13.06.2016, 16:59 Uhr

Kann "Verluderung" gestoppt werden?

LH-Stv. Astrid Rössler

Hässlichkeit ist relativ und liegt im Auge des Betrachters. Der Schwund an Boden ist aber unübersehbar.

SAALFELDEN. Eine Weile hatte Lois Hechenblaickner der Diskussion zum Thema Bodenpolitik gelassen zugehört, aber dann brach es aus dem für seine kritischen Bilder bekannten Fotografen heraus: "Immer dieser Scheinkatholizismus, schaut euch doch um, z. B. in Saalbach, dort sieht es aus wie im Wilden Westen. Da sind die Spekulationsbuam aktiv," wetterte der Tiroler am Podium der HTL Saalfelden, bei der Diskussion zum Thema „Raumordnung – Bodenpolitik - Ortskernbelebung und Verantwortung der Architektur“. Sie erfolgte auf Initiative der Pinzgauer Architekten, die neben Hechenblaickner auch Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Rössler, Landtagsabgeordneter Hans Scharfetter, Gemeindeverbandspräsident Günther Mitterer, Bürgermeister a. D. Michael Pelzer und Architekt Heinz Plöderl eingeladen hatten.

Kein Gesinnungswechsel

Bürgermeister meldeten sich zu Wort, die die Situation nicht so schlimm finden. Günther Mitterer, Bürgermeister in St. Johann/Pongau ging die Debatte zu weit, er befand es werde alles zu negativ dargestellt. "Derzeit herrscht ein Stillstand, wenn wir so weiter machen, sind wir bald ein Freilichtmuseum." Alois Gadenstätter, Bürgermeister von Maria Alm, äußerte die Ansicht, dass es auch andere Beispiele gibt. Er forderte mehr Flexibilität bei vorhandener Infrastruktur zur Erweiterung von Siedlungen, das sei in der Praxis notwendig. Ein Zwischenrufer aus dem Publikum ermahnte ihn: "Wir reden hier über einen Gesinnungswechsel. Bitte beantragen Sie jetzt keinen Persilschein bei der Landeshauptmann-Stellvertreterin."

Grund sparen

Astrid Rössler (Grüne) verteidigte ihr Konzept des sparsamen Umgangs mit Grund und Boden. "Es kann Ausnahmen geben, aber nur in absoluten Einzelfällen und nicht in jeder Gemeinde fünf Mal. Wir brauchen eine restriktive Haltung." LAbg. Hans Scharfetter (ÖVP) stimmte ihr zu, äußerte jedoch Sorgen zur Entwicklung im ländlichen Raum. Wie das funktionieren kann, schilderte der ehemalige Bürgermeister aus Weyarn in Bayern. Er hat in seinem Heimatort ein revolutionäres System aufgebaut, das sich seit 25 Jahren gut bewährt. "Spekulation ist unerwünscht, ja sogar geächtet", erklärte Michael Pelzer. Ein Grundstück wird erst als Bauland gewidmet, wenn es sich im Eigentum der Gemeinde befindet. Zwei Drittel der Fläche werden von der Gemeinde zum doppelten landwirtschaftlichen Grundstückspreis gekauft. Ein Drittel kann der private Eigentümer frei verkaufen. Die Gemeinde verpachtet die Grundstücke dann an interessierte Einwohner für bis zu 149 Jahre.

Konsequent sparen

Die von Hechenblaickner kritisierten "alpinen Karzinome" gibt es dort daher nicht. Raumordnungsreferentin Astrid Rössler ist entschlossen, die von dem Fotograf auf seinen Bildern festgehaltene und von ihm so definierte "Verluderung der Tourismuslandschaft" zu bekämpfen. In der Novelle zum Raumordnungsgesetz (siehe Kasten) will sie konsequent gegensteuern. "Schiache Großparkplätze ohne Bepflanzungen darf es nicht mehr geben, das muss sich ändern. Das könnten die Bürgermeister ohne Weiteres vorschreiben". Die Parkflächen für Supermärkte sollen künftig in einer Tiefgarage vorgesehen werden.
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