08.04.2016, 11:33 Uhr

Ein Landarzt braucht ganz viel Herz

Dr. Günter Ranftl fände einen Austausch zwischen Ärzteschaft und Politik sinnvoll, so könnten Reformen beschlossen werden, die das Gesundheitssystem tatsächlich verbessert.

Seit der Pensionierung von Kassenarzt Eugen Postmann im vergangenen Herbst sucht man dringend einen Nachfolger.

GROßPETERSDORF (kv). Die Stelle wurde bereis zum fünften Mal ausgeschrieben, einmal sogar österreichweit. Nunmehr hat sich ein Arzt aus dem LKH Oberwart beworben, dieser kann sich jedoch auch für die Ordination in Olbendorf entscheiden. "Oder auch für gar keine", sagt Thomas Bauer von der Ärztekammer. Das große Plus in Olbendorf ist die Hausapotheke.

Hausapotheke vs. Gemeindeapotheke

Die Vorteile der Hausapotheke liegen klar auf der Hand. Die Öffnungszeiten der Apotheke decken sich nicht immer mit den Ordinationszeiten. Der Patient hat viel mehr Wege. Außerdem macht die Hausapotheke rund ein Drittel des Umsatzes aus. Nunmehr soll es zumindest eine Hausapothekennovelle geben, in welcher Form ist nicht bekannt. "Ich könnte mir eine Kooperation mit der Apotheke im Ort vorstellen, davon profitiert sowohl der Patient, der Apotheker und auch der Hausarzt", so Dr. Günter Ranftl.

Stark überfordert

Durch den Wegfall der Praxis von Dr. Postmann haben die übrigen Mediziner natürlich einen großen Mehraufwand. Das größte Problem dabei sind jedoch die Nacht- und Wochenenddienste, die viel öfter absolviert werden müssen. "Hinzu kommt dass einige Patienten diesen Dienst ausnutzen, weil sie gemerkt haben, dass sie am Wochenende nicht so lange warten müssen. Diese sind aber nur für Notfälle gedacht", so Ranftl. Und auch die Pensionierung von Dr. Günther Kirisits liegt nicht mehr in allzuweiter ferne.

Untragbare Arbeitsbedingungen

Die übrigen Hausärzte im Sprengel Großpetersdorf behandeln ihre Patienten im Akkord. Außerdem ist man rund um die Uhr für seine Patienten da. "Ich wurde sogar in meinem Urlaub am Handy angerufen und um Rat gefragt. Und einen Patienten abweisen kommt für mich nicht in Frage", erzählt Ranftl. Nun mögen viele meinen, dass ein Arzt dafür viel verdient, aber weit gefehlt. Für die Behandlung pro Quartal und Patient erhält der Arzt durchschnittlich 20 Euro. Und Zusatzleistungen wie Impfungen oder Hausbesuche sind ebenso unverhältnismäßig niedrig angesetzt. "Wenn ich mitten in der Nacht zu einem Einsatz fahre, wo ich meist ein bis zwei Stunden unterwegs bin, bekomme ich dafür 50 Euro", so Ranftl. Da ist es verständlich, dass sich nur schwer Ärzte finden lassen, die unter solchen Bedingungen arbeiten wollen und es wird immer schlechter.

Politische Maßnahmen

Überlegungen gibt es in diese Richtung, dass man mit PHC Zentren - ein erstes Pilotprojekt in OW ist gerade in Ausarbeitung - dem entgegenwirken kann. Vorteil davon ist, dass sich mehrere Ärzte zusammenschließen und eine Gemeinschaftsordination gründen können. So können sie wechselseitige Synergien nutzen. Regionale Primärversorgungszentren sollen der Bevölkerung eine bedarfsgenau abgestimmte Betreuung ermöglichen, indem vor Ort Ärzte, Krankenschwestern, Therapeuten und weitere Gesundheitsberufe Hand in Hand
zusammenarbeiten. Doch ein Zentrum für einen ganzen Bezirk bedeutet auch, dass Menschen, die ohnehin krank und geschwächt sind, weite Wege auf sich nehmen müssen, um versorgt zu werden. Die Ärztekammer setzt sich gegen das PHC-Gesetz zur Wehr, das nicht einer Verbesserung der Gesundheitsversorgung diene, sondern ausschließlich das Ziel habe, niedergelassene Ärztinnen und Ärzte in Knebelverträge zu zwingen.

Link: Wo sind die Ärzte in weiß geblieben?

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