20.07.2016, 00:09 Uhr

"Die Kirche war ein Stall"

UNKEN. Pfarrer Ernst Mühlbacher kocht leidenschaftlich gern. Und auch ziemlich gut, wie er seine Kochkünste selber einschätzt. Während er Zwiebeln für sein Abendessen schneidet (es gibt Cevapcici) sinniert er über sein Priesterjubiläum. Am Wochenende wurden seine 40 Jahre im Einsatz für die Kirche gefeiert. Da gab es "Höhen und Tiefen wie in jedem Eheleben auch", schmunzelt Mühlbacher.

Harte Einsätze

Der Spätberufene, der erst eine Lehre als kaufmännischer Angestellter absolvierte, bevor er die Matura nachholte und Theologie studierte, ist dankbar dafür, dass er sein Hobby zum Beruf machen konnte. Auch wenn dieser Beruf oft harte Seiten hat. Unken trauert derzeit um einen jungen Mann, der bei einem Paragleitunfall ums Leben kam. "So ein Unglück geht mir sehr, sehr nahe", schildert Mühlbacher. "Es ist schlimm, wenn die jungen Leute in der ersten Reihe weinen, und du musst vorne der Stärkste sein". Er holt sich Kraft aus der Bibel. "Dem Verstorbenen geht es gut, davon bin ich überzeugt, aber die Angehörigen brauchen Trost".

Priester als Baumeister

Ein Pfarrer ist aber nicht nur Seelsorger, sondern vor allem auch Baumeister, berichtet der Ernst, wie er am liebsten genannt wird, aus seiner langjährigen Erfahrung. Seine erste Baumaßnahme betraf die Sanierung der Kirche in Itta, wo er als junger Pfarrprovisor Schäden durch das Erdbeben in Friaul beheben lassen musste. An seiner ersten Stelle in Hopfgarten stand eine Renovierung an und später in Niedernsill ebenso. "Die Kirche in Niedernsill war eigentlich ein Stall", erinnert er sich mit Schrecken, aber: "Im Laufe der Jahre wurde sie wunderschön hergerichtet." Seit 2001 betreut er nun die Pfarre in Unken, wo die Renovierung der Kirche gerade abgeschlossen wurde. Es fehlt nur noch ein neuer Dachstuhl für den Turm. Um Spenden dafür zu sammeln, geht der Pfarrer auch selber Anklöckeln, denn Singen und Musizieren ist ebenfalls eine Gabe, die ihm der liebe Gott geschenkt hat.

Lord's-Sänger

Bereits im Priesterseminar hat er einen Chor geleitet, und im Unteren Saalachtal hat er den Chor der "Lord Singers" gegründet. "Dafür nehme ich mir Zeit und auf unsere gute Gemeinschaft bin ich stolz", erklärt er. Einzige Schwierigkeit: Er kann nicht gleichzeitig dirigieren und die Messe halten, daher ist der Chor in Unken bisher noch nicht aufgetreten.

Aus- und Einblicke

Was dem Jubilar Sorge bereitet, ist der Schwund der Kirchenbesucher, das war er in Unken bisher nicht gewohnt. "Das Thema beschäftigt mich persönlich, ich frage mich, warum die Leute nicht mehr kommen und was ich falsch mache." Der Glaube habe keine Strahlkraft mehr, es gäbe ein Überangebot an spirituellen Möglichkeiten. "Für die neuen Gurus zahlen die Leute gern, aber den Kirchenbeitrag wollen sie nicht leisten. Wir können für die Kirche ja nicht Werbung machen wie für ein Möbelhaus, das wäre zu billig". Er habe aber nie bereut, Priester geworden zu sein. "Ich war seit meiner Kindheit mit der Kirche verbunden und bin dankbar für mein Leben als Priester".
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