05.07.2016, 09:04 Uhr

Talk mit whatchado-Gründer Ali Mahlodji - Lebensgeschichten als Geschenk

Zum Talk-Auftakt wurde gejodelt: Der Gast aus Wien, Carmen Boschele (ÖVP Pinzgau) und Thomas Reitsamer. (Foto: Christa Nothdurfter)

Flüchtling und Schulabbrecher, Manager und Burnout-Opfer, Lehrer und Gründer von whatchado: Ali Mahlodji.

WIEN/ZELL AM SEE (cn). Die Aufzählung ist noch lange nicht komplett, aber zwei Fakten müssen einfach noch dazu: Ali Mahlodji ist EU-Jugendbotschafter auf Lebenszeit und neben anderen Auszeichnungen auch Träger des Österreichischen Staatspreises für Bildung und Wissen.


Als Jugendlicher gestottert und die Schule vor der Matura abgebrochen

Der Wiener mit iranischen Wurzeln - seine Eltern standen dort auf einer sogenannten Todesliste - kam mit zwei Jahren nach Österreich. Weil er als Kind stotterte und mit der Schule ziemlich im Clinch lag, brach er aus Angst ein halbes Jahr vor der Matura die Schule ab.

Ein Referat in der Landesberufsschule, ein Talk in der Wirtschaftskammer

Vergangene Woche weilte der 35-Jährige nun in Zell am See, um auf Einladung von Landesberufsschul-Direktorin Salome Rattensberger im Rahmen der Abschlussfeier ein Referat vor den jungen Leuten und deren Eltern und Pädagogen zu halten. Am Abend zuvor stand noch ein Talk in der Wirtschaftskammer auf dem Programm, denn Obmann Nick Kraguljac und Vertreter der ÖVP nutzten die Gelegenheit, um den Gründer der weltweit erfolgreichen Internet-Plattform whatchado.com ebenfalls ins Haus zu bitten.

Die international erfolgreiche Plattform entstand aus einer Kindheitsidee

Aus einer Kindheitsidee heraus gründete Ali Mahlodji vor fünf Jahren - mittlerweile konnte er auf eine Karriere mit über 40 Jobs, einem nachgeholten Hochschulabschluss, einem Managerposten in den USA und einem daraus resultierenden Burnout sowie schließlich noch als Lehrer, der es als wichtige Aufgabe sah, sich in seine Schüler hineinversetzten zu können - gemeinsam mit Freunden eben diese Plattform. Hier erzählen Menschen aus der ganzen Welt in Form von Videos ihre Lebensgeschichten, wobei sie sich an sieben Fragen orientieren. "ich hatte als junger Mensch keine Ahnung, was ich werden sollte. Diese Geschichten bieten Jugendlichen Orientierung."

Finanziert wird die Plattform, die eigentlich als Hobby gestartet ist, von interessierten Firmen. Das Hauptfazit der Videos: 85 Prozent der Menschen gehen in ihrer Karriere keinen geraden Weg, das "Nomale" sind eigentlich die Umwege der Menschen.


Dazu ein Kommentar:

Kinder sind den Hoffnungen und Träumen ihrer Eltern ausgesetzt. Kinder sollen wissen: Es ist okay, wie ich bin. Die Kinder gehen schon ihren Weg, lineare Karrieren sind die Ausnahme und nicht die Regel. Eine sichere Welt, in der man seinen Job bis zur Pensionierung behält, existiert nicht mehr. Diese Sätze sind keine Bezirksblätter-Weisheiten, sondern sie stammen von Ali Mahlodji, der vergangene Woche in Zell am See referierte (Seiten 10/11). Gerade in der Woche, in der die Kinder und Jugendlichen ihre Zeugnisse erhalten und in der Zeit, in der sich Studenten womöglich dazu entschließen, demnächst etwas anderes tun zu wollen, können diese Sätze nicht schaden. Auf dass der eine oder andere Elternteil die Dinge vielleicht weniger dramatisch sieht und der Gelassenheit ein Heim bietet. Den Kindern zuliebe und auch sich selbst.
(Christa Nothdurfter)
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