01.08.2016, 13:31 Uhr

"Ein Kurs zahlt sich immer aus"

(Foto: Archiv)

Schrecken aller Eltern: Kurze Unaufmerksamkeit und plötzlich passiert ein Badeunfall. Ein Experte im Interview.

PIELACHTAL (ah). Der Ober-Grafendorfer Wolfgang Brückler blickt auf eine jahrelange Erfahrung beim Roten Kreuz zurück. Er gibt Eltern und Wasserratten wichtige Tipps.

BEZIRKSBLÄTTER: Wie kann man Badeunfälle bei Kleinkindern verhindern?
WOLFGANG BRÜCKLER: "Kinder niemals alleine und unbeaufsichtigt am Gewässer oder Pool lassen! Kindern geeignete und vor allem passende Schwimmhilfen anlegen. Spielerisch mit Kindern im Wasser umgehen, denn Schwimmenlernen unter Zwang fördert Angst und Ablehnung."

Tipps bei der Gestaltung einer Badestelle!
"Einstiegsstellen planen und gestalten, eventuell ein Geländer bei der Einstiegsstelle anbringen. Dusche zum Abkühlen installieren, möglichst rutschige Böden vermeiden, für schattige Plätze sorgen. Auch die extremsten Sonnenanbeter brauchen einmal Schatten und Kinder sowieso."

Was sind die Erste-Hilfe-Schritte bei einem Badeunfall?
"Die Frage ist nicht pauschal zu beantworten, da es verschiedenste Szenarien gibt. Auf jeden Fall sofort den Rettungsnotruf 144 anrufen und den Verunfallten möglichst rasch aus dem Gewässer holen. Hat der Verunfallte zB einen Hitzeschlag, ist Schatten aufzusuchen und man legt kühle feuchte Tücher ins Gesicht/Nacken. Trinken lassen, am besten Wasser (kein Alkohol). Im Falle von Bewusstlosigkeit (nicht ansprechbar, aber Atmung) den Patienten in die stabile Seitenlage bringen, dabei ist immer die Atmung zu kontrollieren. Sollte der Patient keine Atmung haben, ist mit Wiederbelebungs-Maßnahmen zu beginnen. Der Helfer wird am Telefon nie alleine gelassen und von den Mitarbeitern der Leitstelle (144 Notruf NÖ) angeleitet, bis die Rettungskräfte eintreffen. Keinesfalls sollte der Patient allein gelassen werden."

Nicht nur Kinder sind betroffen, auch Jugendliche und Erwachsene müssen immer wieder aus dem Wasser gerettet werden. Was können die Gründe sein und worauf sollte man achten?
"Oft ist Selbstüberschätzung die Ursache. Bei Untrainierten, die sich zu viel zumuten, sind Krämpfe und massive Erschöpfung vorprogrammiert. Vor dem Reinspringen ins kühle Nass ist der erhitzte Körper auf 'Betriebs-temperatur' zu bringen – also vorher abduschen, sonst kann der Kreislauf kollabieren. Nie in unbekannte Gewässer springen, eventuell ist die Stelle doch nicht so tief, wie sie aussieht."

Häufen sich Ihrer Meinung nach die Badeunfälle in letzter Zeit?
"Naturgemäß ist die Zahl der Badeunfälle in den Sommermonaten höher.
Einen erkennbaren Unterschied zu anderen Jahren sehen wir im Durchschnitt nicht."

Was ist Ihnen besonders wichtig noch anzumerken?
"Ein Erste-Hilfe-Kurs zahlt sich auf jeden Fall aus. Das Rote Kreuz bietet laufend diese Kurse an. Unter www.erstehilfe.at findet man den passenden Kurs in der Nähe.
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