01.06.2016, 13:02 Uhr

"Milchmädchenrechnung" geht nicht auf

Der Bauernbund Burgenland verteilt Milch, um auf die Probleme der heimischen Milchbauern aufmerksam zu machen.

Eine Milchverteilungsaktion am 1. Juni - dem Weltmilchtag - vom Burgenländischen Bauernbund am Oberwarter Wochenmarkt soll auf die Situation der Milchbauern aufmerksam machen.

OBERWART (kv). Die Aktion soll den Menschen ins Bewusstsein rufen, wie wichtig es ist, bei ihren Produkten auf Regionalität zu achten. Mit jedem Liter Milch, der von heimischen Bauern gekauft wird, ist geholfen. „Milch und Milchprodukte als hochwertige Nahrungsmittel sollten den Menschen von Geburt an über die Kindheit und die Jugend bis ins hohe Alter begleiten", sagt Agrarlandesrätin Verena Dunst.

Hauptabnehmer im Burgenland

Im Burgenland werden von 140 Milchviehbetrieben mit insgesamt 4.500 Milchkühen jährlich 29 Millionen Kilogramm Milch produziert. Rund 26 Millionen Kilogramm werden an Molkereien geliefert. Davon werden 55% über die NÖM/MGN, 45% über Berglandmilch verarbeitet. Eine Million Kilogramm Milch und Milchprodukte werden von Landwirten direkt ab Hof oder in Bauernläden vermarktet, zwei Millionen werden für die Kälberzucht benötigt. 2015 lag die durchschnittliche Liefermenge pro burgenländischen Milchwirtschaftsbetrieb bei 190.000 Kilogramm.

26 Cent pro Liter

Kopfzerbrechen bereitet der aktuell niedrige Milchpreis, der ein kostendeckendes Arbeiten nicht mehr möglich mache. Derzeit bekommt ein Milchbauer pro Liter Milch nur mehr rund 26 Cent (22%). Bei einem Milchendpreis von 1,20 Euro erhält der Handel 49 Cent (41%) und die Molkerei 45 Cent (37%). "Vor 25 Jahren produzierte ich 50.000 Kilogramm Milch und konnte gut davon leben. Heute sind es 130.000 Kilogramm und meine Frau muss arbeiten gehen, damit wir uns über Wasser halten können", sagt Walter Mühl, Milchbauer aus Jormannsdorf.

Preisdumping muss ein Ende haben

„Es darf nicht sein, dass Handelsketten Grundnahrungsmittel zu Schleuderpreisen weit unter ihrem Wert anbieten. Der Lebensmittelhandel ist gefordert, dem Preisdumping ein Ende zu setzen“, sagt Agrarsprecher Walter Temmel. "Der Landwirtschaft fehle es an Visionen, behauptet Alfred Propst. Der Rewe-Manager wünscht sich von den Bauernvertretern mehr Weitblick. Es sei einfach, dem Handel die Schuld an der Preiskrise zu geben. Die lenke nämlich von eigenen Fehlern ab", sagt Alfred Probst in einem Interview mit Roman Goldberger und Hans Meister von der Fachzeitschrift Landwirt.

Maßnahmen

Die Situation für die Milchbauern ist dramatisch. Die Erzeugerpreise sind seit längerer Zeit nicht mehr kostendeckend. Die Milchpreise für Bauern sind seit 1995 gleich geblieben bzw. sogar etwas gesunken. Die Kostensteigerung liegt jedoch bei etwa 40 Prozent. „Die von der Gesellschaft und dem Handel geforderten hohen Tierschutz- und Tierwohlstandards in Österreich sowie die gentechnikfreie Fütterung sind für die heimischen Bauern erheblich teurer - verglichen mit den europäischen Berufskollegen", sagt KR Ök.-Rat Reinhard Jany. "Die Milchbauern brauchen rasch ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Preisstabilisierung“, erklärt Bauernbund-Landesobmann NR Niki Berlakovich. Er begrüßt dabei die Ankündigung von EU-Agrarkommissar Phil Hogan, die Intervention für Magermilchpulver zu erhöhen. Des Weiteren fordert er auch Maßnahmen zur Förderung des Absatzes von Milch und Milcheiweiß in der Lebensmittelverarbeitung. Als Sofortmaßnahme kann sich der Agrarsprecher Walter Temmel auch eine Butterfett-Stützung vorstellen. „Damit könnte man eine nachhaltige und ökologische Alternative zu Palmöl aus Drittstaaten schaffen. Gleichzeitig stärken derartige Initiativen die europäische Milchproduktion und schaffen neue Absatzmöglichkeiten“, argumentiert Temmel.

Die Wichtigkeit der Bauern

Die schwierige Situation der heimischen Bauern führt dazu, dass die Betriebe keine Nachfolger finden bzw. ihre Betriebe schließen. "2009 lagerte die Molkerei Oberwart ihre Milchproduktion aus an die NÖM AG. Damals waren wir noch 150 Zulieferer, heute sind es nur noch 72", sagt Otto Keipel, Milchbauer aus Wiesfleck und Funktionär der Milchgenossenschaft Niederösterreich (MGN). Es ist eine einfache Rechnung: Umso weniger Bauern wir haben, desto mehr Produkte müssen wir aus dem Ausland beziehen bzw. umso weniger können wir exportieren und umso abhängiger wird Österreich von anderen Staaten.

Zusatznutzen der Milchkühe

"Ein wichtiger Nutzen einer flächendeckenden Rinderhaltung sei neben der Ernährung auch die Pflege der Kulturlandschaft", betont Landwirtschaftskammerpräsident Franz Stefan Hautzinger, denn „Wiesen und Ackergrünlandflächen können wirtschaftlich am besten über die Rinderwirtschaft genutzt und erhalten werden.“
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