es zu den motivierenden Klängen von AC/DC´s "Highway To Hell" hinaus auf die Strecke. Ganz meinem Plan folgend halte ich mich zurück, genieße die Morgenstimmung, den leichten Nebel im Tal, die Karawane der Läufer, mache einige Fotos, bin eher "touristisch" unterwegs. Nach 30 Minuten bin ich am Grünbacher Sattel, quere die Straße und folge - jetzt ein klein wenig schneller - den Forststraßen und Wanderwegen zum Ascher. Dort habe ich 5 Minuten Rückstand auf meine Vorjahreszeit, bin aber total locker unterwegs - sehr gut, das passt. Die weitere Strecke zum Öhler-Schutzhaus ist wieder einmal ein Traum! Teilweise Single-Trails rauf und runter wie aus dem Trailrunning-Prospekt, die Kaisereben-Wiese voll mit Herbstzeitlosen und der Pfad oben auf der Dürren Wand ein Genuß, es fällt mir schwer hier nicht zu viel Gas zu geben ... aber das hatte ich schon, den Fehler mach ich nicht nochmal. Die Labestelle Öhler-Schutzhaus bei Km13 erreiche ich nach 1:50, hab also immer noch 5Min Rückstand, fühl mich aber blendend.

Weiter geht es über den Öhler zum Schoberkreuz. Die Stecke wird hier schwieriger, das ist auch am Streckenplan vermerkt. Teilweise recht heikle, rutschige Passagen über Wurzel- und Steinstufen, ab und zu schaut ein Metallpflock aus dem Boden der wohl mal eine Art Stufe gesichert hat - aufpassen, bloß nicht stürzen! Dennoch, der Pfad windet sich wunderschön oben im Wald am Kamm der Dürren Wand entlang, man "tanzt" richtig in kleinen Windungen hin und her, rauf und runter, um kleine Gipfel, über Grate und entlang von Felswänden. Sehr anspruchsvoll aber genau das gefällt mir. Beim Schoberkreuz mache ich eine kurze Fotopause, dann folgt die nächste Schlüsselstelle: Der steile rutschige Abstieg hinunter zur Schoberkapelle. Da beginnen die Oberschenkel zu brennen und die Wadeln zu zittern - pfffft bin ich froh als ich auf die Wiese komme und gemütlich an der Kapelle vorbei zu meiner "Badewanne" auslaufe. Mein Foto von 2013 von dort scheint inzwischen legendär zu sein weil mich Leute darauf ansprechen ;-) Ich steck kurz den Kopf in´s Wasser und weiter gehts - vorbei am Gasthof Mamauwiese zum nächsten knackigen Anstieg auf die Dürre Leitn.

Bei der Abzweigung stehen zwei Sanitäter mit einem Hund dem ich natürlich nicht widerstehen kann - aber er scheint ein Schüchterner zu sein und will nicht spielen ;-) Dann halt nicht - ich konzentriere mich wieder auf den Weg der jetzt herzhaft bergauf führt. Da schnaufen einige schon ordentlich, atmen schwer - ich geh zügig und locker rauf, laufe auf flacheren Stücken und komm so ausgeruht wie noch nie um 10:50 zur Edelweißhütte - mit nur 5 Min Verspätung! Perfekt, so hab ich mir das vorgestellt. Ab jetzt kann ich Gas geben, nun beginnt das Rennen wirklich!

Am Fadenweg hol ich mir schon zwei Läufer, dann folgt diese öde Forststraße - zu steil zum Laufen aber wenn ich gehe hab ich das Gefühl ich komme kaum vorwärts. Diesmal geht es deutlich besser, ich laufe auf Abschnitten auf denen ich noch nie gelaufen bin, lasse wieder ein paar Leute hinter mir - geht ja, alles nur eine Frage der Einteilung :-) Links ab auf den Pfad Richtung Kientalerhütte, vorbei am Fleischer-Gedenkstein: Wieder ein Traum-Trail - keine großen Steigungen aber trotzdem dauernd rauf - runter und teilweise schwierig, steinig, rutschig. Ich bin inzwischen auf eine Dreiergruppe aufgelaufen die ein gutes Tempo macht, bleib hinter denen und genieße es hier zu laufen - Wahnsinn ist das toll! Um 11:35, 4:05 nach dem Start, bin ich bei der Abzweigung hinauf auf´s Klosterwappen - so früh war ich noch nie da! Und ich hab noch 1:10 Zeit für die knapp 600Hm hinauf zum Gipfel und das Stückerl drüben wieder runter in´s Ziel um meine Wunschzeit von 5:15 zu schaffen - das kann sich ausgehen! Also ein paar Schluck Iso aus der Flasche, ein letztes Stück Energieriegel und los, rauf da!

Aber verflixt, was soll das, meine Beine fühlen sich plötzlich leer und kraftlos an ... das gibt´s ja nicht, grad war ich noch so super unterwegs ... und jetzt geht auf einmal nix mehr!?! Hab ich auf den 45 Minuten von der Edelweißhütte hierher alle meine Energien verpulvert, war ich zu übermütig? Schaut so aus, verdammter Mist! Aber Jammern hilft nicht, ich MUß da hinauf. Also 2 Gänge zurückgeschaltet, gemächliches Wandertempo eingelegt und weiter ... die Rechnung für meinen Übermut krieg ich in Form von Läufern präsentiert, die mich jetzt einer nach dem andern wieder überholen. Die Zeit die ich auf der Forststraße geholt habe zahle ich nun dreifach zurück - und wie zum Hohn erklingt von ganz oben immer wieder die Trompete die anzeigt daß wieder jemand den Gipfel erreicht hat. Aber der Blick hinauf ist deprimierend - endlos weit erstreckt sich die Bergflanke, hoch droben das Gipfelkreuz und ich schleiche bergauf daß es ein Jammer ist :-(

Nach einer knappen Stunde hab ich´s endlich geschafft, stehe schnaufend neben dem Gipfelkreuz, fühl mich fix und fertig - keine Rede davon, den zu Beginn recht steilen, unangenehmen Hang Richtung Damböckhaus runterzulaufen so wie ich das vorhatte. Erst als es flacher wird kann ich in langsamen Trab verfallen - und zu meiner Überraschung ein paar von denen die mich bergauf überholt haben selbst wieder überholen. Die haben nun noch größere Probleme als ich!? Vom Damböckhaus geht es nochmal leicht bergauf um den Waxriegel herum und hinunter in´s Ziel, das schaff ich jetzt auch noch, mache den Versuch eines Zielsprints - und durch, geschafft, ich krieg eine Finisher-Medaille und eine Decke umgehängt und taumle weiter. Luis ist da, begrüßt mich aber ich stammle nur "D-D-Danke, später ..." und auch Patrick und Martin sag ich "Alles später, bin unansprechbar ... Wahnsinn!"

Nun gut, so richtig erfange ich mich im Ziel nicht mehr also nehmen wir den Zug in´s Tal. In der Zahnradbahn wird mir erst so richtig schlecht, Laufkollege Markus organisiert blitzschnell ein Speibsackerl aber viel kommt nicht, ich hab ja nichts gegessen. Doch meine Würgerei, die hallt schon ganz schön durch den Zug :-( Und dann schießt auch noch ein Krampf in den rechten Oberschenkel ein und tut höllisch weh - verd ... ich hab mich ehrlich schon mal besser gefühlt. Aber zumindest lenkt der Schmerz von meiner Übelkeit ab ;-) Irgendwie überlebe ich die Zugfahrt, leg mich auf den Rücksitz meines 207CC (ja, das geht - ist schon praktisch wenn man einen Chauffeur mit hat ;-) Patrick macht das Dach auf und ich träum während der Heimfahrt vom Rauschen des Waldes ;-) Daheim wank ich aus dem Auto, falle in´s Bett und bin für 2 Stunden weg. Und wache mit einem riesen Hunger auf ... waahhhhh was war das für ein geiles Rennen! OK, ganz perfekt ist es wieder nicht gelaufen, aber was solls. Nächstes Jahr pack ich den Anstieg auf´s Klosterwappen sicher viiiieeel besser :-)

Ach ja, meine Endzeit: 5:28:33 ... gerade mal läppische 3 Sekunden über meiner Bestzeit von 2013 ...

Soweit mein Bericht vom Schneeberg-Trail 2016,

Viele Grüße

Hans

P.S.: Gratulation den Veranstaltern zu einem tollen Rennen! Organisation, Streckenmarkierung und Verpflegung waren tadellos und das Wetter sowieso spitze ;-) Die Herren-Wertung gewinnt Ivan Paulmichl in 3:20:07 vor Michael Kabicher und Gerhard Schiemer, bei den Damen siegt Laetitia Pibis in 4:02:04 vor Magdalena Merl und Sabrina Rath (unglaublich, diese Zeiten!). Weitere Info´s, Ergebnisse und Bilder gibt´s auf http://www.schneebergtrail.at

P.P.S.: Auch wenn ich in meinem Bericht manche Dinge recht locker geschildert habe - der Schneeberg-Trail ist KEIN Rennen für Anfänger! Trittsicherheit im alpinen Bereich, ordentliche Ausdauer und Schnelligkeit sind schon nötig um die Cut-Off Zeiten einzuhalten und um die schwierigeren Stellen möglichst verletzungsfrei zu überstehen! Aber wer den SBT in der Zeit schafft, der hat die "Trailrunning-Meisterprüfung" bestanden und kann sich schon mal halbwegs entspannt Richtung Ultra-Trails umschauen ;-)

P.P.P.S.: Und wer noch immer nicht genug hat und wissen will wie der allererste Schneeberg-Trail 2012 war: Hier geht´s zu meinem Bericht - aber Vorsicht, das war damals ein 4-teiliger Roman ;-)
Laufbericht Schneeberg-Trail 2012
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