27.07.2016, 11:07 Uhr

"Mama, ich hab einen Nachzapf"

"Lernen will gelernt sein und braucht auch Pausen", weiß Ursula Wieser von Sua Sponte. (Foto: Angelika Pehab)

"Regeneration ist wichtig, aber nicht zu lange", weiß Ursula Wieser von Sua Sponte in Bischofshofen.
Interview: Angelika Pehab

Ursula Wieser, Sie studierten Pädagogik sowie Schulentwicklung und Beratung. Wie kann ein Schüler die Ferien am besten für die Nachprüfung nützen?
URSULA WIESER:
Zu allererst ist Regeneration wichtig. Zwei bis drei Wochen abschalten ist ideal. Aber nicht länger, denn sonst fällt es schwer, vom Ferienrhythmus wieder in den Lernmodus zu schalten.

Das heißt, die Ferien sind dann quasi vorbei?
WIESER:
Nein keineswegs, weil es ja auch in der Phase des Lernens zwischendurch immer wieder mal Pausen geben muss. Wenn ich beispielsweise morgens lerne, kann ich den Tag über frei nehmen und vielleicht am Abend noch was machen oder umgekehrt. Ich halte nichts von Crashkursen, in denen die Kinder ganztägig mit Informationen vollgepumpt werden.

Was ist dann ihrer Meinung nach wichtig?
WIESER:
Beim Lernen ist es immer wichtig, dass das ganze System, also ich selbst und mein Umfeld, passt. Sprich ich brauche zuerst die Motivation, das Selbstvertrauen sowie die gestärkte Persönlichkeit, damit ich erfolgreich, effektiv und zielorientiert lernen kann. Erst im weiteren Verlauf rückt das Lernen in den Mittelpunkt. Aber Achtung, hier muss ich wissen, wie ich richtig lerne, welche Techniken welche Strategien sind für mich am besten geeignet.

Welche Möglichkeiten gibt es, dass das System passt?
WIESER:
Besonders wichtige Faktoren sind hier Motivation und Selbstvertrauen. Für diese Bereiche gibt es in der Pädagogik verschiedenste Methoden zur Stärkung. Eine, die wir beispielsweise einsetzen, ist das sozialpädagogische Bogenschießen. Dabei kommt es zu neurologisch nachweislich positiven Effekten. Der Schüler lernt sich spüren, sich zu fokussieren und kommt in einen "Flow", der für die Motivbildung und Zielfindung genutzt werden kann. Mit dem Blick nach vorne lernt es sich leichter.

Und dann ist das Kind bereit für den Lernstoff?
WIESER:
Ja genau. Positiv motiviert und möglichst frei von Selbstzweifeln kann das Lernen beginnen. Bei uns wird zuerst ein individuelles Lernportfolio erarbeitet, dies ist eine tolle Technik um Sicherheit zu geben und das Stresslevel auf ein Minimum. Ich habe einen Plan, ich weiß welcher Weg zu meinem Ziel führt und ich habe alles auf einen Blick. Außerdem arbeiten wir mit verschiedensten Neurotechniken. So wird die Lernzeit verkürzt und die Schüler sind bestmöglich und nachhaltig auf die bevorstehende Prüfung vorbereitet.

Auch für die Eltern ist die Situation einer Nachprüfung - gesellschaftlich und innerfamiliär- oft nicht leicht.
WIESER:
Natürlich betrifft das die ganze Familie. Aber die Eltern sollen in jedem Fall auf der Seite des Kindes stehen und möglichst keinen Druck ausüben. Sonst hängt ganz schnell der Haussegen schief, die Eltern-Kind- Beziehung ist gestört. Positive Bestärkung, Ernstgenommen werden und die bevorstehende Prüfung als gemeinsames Ziel erkennen ist angesagt. Dann steht einer erfolgreichen Wiederholungsprüfung nichts mehr im Weg.
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