01.08.2016, 13:51 Uhr

"Balkonien" statt Terrorangst

Regine Spielvogel genießt das Urlaubsfeeling lieber am eigenen Teich.

Viele verzichten auf große Reisen und urlauben stattdessen lieber im eigenen, kleinen "Paradies".

REGION PURKERSDORF. Auf große Reisen haben viele Menschen keine Lust mehr. Terror in den Touristenhochburgen, die damit verbundenen strengen Flughafenkontrollen und letztenendlich Abzocke in den alternativen Urlaubsorten – da sucht man sich lieber ein schönes Plätzchen zuhause. Die Bezirksblätter besuchten zwei Familien, die sich ihr eigenes Urlaubsparadies geschaffen haben, sprechen mit ihnen über ihre Beweggründe, nicht in die Ferne zu schweifen.

Gartenteich statt Quallen-Meer

Auch Regine Spielvogel und ihre Familie verzichtet lieber auf Urlaub in der Ferne. Bedenken wegen der unzähligen Terror-Nachrichten der letzten Wochen spielen mit eine Rolle, wie Regine Spielvogel erklärt: "Es schreckt auf jeden Fall ab jetzt fortzufahren – Türkei und so weiter. Ich war auch mal in Tunesien, aber jetzt würd ich dort keinesfalls nochmal hin wollen.“ Zudem sei es denkbar schwierig Betreuung für die sieben Katzen der Familie zu finden und auch der Bau eines Sommerhauses in der Lobau sei ein wesentlicher Grund. "Und vieles ist ja auch nur Abzocke – man wird nur zur Kassa gebeten, und dann ist man oft sauer. Und im Meer schwimmen oft Quallen – in meinem Teich ist sicher nichts drin von dem ich nix weiß", lächelt sie. Stattdessen entspannt sie lieber in ihrem knapp 1000 qm großen Garten samt Teich, zwei Hühnern und unzähligen Pflanzen. "Der Teich ist für uns der Mittelpunkt des Gartens. Mein Mann sitzt gern hier und liest, ich beobachte gern die Natur oder fotografiere wenn ich etwas Interessantes sehe."

Pflanzen statt Strand

Auch Maria und Leo Schleifer aus Rekawinkel verzichten schon seit einigen Jahren auf Auslandsurlaub. Sorgen wegen Terror und Co. spielen auch für sie mit eine Rolle – ein Urlaub in Türkei, Ägypten und Co. käme für sie zur Zeit nicht in Frage. Stattdessen machen sie es sich von Frühling bis Herbst lieber in ihrem Garten in Rekawinkel, samt bewohnbarem Häuschen, gemütlich – und bearbeiten ihn auch fleißigst: "Jetzt blüht alles, alles muss bearbeitet werden, da ist fortfliegen nicht möglich", erklärt Maria Schleifer.

Leo und Maria Schleifer
Die "Sommerfrischler" Maria und Leo Schleifer entspannen gerne auf ihrer Terrasse mit mediteranem Flair.

Urlaub im eigenen "Fitnessstudio"

Über 40 Jahre hinweg haben sie sich hier auf rund 1000 qm ihr eigenes kleines Paradies geschaffen. Eine hübsch dekorierte Terrasse mit mediteranem, griechischem Flair ist der Mittelpunkt des Gartens. Rechterhand ist ein dreistufiges, dicht bepflanztes Plateau ein Blickfang, linkerhand geht's weiter auf eine mit bunten Blumen umringte Wiese. "Eigentlich ist das alles schon sehr alt, wir haben's nur 'neu verpackt'", verrät Maria Schleifer. Denn schon seit vielen Jahren werten die beiden leidenschaftlichen Bastler auf, was andere wegschmeißen: Ein Stiegenhausgeländer wird kurzerhand zum Bogen umfunktioniert, eine alte Sitzbank aus einer Schulzahnklinik wurde geschliffen und neu bemalt, eine alte Vorhangstange wird nun als Halterung für Dekoration verwendet. Auch das dreistufige Blumenplateau stammt aus Marke Eigenbau. "So kennt man jedes Stück – jede Pflanze und jeden Stein hast schon in der Hand gehabt", erklärt Leo Schleifer. Außerdem hält der Garten das pensionierte Paar fit, erklärt Leo Schleifer lachend: "Für mich ist das Therapie – wie unser persönliches Fitnesstudio. In Wien mach ich keine 50 Kniebeugen am Tag."
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