11.04.2016, 13:43 Uhr

"Druck der Eltern nimmt zu"

Immer besser und immer schneller als die anderen zu sein – übertreiben es manche Eltern mit ihrem Ehrgeiz? (Foto: Archiv/Symbolfoto)

Leistungsdruck in der Schule, zu Hause und im Sport – ziehen wir eine leistungsorientierte Generation groß?

PIELACHTAL (ah). Weinende Kinder werden von ihren übermotivierten Eltern an den Armen zur Ziellinie des Linz-Marathons geschliffen. Das Foto eines Fotografen ist durch die Medien gegangen, auch im Pielachtal stößt es auf Kritik.

Alles, was Spaß macht
Im Gespräch mit den Bezirksblättern gibt Physiotherapeut Kurt Lapiere, der in Hofstetten eine Praxis führt, bekannt: "Natürlich ist dieses Foto ein gefundenes Fressen für die Medien, aber das Phänomen von Linz ist ein ergebnisorientierter Wettkampf der Eltern – und nicht der Kinder."
Auf die Frage: "Ab wann ist Bewegung für Kinder gut?", weiß Lapiere eine ganz simple Antwort: "Kinder haben den natürlichen Drang zur Bewegung, und wenn sie den verspüren, dann soll man sie lassen und auf gar keinen Fall einengen." Laut Lapiere ist der Fall von Linz nicht nur beim Laufen zu beobachten. "Wir sehen das beim Laufen, aber auch beim Fußball oder Basketball." Der Tipp vom Profi: "Kinder sollen sich bewegen. Alles, was Spaß macht, ist erlaubt."

"Kind sein dürfen"
Eine empörte Pielachtalerin, Christina M. (Name von der Redaktion geändert), hat sich bei der Redaktion gemeldet: "Natürlich ist das Bild sehr plakativ, aber genau so tickt unsere Gesellschaft heute. Die übermotivierten Eltern ziehen eine leistungs- und ergebnisorientierte Generation groß."
Eine Pielachtalerin, die tagtäglich mit Kindern zu tun hat, ist die Hofstettner Tagesmutter Christine Enne. Bei der Recherche im Internet stößt die Redaktion auf Ennes Leitsätze: "Kind sein dürfen und viel Freiraum geben, aber trotzdem Grenzen setzen." Auf die Frage hin, ob Enne eine leistungsorientierte Generation beobachten kann, antwortet sie: "Ja, der Leistungsdruck nimmt auf alle Fälle zu, vor allem bei den Eltern. Alles muss immer perfekt sein und die Kinder müssen immer mehr und mehr #+können."
Den Alltag mit ihren Tageskindern entschleunigt Enne: "Nach dem Essen dürfen sich die Kinder frei austoben. Meist gehen sie in den Garten spielen, manche wollen auch gleich ihre Hausübungen machen – ich lasse ihnen das frei." Auch beim Spielen achtet Enne darauf, dass das Muss nicht im Mittelpunkt steht. "Vielleicht bin ich da eine Ausnahme", aber sie sagt lachend: "Bei mir gibt es keine Zwänge."
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