22.04.2016, 14:02 Uhr

Landeseigenes Modell zur Einschätzung der Hochwassergefahr in Osttirol

Die Daten von 25 Pegelbeobachtungsstellen sowie 37 Wetterstationen allein im Einzugsgebiet von Drau und Isel fließen in das Hochwasser-Prognosemodell für Osttirol ein. (Foto: Land Tirol/Brunner)
OSTTIROL (red). Wenn ein außergewöhnliches Hochwasserereignis eintritt und bestehende Schutzverbauungen die Wassermassen nicht mehr aufhalten können, dann braucht es ein Warnsystem, mit dem die Bevölkerung frühzeitig auf die herannahende Hochwassergefahr vorbereitet werden kann.

„Um die Qualität der Hochwasserprognose weiter zu verbessern, wird nun ein landeseigenes Modell für die Einschätzung der Hochwassergefahr an Drau und Isel in Osttirol erarbeitet“, gibt LHStv Josef Geisler bekannt. Bislang wurde die Hochwassergefahr in Osttirol mithilfe der Hochwasserwarnung des Landes Kärnten eingeschätzt. Bis Ende 2017 soll für Osttirol ein eigenes Prognosemodell zur Verfügung stehen, das noch exaktere Vorhersagen möglich macht.

Exakte Daten – genaue Prognosen

„Hochwasser-Prognosemodelle sind komplexe Simulationen der Abflussbildung. Sie stützen sich auf Geländemodelle und berücksichtigen die hydrologischen Gebietseigenschaften. Die Datengrundlage bilden aktuelle Pegelmessdaten genauso wie meteorologische Messdaten und Wettervorhersagemodelle der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG)“, erklärt Klaus Niedertscheider, Leiter des hydrographischen Dienstes des Landes Tirol. Ein speziell für die Drau und die Isel samt ihren Einzugsgebieten entwickeltes Prognosemodell ermögliche eine noch genauere und frühere Hochwasserwarnung durch das Land.

Dichtes Messnetz

Die Basis für das künftige Hochwasser-Prognosemodell für Osttirol bildet ein dichtes Messnetz zur Erfassung des Wasserkreislaufes. Auch angrenzende Messstationen in Südtirol, Kärnten und Salzburg sind einbezogen. 25 Pegelbeobachtungsstellen an der Drau und an der Isel sowie an den Zubringerbächen gibt es in Osttirol. Dazu kommen 37 Wetterstationen im rund 2000 km2 umfassenden Einzugsgebiet der beiden Flüsse. Die Messungen erfolgen voll automatisch. Die Daten werden viertelstündlich über elektronische Übertragungswege an die Server des Landes Tirol übermittelt und in Prognosemodelle eingespeist.

Jede Minute zählt

„Im Ernstfall zählt jede Minute. Es geht darum, die Menschen rechtzeitig in Sicherheit zu bringen und die Einsatzorganisationen auf eine drohende Gefahr vorzubereiten“, erklärt Katastrophenschutzreferent Josef Geisler. Während an großen Flüssen wie der Donau die Vorwarnzeit bei einer Hochwasserwelle Tage beträgt, sind es an den Tiroler Flüssen bei Extremereignissen oft nur wenige Stunden. Mit der Hochwasserprognose kann die Abflussentwicklung bei entsprechenden Wettervorhersagen aber bereits für zwei bis fünf Tage im Voraus eingeschätzt werden.
Die jeweils aktuelle Abflusssituation und das Niederschlagsgeschehen kann auf der Internetseite des Landes mitverfolgt werden hier
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