18.05.2016, 10:44 Uhr

Penzinger Bezirkschefin Andrea Kalchbrenner im Kreuzverhör: "Wir brauchen einen Platz für Feste"

Ihr Blechspielzeug ist das Heiligtum in Andrea Kalchbrenners neuem Büro. (Foto: Markus Spitzauer)

Die Bezirksvorsteherin Andrea Kalchbrenner (SPÖ) über die Sehnsucht nach einem Platz, Öffis und Bürgerbeteiligung.

PENZING. Seit 16 Jahren lenkt Andrea Kalchbrenner die Geschicke des 14. Bezirks – ihr Büro hat sie aber erst seit ein paar Monaten hier. Davor lag die Bezirksvorstehung im benachbarten Hietzing. Jetzt ist man (endlich) in die Hütteldorfer Straße 188 übersiedelt. Nun arbeitet Kalchbrenner in ihrem neuen Büro zwischen ihrer Blechspielzeug-Sammlung, einem Rapid-Spaten und einer Spielecke mit einem Schaukelpferd und Kinderbüchern. „Oft kommen Mütter mit ihren Anliegen zu mir. Da ist es gut, wenn die Kinder beschäftigt sind, während wir reden.“ Und reden, das tut Kalchbrenner gerne ...

U4-Sperre, kaum noch Fernverkehr am Bahnhof Hütteldorf: Ihr Bezirk hat es in Sachen Öffi-Verkehr nicht leicht. Bemerken Sie Unmut bei den Bürgern?
ANDREA KALCHBRENNER: Nein – was mich persönlich auch sehr überrascht hat. Wir haben aber auch zwei Jahre lang mit den Wiener Linien daran gearbeitet, dass die Information an die Bürger so gut funktioniert. Natürlich ist die Sperre ein Nachteil für alle, die die U4 nützen. Zugleich sind ebendiese Menschen jetzt auch froh, dass die U4 saniert wird.

Und der Fernverkehr?
Dass weniger Züge in Hütteldorf halten, tut mir leid. Andererseits bin ich auch Bezirksvorsteherin von Hadersdorf-Weidlingau und die Menschen dort sind superglücklich, dass der Lainzer Tunnel gebaut wurde und sie jetzt nicht mehr unter dem Bahnverkehr leiden. Womit wir nicht zufrieden sind, sind die langen Intervalle der S-Bahn.

Was wünschen Sie sich?
Ich hätte gerne in den Morgenstunden einen 15-Minuten-Takt – und zwar auf allen drei betroffenen S-Bahn-Linien. Wir werden nicht aufhören, das zu fordern.

Auch die Bewohner der Siedlung Kordon fordern eine 
bessere Anbindung.
Wir unterstützen die Initiative am Kordon voll und ganz. Wir haben uns mit ihr gemeinsam – jetzt bin ich arrogant – intensiv dafür eingesetzt, dass der Bus nach Ottakring fährt. Bis jetzt bekommen wir von den Wiener Linien immer zurück, dass die Auslastung zu gering sei. Natürlich muss die andere Seite des Tisches auch so rechnen.

Wien wächst. Gleichzeitig wird das Wohnen immer teurer.
Einerseits versuche ich, zu erreichen, dass größere Bauvorhaben auch immer gefördertes Wohnen beinhalten. Das wird uns bei den Elin-Gründen gelingen, auch beim Otto-Wagner-Spital. Ich habe natürlich auch im Stadtratbüro Ludwig angegeben, dass wir gerne einen neuen Gemeindebau hätten. Wir haben derzeit aber noch ein anderes Problem auf dem Wohnungsmarkt: Ich beobachte den Trend, dass kleinere Immobilienfirmen Leute besuchen und sie fragen, ob sie nicht ihr Haus verkaufen wollen. So kaufen sie innerhalb von vielen Jahren mehrere Häuser, legen die Grundstücke zusammen und dann bauen sie 30 Eigentumswohnungen hin.

Sie wirken nicht sehr glücklich.
Ja, weil sich das nur Menschen leisten können, die das nötige Einkommen dazu haben.

Es wurden zwei Kasernen teilweise verkauft. Was erwartet das Grätzel Breitensee?
Der Käufer kommt dem Bezirk sehr entgegen. Es wird auf jeden Fall öffentliche Wege und Freiflächen geben. Ich finde es toll, dass die Bürger bei dem Projekt von Anfang an informiert werden.

Es stellt sich die Frage, was das für den Verkehr bedeutet…
Die Bauträger werden ein Verkehrskonzept vorlegen. Wir haben als SPÖ einen Antrag eingebracht, ob man nicht den Park bei der S-Bahn-Station Breitensee zu einem Platz machen könnte. Ein solcher fehlt uns nämlich im Bezirk. Wir sind ein echtes Straßendorf. Wenn ich will, dass eine Blasmusikkapelle spielt, muss ich eine ganze Straße sperren.

Woher rührt dieses Urbedürfnis, einen Platz zu haben?
Ein Platz hat etwas Verbindendes. In anderen Bezirken gibt es dort hunderte Aktivitäten, vom Wochenmarkt bis zum Fest. Ich interessiere mich für Pantomime und kenne mehrere Künstler, die gerne in Penzing auftreten würden. Ich weiß nur nie, wo.

Sie sind selbst Pantomimin?
Ja. Ich habe im Alter von 18 Jahren bei Samy Molcho die Ausbildung dazu gemacht. Das hat mich einfach interessiert.

Rund um die Penzinger Straße läuft ein Bürgerbeteiligungsverfahren. Wie sieht es da aus?

Da erwarten wir noch vor dem Sommer die erste Zusammenfassung. Das wird ein schwieriger Spagat. Die Wünsche reichen von absoluter Verkehrsberuhigung bis hin zu „Lassen wir es so, wie es ist!“. Das Schwierigste an der Bürgerbeteiligung ist, dass auch die Bürger erst lernen müssen, dass es dabei demokratisch zugeht. Das heißt: Wenn es eine Mehrheit für einen Vorschlag gibt, müssen sich die anderen damit abfinden.

Treten Bürger heute heftiger für eigene Wünsche ein?
Ja. Meine Vorvorgänger haben nicht einmal gewusst, was eine Bürgerinitiative ist. Als ich Bezirksvorsteherin geworden bin, ist das salonfähig geworden. Ich halte das für positiv. Am besten ist es aber, wenn es der Politik gelingt, die Menschen einzubinden, bevor die Fronten verhärtet sind und sich Bürgerinitiativen mit Einzelinteressen bilden. Ich überlege, ob wir als Bezirksvertretung nicht regelmäßig Info-Veranstaltungen machen sollen, um ständig in Kontakt zu sein.



Thema Bildung: Der 14. Bezirk ist für junge Familien sehr attraktiv. Wo muss jetzt für die Kinder investiert werden?
Der Bezirk selbst investiert in Schulsanierungen. Wir machen weiter unser Sanierungsprogramm, und das sage ich mit Stolz, dass wir ein Vorzeigebezirk sind. Ich bin froh, dass hier eine einstimmige Linie aller Parteien ist. Wir brauchen auch die Schulplätze und haben ja vor wenigen Tagen den Spatenstich für die AHS Wien West in der Steinbruchstraße gehabt. Wir sind auf der Liste für einen Campus, überlegt wird im Westen von Wien einen zu bauen.

Wo ist Platz für einen Campus?
In der Deutschordenstraße. Hinter dem Stadion gibt es eine mögliche Fläche. Es wurde auch schon ein Projekt vorgestellt, jetzt muss sich die Stadt noch mit den ÖBB auf den Grundstückspreis einigen. Heuer wird er auf keinen Fall errichtet.

Gibt es etwas Aktuelles zum Otto-Wagner-Spital?
Leider nein, weil alles im Rathaus liegt. Es hat eine Bauverhandlung gegeben, es gibt aber noch keinen Baubescheid. Es wird aber weniger gebaut, als ursprünglich geplant war. Wir haben als Bezirk in der letzten Bezirksvertretungssitzung einen Vierparteienantrag geschrieben, wo wir nochmals das Weltkulturerbe unterstützen. Da bin ich anderer Meinung als die Stadt. Ich weiß schon, dass jetzt der größtmögliche Schutz ist und ich glaube auch tatsächlich, dass das Weltkulturerbe den derzeitige Schutz nicht bieten würde. Umso mehr denke ich mir, warum dann nicht? Das Nutzungskonzept sollte im Herbst präsentiert werden.

Dauert Ihnen das alles zu lange?
Nein. Die Absiedelung ist erst in den 2020er Jahren. Den Unmut über das Rehab-Zentrum habe ich nicht verstanden habe, ich halte den Standort für gut.

Zur Person:

Andrea Kalchbrenner (56) ist seit 2001 Penzinger Bezirksvorsteherin. Die gebürtige Wiener Neustädterin ist gelernte Einzelhandelskauffrau und seit den 1970ern politisch aktiv.

In den kommenden Wochen interviewen wir alle 23 Bezirksvorsteher. Die bereits bestehenden Interviews finden Sie auf www.meinbezirk.at/bz-interview
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