30.08.2016, 16:23 Uhr

EINE GELUNGENE AUSSTELLUNG IN LIENZ: NACHT DER SEELE / NIGHT OF THE SOUL

Kriege sind grausam . . . sie zerstören alles . . . manchmal ist der Tod eine Erlösung, auch wenn man das nicht wahrhaben will . . .
Können wir das Wesen der Dinge, das Wesen des grausamen Krieges, das Gemetzel in Vukovar, in Screbrenica oder anderswo begreifen . . . auch angesichts der Tatsache, dass diese Vorgänge mittlerweile 25 Jahre her sind . . . ich kann dies nicht vergessen, ich war da und dort, habe mir ein eigenes Bild davon gemacht und traumatisierten Kindern geholfen, manchmal unter den allerschwersten Bedingungen . . .

Die jetzige aktuelle Ausstellung von Hermann Pedit in Lienz lädt dazu ein, sich einzulassen, bestimmte Gefühlskategorien wachzurufen, Erinnerungen preiszugeben, die Gemälde in Großformat gehen unter die Haut, sie graben sich stellenweise auch in das Gehirn in bestimmte Gehirn-Zentren . . . der schreckliche Balkan-Krieg ist bis dato noch nicht vollständig aufgearbeitet, zu tief sitzen die Erlebnisse, zu tief sind die Wunden, zu tief wurden die Massakrierten eingegraben . . . man hat sie trotzdem gefunden, hat sie mit Hilfe der Forensiker identifizieren können, auch ihre Todesursache geklärt . . . eine sinnliche Wahrnehmung ist notwendig, um den Gehalt dieser Ausstellung zu begreifen, das geschieht nicht im Vorbeigehen, das gelingt auch nicht, wenn man schaut und gleichzeitig eine Zigarette raucht oder gar zusätzlich mit dem Handy beschäftigt ist . . . ich vermisse den notwendigen Respekt . . . ach was, ich finde das einfach grauenhaft, wenn man sich nicht zurücknehmen kann . . . wenn diese Bilder einfach nur konsumiert werden . . . was ist in die Menschen gefahren???

Die Kunst der Wahrnehmung könnte man hier ein wenig schulen, sie behutsam auf den Weg bringen, in diesem konkreten Fall nur wenige Bilder verarbeiten, und geduldig auf die Befindlichkeiten achten . . . manche sind herzergreifend und schockierend . . . der Tod als ständiger Weg-Begleiter . . . es ist auch nicht selbstverständlich, dass wir diese Bilder sehen dürfen, ich verneige mich in Demut vor dieser großartigen Arbeit, vor dieser Herausforderung, die Empfindungen zu verarbeiten, sie für uns abzubilden . . .

Rational kann man einige Bilder gar nicht nachvollziehen, sie ziehen einen herunter, machen einen sprachlos, verlegen oder was auch immer . . . man möchte stellenweise beim Anblick ausweichen, kann sich aber dann doch nicht abwenden, weil sie so gearbeitet sind, um den Betrachter wieder zurück-zu-holen in das Geschehen, in die Verdichtung der Abbildung . . .

Bei mir hat diese Ausstellung verschiedene Interessen geweckt, sie wieder in Gang gebracht, ich kann in Ruhe meine eigenen Erfahrungen und Eindrücke mit dieser Malerei abgleichen . . . sie sind eine wunderbare Ergänzung zu meinen eigenen Fotografien, meinen schriftlichen Aufzeichnungen, meinen Gefühlsebenen . . . ich danke den Veranstaltern, ich danke, dass ich diesen Einblick aufnehmen konnte!!! Ich danke der Galerie Gaudens Pedit in Lienz . . .
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Eva Klingler aus Kufstein | 30.08.2016 | 21:54   Melden
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Jürgen-Ferdinand Schohr, MA/MD, Dipl.-Psychologe, Psychotherapeut, Störenfried und Clown aus Osttirol | 31.08.2016 | 09:42   Melden
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