13.09.2016, 13:45 Uhr

"Bevorratung ist kein Luxus"

Arthur Vorderbrunner und seine Familie machen seit einem Jahr einen Selbstversuch: Leben aus der Vorratskammer.

Zivilschutzverbände raten, für den Katastrophenfall Vorräte anzulegen. Panikmache oder berechtigte Vorsorge?

PIELACHTAL (ah). Die Ausbaupläne für das AKW Dukovany nahe der Grenze (siehe Story rechts) zeigen: Eine Katastrophe wie ein Reaktorunfall ist keine abstrakte Utopie. Doch wie gut ist unser Land auf den Ernstfall vorbereitet? Wie gut wird der Rat des Zivilschutzverbandes zum Schaffen eines Vorrates schon befolgt? Wir haben uns in den Kellern im Bezirk umgesehen und besuchten exklusiv einen Vorratskeller in Frankenfels.

Empfehlung vom Verband
Auch in Niederösterreich empfiehlt der Zivilschutzverband das Schaffen eines Vorrates. Unter dem Motto "Sicher ist sicher" wurde eine Einkaufsliste, die vor allem drei Grundstoffe enthält, entwickelt. "60 Prozent Kohlenhydrate, 12 Prozent Eiweiß, der Rest sind Fette. Der Haushaltsvorrat sollte daher Grundnahrungsmittel und andere leicht lagerbare sowie gut haltbare Lebensmittel für zwei Wochen enthalten."

"Das Wissen fehlt oft"
Arthur Vorderbrunner ist seit der letzten Wahl Zivilschutzbeauftragter in der knapp 2000-Seelen-Gemeinde Frankenfels. Er steht der Empfehlung des Verbandes sehr positiv gegenüber: "Grundsätzlich ist es so, dass das Thema überhaupt kein neues ist. Es ist aber in der Hinsicht brisant geworden, da sich die Strukturen verändert haben. Früher haben die meisten Hauhalte viel mehr Lebensmittel daheim gehabt." Laut Vorderbrunner liegen die Menschen am Land im Gegensatz zu der Stadtbevölkerung klar im Vorteil. "Ich denke, dass die Leute in ländlichen Gegenden im Falle einer Krise heute noch 14 Tage locker überleben könnten." Im Katastrophenfall sehe der Zivilschutzbeauftragte aus Frankenfels die Städter viel mehr in Gefahr. "Hier fehlt auch oft das Wissen. Man sollte sich grundsätzliche Fragen, wie: Habe ich etwas zu essen daheim, wenn der Strom ausfällt? Welche haltbaren Lebensmittel stehen bei mir im Schrank?, stellen." Vorderbrunner resümiert: "Die Bevorratung ist sicher etwas ganz Zweckmäßiges, keine Panikmache, sondern im Falle einer Katastrophe eine logische Konsequenz."

Erfahrungen im Selbstversuch
Neben den Schulungen im Bereich des Zivilschutzes sammelt Vorderbrunner auch im praktischen Bereich seit einem Jahr Erfahrungen. "Ich mache momentan einen Selbstversuch. Ich und meine Familie haben einen Lebensmittelvorrat im Keller angelegt, der mittels einer Liste genau dokumentiert wird." Akribisch werden dort die Entnahmen verzeichnet und nach einer gewissen Zeit wird das Lager wieder aufgefüllt. Hier ziehen alle an einem Strang: "Egal ob meine Frau, meine Kinder oder ich - wir führen die Liste ganz genau." Neben dem privaten Versuch setzt sich der Frankenfelser ebenso bei der heimischen Feuerwehr ein, wo er aktives Mitglied ist: "Auf meine Initiative hin haben wir in Frankenfels etwas ganz Besonderes. Wir haben ein Katastrophenschutzlager aufgebaut. Eine Halle mit vielen technischen Gerätschaften, die der Bevölkerung im Falle einer Krise zu Seite stehen. Dieses Lager bauen wir immer mehr aus."
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