Ein Taugenichts war der!
Von seinen Mitbürgern wurde Georg Rendl gewaltig unterschätzt. Eine Ausstellung zeigt die künstlerische Vielfalt des St. Georgeners.
ST. GEORGEN (grau). Er war fast sein ganzes Leben lang Imker, von Jugend an Literat und über viele Jahre ein leidenschaftlicher Maler. Sein "Bienenroman" wurde sechs Mal aufgelegt und seinen Eheratgeber bekam jedes katholische Brautpaar vor der Hochzeit. Um sein Erbe zu bewahren und über sein Wirken aufzuklären, gibt es noch bis zum 16. September im Sigl.Haus in St. Georgen eine umfassende Ausstellung anlässlich seines 40. Todestages.
Ambrosia und Kaiserin
"Das Werk Georg Rendls war unglaublich vielseitig. Als Imker patentierte er ’Ambrosia‘ und verkaufte unter diesem Namen Gelee Royal auch in viele andere Länder. Er schrieb 58 Bücher und viele Theaterstücke. ’Kaiserin Elisabeth‘ zum Beispiel wurde über 200 Mal am Wiener Volkstheater aufgeführt. Leben konnte er davon dennoch nicht. Zwischendurch arbeitete er bei der Eisenbahn, in der Bürmooser Glashütte oder in der Ziegelei", erzählt Diakon Peter Philipp, der Rendl zwar nicht kannte, von ihm aber schwer beeindruckt ist.
Im Roman "Die Glasarbeiter von Bürmoos" schrieb er aus der Sicht der Arbeiter. "Er war der erste, der sich der Arbeiter angenommen hat", sagt Philipp. Angenommen hat er sich auch der Ehe. Er gab das "Ehebuch" heraus – eine Anleitung zum Verheiratetsein, die von der Kirche an Brautpaare gegeben wurde. "Literarisch nicht wertvoll, aber heute ganz lustig zu lesen", sagt Jutta XXX.
Rendl malte – aber nicht, um zu verkaufen. Sein Credo war: "Ich will Zeugnis ablegen für den Reichtum dieses Lebens, das uns nur ein einziges Mal anvertraut ist." Er verkaufte seine Bilder, wenn er musste und widmete sein Leben seinen drei Leidenschaften. In Salzburg geboren, verbrachte er seine Jugend in Bürmoos und zog 1938 nach St. Georgen. Dort wurde er 1951 zum Ehrenbürger ernannt, bekam vom Bundespräsidenten den "Professor" verliehen und immer noch verstanden ihn die Menschen in seiner näheren Umgebung nicht. Sie sahen in ihm einen arbeitsfaulen Mitbürger und nannten ihn "Taugenichts". Davor konnte ihn auch seine doch recht bodenständige Tätigkeit als Imker nicht bewahren. So starb er 1972 einsam in seinem Haus in St. Georgen. Seinen Nachlass bekam die Gemeinde.
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