18.05.2016, 10:58 Uhr

Die Schlacht von Žatec ist geschlagen

Bestanden! Freude und Erleichterung nach 40 Stunden. Im Bild von links: Herbert Auer, Carolin Scheiter, Matthias Leinich, Sepp Bucher.

Die Lawinen- und Vermisstensuchhundestaffel Salzburg stellt beim internationalen IRO-Mannschaftstest in Žatec (CZ) ihre hohe Ausbildungsqualität unter Beweis.

Jährlich findet in Europa ein Mannschaftstest für Rettungshundeteams auf internationalem Niveau statt. In diesem Jahr war selbiger am letzten April-Wochenende im tschechischen Žatec. Unter der Schirmherrschaft der Internationale Rettungshunde Organisation, kurz IRO, organisierte die tschechische Rettungshunde-Organisation „SZBK ČR“ den diesjährigen Mannschaftstest. Aus dem Bundesland Salzburg stellte sich eine Einsatzorganisation dieser Überprüfung. Die Lawinen- und Vermisstensuchhundestaffel Salzburg entsandte ein vierköpfiges Team bestehend aus Herbert Auer aus Golling – mit seiner elfjährigen Border Collie Hündin Dakota, Carolin Scheiter aus St. Martin am Tennengebirge – mit ihrer neunjährigen Flat Coated Retriever Hündin Luca, Sepp Bucher aus St. Martin am Tennengebirge – mit seiner dreijährigen Golden Retriever Hündin Chili und Matthias Leinich aus Werfenweng als Mannschaftsführer nach Tschechien. Insgesamt nahmen 22 Teams aus neun verschiedenen Ländern (Finnland, Tschechien, Slowenien, Deutschland, Österreich, Ungarn, Kroatien, Slowakei und Italien) an dieser Veranstaltung teil.

Theorie und Praxis

Die Aufgabenstellung dieses Mannschaftstest konnte realitätsnäher nicht sein. In etwa 40 Stunden mussten drei Suchen in verschiedenen Trümmergeländen absolviert werden, eine davon bei Nacht. Dazu kam noch eine Flächensuche, ein Marsch über knapp acht Kilometer Länge, natürlich auch in der Nacht, ein praktischer und theoretischer Test über Erste Hilfe am Hund und am Mensch sowie ein Theorietest über den INSARAG Leitfaden für Erdbebeneinsätze. Organisieren mussten die Teams sich selbst. Einzige Pflicht: zur angegebenen Zeit am angegebenen Ort sein. Die einzige Hilfe dabei waren grobe GPS Koordinaten und Anfangszeiten für jede Suche und jeden Test. „Wir waren sehr froh über die Entscheidung Matthias Leinich als Mannschaftsführer mitzunehmen. Er organisierte und koordinierte alles, damit wir drei Hundeführer uns wirklich nur auf die Sucharbeit konzentrieren konnten“, erklärt Carolin Scheiter die Funktion des Mannschaftsführers.

Spannung bis zur letzten Minute


Um diesen Test positiv bestehen zu können, mussten 70% der gesamten Punkte erreicht werden. Dazu zählten die theoretischen und praktischen Tests, der Marsch und natürlich die Sucharbeiten. Bis zur Schlussveranstaltung wusste keines der teilnehmenden Teams ob es bestanden hatte oder nicht. Außer den Beurteilern und dem Veranstalter konnte niemand sagen wie viele Menschen bei welcher Suche versteckt waren – eben ein realitätsnaher Einsatztest. „Bei der Flächensuche etwa war die Aufgabenstellung: Eine Gruppe von zehn Personen hat sich im Wald verirrt. Bitte sucht einen vorgegebenen Sektor ab. Am Ende haben wir drei Personen finden können“, erzählt Herbert Auer. Ob nun mehr Menschen versteckt waren wussten die Hundeführer nicht. Sie mussten sich auf ihre genaue Suchtaktik und die präzise Arbeit ihrer Hunde – auch nach wenig Schlaf und unter großer Erschöpfung – verlassen. Platz für Fehler gab es hier keinen.

Bestanden

Nach 2015 in Rumänien kann sich Lawinen- und Vermisstensuchhundestaffel Salzburg zum zweiten Mal über einen solchen bestandenen Einsatztest freuen. „Wir haben zehn der insgesamt elf versteckten Personen gefunden. Einen haben wir leider gleich bei der ersten Trümmersuche übersehen. Das war Pech“, resümiert Sepp Bucher. „Für unsere kleine Organisation ist dies ein riesen Erfolg. Vor allem deshalb, weil unser Einsatzschwerpunkt die Lawinen- und Flächensuche ist. Die Arbeit auf Trümmern wird bei uns nur sporadisch trainiert“, ergänzt Scheiter. Insgesamt unterstreicht diese Leistung aber die hohe Ausbildungsqualität der Lawinen- und Vermisstensuchhundestaffel Salzburg.

Lawinen- und Vermisstensuchhundestaffel Salzburg

Die Lawinen- und Vermisstensuchhundestaffel Salzburg feierte im Jahr 2014 ihr 60-jähriges Bestehen und ist damit die älteste Rettungshundeorganisation im Bundesland Salzburg. Anlass für die Gründung der ehrenamtlich arbeitenden Rettungsorganisation war das große Lawinenunglück am Dachstein im Jahre 1954, bei dem 13 Menschen den „weißen Tod“ starben. Aus einer anfangs kleinen Gruppe von Idealisten hat sich heute eine solide Einsatzorganisation mit erfahrenen Hundeführerinnen und Hundeführern entwickelt, denen es an Nachwuchs nicht mangelt. Die Staffel ist dem Katastrophenreferat der Salzburger Landesregierung unterstellt. Mehr Informationen zur Lawinen- und Vermisstensuchhundestaffel Salzburg unter: www.lawinenhunde.at

IRO und INSARAG


Die „Internationale Rettungshunde Organisation“ (IRO) ist die weltweite Vertretung für 116 nationale Rettungshundeverbände aus 41 Ländern, verteilt auf allen Kontinenten. Als Dachverband stellt sie in der Form von Prüfungen, Veranstaltungen und Kursen den Rahmen zur Verfügung, in dem sich ihre Mitglieder verwirklichen können. Ebenso für den internationalen Mannschaftstest in Žatec. Mehr Informationen zur IRO unter: www.iro-dogs.org
Die „International Search and Rescue Advisory Group“ (INSARAG) ist ein globales Netzwerk von mehr als 80 Ländern und Organisationen – unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen (UN). INSARAG arbeitet mit urbanen Such- und Bergeteams – sogenannten USAR-Teams (Urban Search and Rescue) – zusammen um internationale Standards und Methoden zur weltweiten Koordinierung nach Erdbeben Katastrophen zu erarbeiten. Mehr Informationen zur INSARAG unter: www.insarag.org
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