10.03.2016, 11:10 Uhr

Wohn-Kunstwerk

Störche und Menschen leben eine enge Beziehung im Burgenland
Das Strochenhausprojekt der Raiding Foundation sorgt weltweit für Aufsehen.

RAIDING (GB). Ein Haus tatsächlich ganz bewusst für Storch und Mensch zu erdenken ist dennoch etwas ganz Neues. Und wussten Sie, dass unsere Störche auch im fernen Japan zu Hause sind? Eine Verbindung, die im Storchenhaus des Raiding Projects zum Tragen kommt.

Raiding Foundation

Alles begann damit, dass sich Fotograf, Künstler und Kulturjournalist Roland Hagenberg, seit 20 Jahren Wahljapaner mit Wohnsitz in Tokyo und seit mittlerweile sieben Jahren auch Wahlraidinger, anlässlich des Lisztjahres 2011 eine Idee gebar. Er wollte das lisztbegeisterte Japan mit einem Architektur- und Kunstprojekt nach Raiding bringen und zugleich Übernachtungsmöglichkeiten schaffen. Vorgabe war die Konzeption von experimentellen Gästehäusern, die alle auf einem Grundriss von 5 mal 5 Metern basieren. Anfangs von vielen als unrealistisch belächelt, schaffte es Hagenberg mit seiner umgehend gegründeten Raiding Foundation (www.raidingfoundation.org) nicht nur, zehn japanische Stararchitekten mit so klingenden Namen wie Terunobu Fujimori, Hiroshi Hara, Jun Aoki, Sou Fujimoto, Toyo Ito, Kengo Kuma, ... für seine Vision zu gewinnen.
Erstaunlicher Weise gelang es ihm auch, in kürzester Zeit die Unterstützung der Gemeinde, von Firmen und Handwerkern zu bekommen und als erstes Projekt das "Storchenhaus" des international bekannten Architekten Terunobu Fujimori zu realisieren.
Dieses erste Ergebnis eines Zusammentreffens asiatischer und burgenländischer Tradition ist ein spannendes, der Erde und dem Himmel verbundenes Gebäude, das in seiner ganzen Einzigartigkeit dennoch völlig selbstverständlich seinen Platz in Raiding gefunden hat. Architekt Fujimori, der auch Deutsch spricht, arbeitete vor Ort intensiv an der Realisation des Projekts mit, stellte dabei auch immer wieder burgenländische Prinzipien auf den Kopf: "Meine Arbeit folgt der Natur", sagt er, "es ist ja nicht so, dass ich den Baumstamm ausgesucht habe. Nein, der Baum hat zu mir gesprochen, und ich bin im Wald instinktiv auf ihn zugegangen."


Schilf-Dach

Ergebnis ist ein Haus, das beinahe lebendig wirkt. Zentrum ist der über 10 Meter hohe Eichenstamm, der die Wohnungen von Mensch und Tier verbindet. Das Dach mit Schilf gedeckt - auch eine Bautradition, die Burgenland und Japan verbindet. Das Haus reduziert die Bedürfnisse aufs Wesentliche. Gleichzeitig umfängt es den Gast mit seinen samtweichen, unlackierten Holz-oberflächen, streichelt ihm die Fußsohlen, wird zum haptischen Erlebnis. Die traditionelle japanische Fassade aus verkohlten Holzbrettern findet im Inneren ihre Fortsetzung in einem um den aus Lehm gebauten offenen Kamin aufsteigenden Mosaik aus kleinen kohleschwarzen Holzstückchen, das dem freundlichen Raum den Eindruck vermittelt, lebendig zu sein. Möbel, Geschirr, textile Einrichtung - alles wurde von internationalen Designern speziell für das Haus entworfen und ist integraler Bestandteil des Gesamt-Wohn-Kunstwerks, fügt sich harmonisch in das Gesamtkonzept.

Mikrokosmos

Eine Leiter führt hinauf zur Schlafebene - näher zum Himmel und näher zum Storch am Dach, denn die tierischen Bewohner haben das Angebot Fujimoris schon während der Bauphase angenommen. Auch menschlichen Gästen steht das Haus offen - Informationen dazu finden Sie unter www.raidingfoundation.org.
Als nächstes steht man in Raiding mit der Umsetzung des Projekts des wohl bekanntesten japanischen Starchitekten Hiroshi Hara in den Startlöchern. Hara - sonst berühmt für riesige Bauprojekte wie Kyoto Station oder den Shin Umeda Skyscraper - besuchte dafür schon mehrmals den "Mikrokosmos" Raiding. Sein Zugang könnte zu dem von Terunobu Fujimori kaum konträrer sein: Hara entwarf ein futuristisch anmutendes Gebäude, für das er sich von der Tradition der "Salons" inspirieren ließ, in denen man sich zu Liszts Zeiten im privaten Rahmen zu Musik und Diskussionen traf. Zusätzlich erweitert er das Projekt mit überdachten Rastplätzen in der Umgebung außerhalb der Ortschaft, die an japanische Papierfaltkunst erinnern.
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