03.05.2016, 10:27 Uhr

Frostschäden sorgen im Weinbau am Csaterberg zu Ausfällen bis zu 80 Prozent

Jungwinzer Helmut Poller erlitt wie praktisch alle seine Winzerkollegen im Bezirk gravierende Schäden bei den Reben. (Foto: Michael Strini)

Der plötzliche Kälteeinbruch hat gerade in tiefer gelegenen Weinregionen zu Ernteausfällen geführt. Besonders betroffen sind frühe Rebsorten wie Blaufränkisch, Muskateller oder Zweigelt.

OBERWART. Ein Kälteeinbruch zu dieser Jahreszeit ist grundsätzlich nichts ungewöhnliches. Problematisch ist der Frost aber dadurch, dass aufgrund des frühen Frühlingbeginns die Obstbäume und Weinreben vorzeitig zu blühen begonnen haben und ein Frost in diesem Stadium die Obsternte enorm reduziert.

Weinbauern zum Teil massiv betroffen

Winzer Jürgen Horvath aus Rechnitz macht sich keine allzugroßen Sorgen um seine Reben. "Wir liegen etwas höher als 400 Meter und war es bei uns nicht ganz so kalt", sagt Horvath. Ob und wie hoch der Schaden tatsächlich ist, bleibt zurzeit noch offen. "Uns hat bereits der Hagelschaden im letzten Jahr stark zugesetzt", so Horvath abschließend.
Rund um Deutsch Schützen gab es schon mehr Schäden. "Die zweijährigen Triebe, die ganz am Boden waren, sind alle abgefroren. Bei den übrigen hat es die Blätter erwischt. Wie schwer diese beschädigt sind, sieht man erst in ein paar Tage. Bei Rieden in Winten, die ich gepachtet habe, war der Schaden noch größer. Ich hoffe aber noch, dass ich mit einem blauen Auge davongekommen bin", schilderte Jungwinzer Helmut Poller aus Höll.
Besonders schlimm hat es den Csaterberg erwischt. "In tieferen Lagen ist es noch einigermaßen glimpflich abgegangen - zumindest was die ersten beiden Frostnächte betrifft. Die letzte von Donnerstag auf Freitag hat aber noch mehr ruiniert. Am Hochcsater ist gebietsweise alles braun und abgestorben. Ich rechne bei mir mit einem Schaden von 70 bis 80 Prozent. Andere hat es vielleicht sogar noch ärger erwischt", fasst Rainer Stubits zusammen.
Markus Faulhammer aus Deutsch Schützen: "Insgesamt gehe ich von mindestens 50 Prozent aus. In manchen Lagen gibt es sicher einen Totalausfall. In den Rieden Bründlgfaunga und Adaxl war es besonders schlimm. Am Eisenberg war an den ersten beiden Nächten noch weniger, aber die dritte Nacht hat dort auch enorme Schäden verursacht. Wie groß dieser sein wird, kann man erst in einigen Tagen oder Wochen beurteilen. Es ist bitter, dass wir schon so früh getroffen wurden, weil auch noch andere Wetterkapriolen wie Hagel oder Dürre, wie in den letzten Jahren, kommen können. Es schaut nicht sehr rosig aus."

Erste Abschätzung der Ernteausfälle

In den Weingegenden Rechnitz, Eisenberg, Deutsch Schützen und Csaterberg sind die Schäden unterschiedlich groß. Grundsätzlich sind Gebiete in tieferen Lagen mehr geschädigt als in höheren, da sich die kalte Luft immer unten sammelt. Am Csaterberg gab es teilweise einen 80%igen Ausfall, in Deutsch Schützen liegt man bei 10 bis 20 % Prozent. In den tieferen Lagen von Rechnitz sind etwa 20 Prozent der Pflanzen abgestorben, in höheren nicht einmal 10 Prozent. "An und für sich beginnen die Reben viel später auszutreiben, durch den frühen Frühlingsbeginn sind wir jetzt schon bei 5 bis 6 Zentimeter", so Andreas Graf von der Landwirtschaftskammer Oberwart.

Obst- und Feldkulturen

Der Bezirk Oberwart ist vom hereinbrechenden Frost in Bezug auf den Obstanbau nicht so stark betroffen. Grund ist, dass es nur wenige Erwerbsobstbauern gibt. "Wir haben im Bezirk eigentlich nur einen erwerbstätigen Obstbauern, und zwar in tadtschlaining", sagt Richard Matyas, Bezirksreferent der Landwirtschaftskammer Oberwart. Nichtsdesttrotz sind natürlich viele private Obstgärten betroffen.
Die Winterkulturen am Feld haben keinen großen Schaden genommen, sprich der Winterweizen, Winterraps und die Wintergerste. Sommerkulturen wie Mais, Kürbis und Soja sind großteils noch überhaupt nicht angebaut worden. "Den früh gepflanzten Maissorten wird der Frost nicht allzuviel ausmachen, da sie erst zwei bis drei Zentimeter aus dem Boden ragen, der Vegetationskegel ist noch im Boden verankert", so Graf.

Situation im Burgenland

Im Burgenland betreiben rund 200 landwirtschaftliche Betriebe auf einer Fläche von ca. 800 ha Erwerbsobstbau. Dominierende Kultur ist hier mit 460 ha der Apfel. Weitere größere Kulturen sind Holunder (124ha), Erdbeeren (46ha), Marielle (80ha), Pfirsich (21ha) und Zwetschge (20ha), Kirsche und Weichsel mit 30ha. „Zuletzt kam es in den Jahren 2013 und 2015 zu erheblichen Schäden. Nun ist unsere Ernte durch anhalten Frost und Minustemperaturen bedroht. In den Tallagen rechnen wir mit 100% Ausfall“, so Obmann der Genuss Region „Südburgenländischer Apfel“. Neben dem Auftrag an die Burgenländische Landwirtschaftskammer, die aktuellen Frost-Schäden in der Landwirtschaft zu erheben, ruft Landesrätin Verena Dunst die betroffenen Bauern und Bäuerinnen von nicht versicherbaren Kulturen auf, ihre Schäden innerhalb der nächsten 6 Wochen an die Agrarabteilung des Landes Burgenland zu melden, um eine Förderung der Behebung von erlittenen Katastrophenschäden zu beantragen. "Vorgesehen sind Zuschüsse zu den jeweiligen Versicherungsprämien von 25 % aus Landesmitteln und 25 % aus Mitteln des Bundes", sagt LRin Verena Dunst.

Kommentar: Das schwere Kreuz der Landwirte
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Harald Schober aus Weiz | 04.05.2016 | 07:33   Melden
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Karin Vorauer aus Oberwart | 04.05.2016 | 11:00   Melden
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Harald Schober aus Weiz | 04.05.2016 | 14:37   Melden
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