20.05.2016, 18:25 Uhr

Mauthausen - Internationale Gedenkfeier 15. Mai 2016

Wenn es bitter kalt und möglich war, bildeten die Häftlinge einen sogenannten „Ofen“
Mauthausen: Gedenkstätte Mauthausen | „wenn sie mal wieder frieren …“

20 Jugendliche mit lila Halstüchern erinnerten an die etwa 450 im KZ Mauthausen inhaftierten Zeugen Jehovas während der NS-Zeit. Sie wurden verfolgt, weil sie sich aus Glaubensgründen weigerten das System zu unterstützen. Als sie in die KZs des Regimes kamen, erhielten sie als Kennzeichen einen lila Winkel.

Aber nicht nur der Winkel gab den Jugendlichen einen Einblick in die Geschichte, sondern auch das Wetter. Es war teils sonnig, sehr kühl, brachte Graupelschauer und es regnete zeitweise. Die Jugendlichen froren, weil sie sich nicht warm genug angezogen hatten und manche in frühsommerlicher Kleidung und Sommerschuhen zur Gedenkfeier erschienen waren.

Das nahm Irene Hubmann - Referentin vom Verein Lila Winkel bei Zeitzeugengesprächen - zum Anlass, den Jugendlichen von damals zu erzählen und ließ sie sich in die Zeit versetzen, als die Häftlinge hier waren und keine Möglichkeit hatten, sich etwas Warmes anzuziehen. Diese mussten, lediglich bekleidet mit ihrem Häftlingsanzug, täglich zum Appell erscheinen und zur Arbeit gehen – egal, ob es regnete, schneite oder die Sonne herunterbrannte. Die drei kältesten Winter des vergangenen Jahrhunderts waren ausgerechnet in den Kriegsjahren - Temperaturen bis zu minus 30 Grad waren keine Seltenheit.

Wenn es möglich war, bildeten die Häftlinge einen sogenannten „Ofen“ (siehe Zeichnung) um sich gegenseitig zu wärmen. War es jenen, die innen standen, einigermaßen warm, traten sie nach außen, damit sich andere wärmen konnten. Natürlich gab keiner gerne seinen inneren Platz auf. Manchmal regnete es fast ohne Unterbrechung und Häftlinge berichteten, dass sie bis zu den Knien im Wasser standen. Da Baracken selten geheizt wurden trocknete der Häftlingsanzug bis zum Morgen gar nicht. Und im Winter war die Kleidung oft steif gefroren. Die Häftlinge waren völlig entkräftet und der Willkür von brutalen Kapos ausgesetzt, die sie bei jedem Wetter unter Schlägen bis zum Zusammenbrechen zur Weiterarbeit antrieben.

Viele der anwesenden Jugendlichen fragten sich „Wie konnte man das aushalten?“. Sie selbst haben trotz des schlechten Wetters ausgeharrt und sicher haben sie einige Eindrücke mitgenommen und werden sich daran erinnern – vor allem dann, wenn sie mal wieder frieren …

Fotos: Verein Lila Winkel
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