27.04.2016, 20:00 Uhr

Alfreds exotische Freunde

Königspythons leben in Ghana.

Alfred Wabro aus Luftenberg hat besondere Hausgenossen. Sie stammen aus Afrika, Australien und Neuguinea und sind definitiv keine Kuscheltiere.

LUFTENBERG AN DER DONAU. Alles begann vor zehn Jahren mit Paula, die Thomas, der Sohn des 56jährigen eines Tages mitbrachte. Keine treue Hündin, keine schnurrende Katze - es war ein Königspython, der da am Arm seines Juniors züngelte und dessen Vater sofort faszinierte. "Schlangen haben mich seit meiner Jugend begistert. Ich habe Paula später von Thomas übernommen, bin über einige Bekannte und durch den Besuch von Reptilienmessen so richtig eingestiegen und habe angefangen, Pythons zu züchten." Zu seiner Erleichterung teilt seine Familie sein Faible für das ungewöhnliche Hobby. Nicht selbstverständlich, ist doch die menschliche Urangst vor Schlangen weithin tief verwurzelt.

Know-How und Platz unverzichtbar

Eines war dem sympathischen Luftenberger, der im Zivilberuf Postbediensteter ist, von Anfang an klar: Er will seine Lieblinge professionell und mit Respekt betreuen. "Einen Exoten ohne Hintergrundwissen einfach so in der Wohnung zu halten, weil es gerade Mode ist, ist schlichtweg Tierquälerei. Man muss sich bewusst sein, dass diese Tiere 15 bis 20 Jahre alt werden. Dass sie wachsen und große Terrarien mit entsprechendem Klima brauchen. Und dass sie Mäuse und Ratten fressen. Schlangen erfordern Erfahrung, Wissen und Engagement. Ich habe intensiv in Büchern und im Internet recherchiert, war bei unzähligen Reptilienmessen und tausche mich mit anderen Züchtern aus. Ein Haustier, das wie eine Katze so nebenbei mitläuft, ist ein Python sicher nicht"
Im Obergeschoß seines Hauses hat Alfred Wabro einen Terrarienraum für seine derzeit sechs Schlangen eingerichtet. Königspythons aus Ghana in Afrika, ein Teppichpython aus Australien und Baumpythons aus Neuguinea ringeln sich dekorativ an Ästen oder dösen in einer Ecke vor sich hin. Es ist schwülwarm im Raum. "Bei 28 bis 30 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit fühlen sie sich wohl. Nachts sollte es etwa 25 Grad haben. Das ist in der Stromrechnung für die Heizung dann schon deutlich merkbar. Für die Luftfeuchtigkeit sorgt ein regelmäßiger feiner Sprühnebel in den Terrarien. Außerdem baden Pythons auch gerne - eine Wasserstelle sollte also ebenfalls vorhanden sein", erklärt der stolze Besitzer der bis knapp zwei Meter langen, grazilen Schönheiten.
Nein, hässlich ist der Königspython, den er gerade fürs Foto aus dem Terrarium gehoben hat, definitiv nicht. Glänzende, schön gemusterte Haut, elegante Bewegungen - weit weg von glitschig und ekelig. Alle paar Monate häuten sich die Schlangen und erneuern so ihr Aussehen. Hätten wir Menschen dieses Talent auch - es wäre wohl der Tod für die Kosmetikindustrie.

Pythons sind keine Kuscheltiere

Kuscheln und knuddeln wie mit einem pelzigen Hausgenossen ist bei Pythons allerdings nicht angesagt. Schlangen seien eben Beobachtungstiere. Aber das gelte für Aquarienfische ja auch, meint der Luftenberger. "Man muss Respekt vor dem Tier haben und ihm seine Ruhe lassen. Für Schlangen bedeuten dauerndes Herumheben und hektische Bewegungen Stress. Das macht sie krank."
Seine Schützlinge gehören zu den kleineren Riesenschlangenarten. Bis zu acht, neun Meter lange Giganten wie Felsenpythons oder asiatische Tigerpythons senen definitiv zwei Nummern zu groß für Privathaltung und in einem Zoo besser aufgehoben. Würgeschlangen, zu denen Pythons gehören, sind als Haustiere meldepflichtig. Anders als Giftschlangen müssen ihre Besitzer aber keine Spezialausbildung für die Haltung nachweisen. Am Speiseplan der Schlangen steht eine große Maus oder eine Ratte alle zwei Wochen, ansonsten sind sie bei guten Umgebungsbedingungen relativ anspruchslos. Das Züchten hat Alfred Wabro mittlerweile wieder aufgegeben. Große Geschäfte wollte er mit seinen Lieblingen ohnehin nicht machen, die Erlöse deckten gerade die Kosten. "Es gibt auf den Reptilienmessen wie der "Exotica" in St. Pölten die tollsten Züchtungen mit wunderschönen Farben und Mustern zu sehen. Das hat schon seinen Reiz. Andererseits legen Pythons je nach Art zwischen fünf und 25 Eier. Wo wirst du dann so schnell zwei Dutzend junge Riesenschlangen los?"

Seine Erfahrungen teilt der Luftenberger übrigens auf seiner Homepage www.snake-zone.com. Dort gibt es auch Fotos all seiner Schlangen zu sehen.
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