14.06.2016, 09:22 Uhr

Wechsel bei den Grünen Ottakring: Was im Bezirk jetzt anders wird

Ab 24. Juni offiziell neue Klubobfrau: Kerstin Maireder folgt Joachim Kovacs als Grünen-Chefin im 16. Bezirk.

Ottakrings ehemaliger Grünen-Chef Joachim Kovacs und Nachfolgerin Kerstin Maireder über fehlende Bürgernähe der Grünen, die Zusammenarbeit mit der SPÖ im Bezirk, Zuckerbrot und Peitsche.

Sie sind seit November Grünen-Landessprecher. Was macht man da eigentlich?
JOACHIM KOVACS: Alles. Man befasst sich an einem Tag mit der Mindestsicherung, einen Tag später mit der Heizschwammerl-Diskussion und dann mit der Stadtstraße.

Die größte Herausforderung?
KOVACS: Den Überblick über alle Bezirke zu behalten. Und sich überall einzulesen.

Haben Sie sich die Arbeit so vorgestellt?
KOVACS: Richtig überrascht hat mich nichts bisher. Es macht mir Spaß und ich würde das nicht eintauschen wollen.

Wo sehen Sie aktuell Probleme bei den Wiener Grünen? Oft wird die fehlende Bürgernähe kritisiert.
KOVACS: Wir müssen Themen wie Arbeitsmarkt oder Beschäftigung mehr ansprechen. Im 16. Bezirk hat sich schon viel in dieser Richtung getan: Wir waren viel in Gemeindebauten und bei Hausbesuchen unterwegs. Man muss sich als Partei breiter aufstellen. Ottakring könnte da ein Vorbild für Wien sein.

Abschied von der Bezirkspolitik nach fünfeinhalb Jahren – mit lachendem oder weinendem Auge?
KOVACS: Mit Sicherheit ist ein weinendes Auge dabei. Aber Ottakring ist auch einer von 23 Wiener Bezirken und somit nicht aus der Welt.

Was war das Highlight Ihrer Karriere im Bezirk?
KOVACS: Die Grünen konnten bei jeder Wahl zulegen. Und anfangs der Umbau der Ottakringer Straße entgegen aller Widerstände.

Joachim Kovacs war dafür bekannt, besonders nahe an den Ottakringern dran zu sein. Wie geht man mit so großen Fußstapfen um?
KERSTIN MAIREDER: Seine Fußstapfen zu füllen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Die meisten Menschen schlafen auch länger als vier Stunden. Füllen muss ich sie auch nicht, eher neu definieren. Wir haben ja auch andere Stärken.

Was können Sie besser als Ihr Vorgänger?
KOVACS: Streng sein.
MAIREDER: Das muss man bei Verhandlungen auch: die richtige Mischung aus Zuckerbrot und Peitsche.

Worauf legen Sie bei der Bezirksarbeit Ihren Schwerpunkt?
MAIREDER: Ein Schwerpunkt ist der Verkehr. Wir fordern eine autofreie Nordzeile – mehr konsumfreier Raum und eine Verkehrsberuhigung. Zum Huberpark hin wollen wir einen begrünten Weg. Die Haberlgasse soll als Durchzugsstraße entschärft werden.

Was ist bei dem Projekt der aktuelle Stand der Dinge?
MAIREDER: Wir stimmen uns gerade mit der SPÖ ab. Erste Pläne gibt es bereits. Der Startschuss soll 2017 fallen.

Was werden die größten Brocken in Sachen grüner Bezirkspolitik?
MAIREDER: Es warten viele Herausforderungen. Die sehe ich jedoch als Chance. Und ich will die rot-grüne Zusammenarbeit als Vorzeigeprojekt für andere Bezirke weiterführen.
KOVACS: Im Bundespräsidentschaftswahlkampf hat man gesehen, dass das auch über Rot und Grün hinausgeht. Mit den NEOS etwa gibt es einige inhaltliche Parallelen.

Gar Rot-Grün-Pink als Option?
KOVACS: Ich würde mich über jeden konstruktiven pinken Tupfer freuen.

Welche Projekte werden von den Ottakringer Grünen als nächstes angepackt?
MAIREDER: Der Umbau von der Ottakringer zur Neulerchenfelder Straße samt Yppenplatz und Johann-Nepomuk-Berger-Platz.

Ihre drei Ziele für Ottakring in den nächsten fünf Jahren?
MAIREDER: Ein neues Yppenplatz-Grätzel, mit dem alle zufrieden sind. Ottakring soll weiterhin ein Vorzeigebezirk in Sachen Integration bleiben. Und bei der nächsten Wahl das grüne Ergebnis weiter zu stärken.

Hintergrund: Zu den Personen

Joachim Kovacs (31) war fünfeinhalb Jahre lang Chef der Ottakringer Grünen. Seit November ist er Grünen-Landessprecher. Er legt sein Amt im Bezirk zurück.

Kerstin Maireder (34) steigt bei den Grünen als Bezirksrätin und Obfrau ein. Bislang hatte die gebürtige Vorarlbergerin und zweifache Mutter noch keinen Sitz im Bezirksparlament.
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