12.05.2016, 14:39 Uhr

Sunnpau läutet die Häuerglocke

Hans-Werner Pelzmann läutet die Häuerglocke – es ist Zeit in die Grube einzufahren.

4.000 Jahre Bergbau können im Schaubergwerk St. Veit erlebt werden.

Um Punkt sieben Uhr, wie schon vor tausenden Jahren, läutet die Häuerglocke und das Mundloch – so heißt der Eingang in den Stollen – öffnet sich. Ein kalter Luftzug zieht die Besucher des Schaubergwerks Sunnpau in St. Veit in den Stollen. Zur zehnten öffentlich zugänglichen Saison des Bergwerks und anlässlich des Museums-Wochenendes (21.-22. Mai) ging das Bezirksblatt mit Kustos Hans-Werner Pelzmann untertage, um den Anfängen des Kupferbergbaus nachzugehen.

Vom Steinschlägel zum Schwarzpulver

"4.000 Jahre Bergbau können in Sunnpau erlebt werden. St. Veit ist dabei Zeuge der urzeitlichen Anfängen mit Steinschlägel, Holzkeil und Feuersetzung, des Erzabbaus mit Schlegel und Eisen sowie des Einsatzes von Schwarzpulver", erklärt Pelzmann. Geduckt geht es die ersten 57 Meter in den Stollen. Helm, dicke Jacke, festes Schuhwerk und Lampe sind wichtiges Equipment, denn es ist dunkel, 8 Grad kalt, feucht und stellenweise niedrig. "Helme gab es lange nicht. Die Männer, die schon ab 12 Jahren im Bergbau tätig waren, stopften sich ihre Kapuzen mit Tüchern aus, um sich zu schützen", weiß der Kustos. "Die Arbeit war ein Knochenjob, aber die Bergleute wurden gut bezahlt. Aus einer Tonne Kupfererz wurde nur 16 Kilogramm reiner Kupfer gewonnen und in acht Stunden Bergarbeit lediglich ein Zentimeter Stollenprofil abgebaut."

19 Bergwerke in St. Veit

Über Holzstufen gelangen wir in die "Halle" sie ist 30 Meter lang und 10 Meter hoch.
Wir sehen Kupfer Versinterungen (mineralische Ablagerung) in weiß, blau und grün sowie Stalaktiten, Malachit und Azurit. Während wir staunen, erzählt der Kustos weiter: "Die St. Veitner Bergbauern – es gab 19 Bergbaue allein in St. Veit – waren Zulieferbetriebe. Man benötigte das Kupfer als Zusatzprodukt für die Tauerngoldschmelze in Lend, zu der auch Gold aus dem Gasteinertal und Rauris gebracht wurde." Der Abbau im Sunnpau wurde im 17. Jahrhundert eingestellt.

Grab von 1100 v. Chr.

Am Ende der "Halle" sehen wir ein symbolisches "Grab". "Hier haben wir Menschenknochen und Grabbeigaben von 1100 v. Chr. gefunden sowie viele andere Relikte des Bergbaus", sagt Hans-Werner Pelzmann, der noch so manche Geschichte vom Kupferbergbau in St. Veit zu berichten weiß.
www.schaubergwerk-sunnpau.at
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