29.03.2016, 11:35 Uhr

Der Schreinträger aus Österreich

Stolz, aber auch angestrengt blickt Markus Wolkerstorfer drein. Der Gast aus der österreichischen Partnerstadt Purkersdorf durfte bei der Prozession am Sonntag den Schrein mit den Reliquien des heiligen Fridolin durch die Bad Säckinger Altstadt tragen. (Foto: Axel Kremp - Badische Zeitung)
BAD SÄCKINGEN.

Es ist ein Privileg, das in den jeweiligen Familien in Bad Säckingen – der Purkersdorfer Partnerstadt - von Generation zu Generation weitergereicht wird. Und es ist eine Ehre. Nicht jeder darf beim Fridolinsfest den Schrein mit den Reliquien des Stadtpatrons durch die Altstadtgassen von Bad Säckingen tragen. In diesem Jahr wurde die Ehre einem Gast zuteil: Markus Wolkerstorfer, der stellvertretende Vorsitzende des Freundeskreises Bad Säckingen in Purkersdorf, war einer der acht Schreinträger.



"Ja, es war eine Ehre – eine große Ehre", sagt Wolkerstorfer, der eigens zum Fridolinsfest aus Österreich angereist kam. Stolz sei er und glücklich, sagt er. Ob’s denn schwer war? Eigentlich nicht, grinst Wolkerstorfer, der dann aber eigenen Angaben zufolge doch froh war, als der Marsch durch die Stadt zu Ende war und der Schrein wieder im Chorraum des Münsters abgestellt wurde. 400 Kilogramm wiegt der Schrein, macht 50 Kilogramm für jeden der acht Träger. Immer wieder können sie den Schrein auf Ständern abstellen, die festlich gekleidete Kinder mitführen; sie können die Schulter entlasten oder mit dem Gegenüber den Platz tauschen, um die rechte und die linke Schulter gleichmäßig zu belasten.

Der Tag der Schreinträger dauert länger als zwölf Stunden. Um 6 Uhr morgens holen sie den Schrein aus dem kleinen Gebetsraum neben dem Chorraum und stellen ihn hinter dem Zelebrationsalter im Münster auf. Nach der Abendmesse, die um 18 Uhr beginnt, kommt auch der Schrein für etwa ein Jahr wieder zurück in den kleinen Nebenraum. Wolkerstorfer war am Sonntag von Anfang bis zum Schluss dabei. Am Abend freilich in Zivil. "Gefühlt war das Gewand schwerer als der Schrein", sagt Wolkerstorfer, der gehört haben will, dass die Schreinträger bereits im Mittelalter mit exakt diesen Gewändern bekleidet waren.

Doch wie nun kommt’s, dass ein Nicht-Säckinger, ein Österreicher, den Schrein tragen darf? "Das hat sich ganz spontan ergeben", erklärt Wolkerstorfer. Als stellvertretender Vorsitzender des Freundeskreises Säckingen in Purkersdorf besuchte er die Stadt auch vergangenes Jahr am Tag der Fridolinsprozession. Dabei kam er mit Michael Schmid, einem der langjährigen Schreinträger, den er bereits über die Feuerwehr kennt, ins Gespräch. "Michael meinte, dass er die Prozession eigentlich auch ganz gerne mal wieder von außen sehen würde", erzählt Wolkerstorfer, "und so kam dann die Abmachung zustande, dass ich dieses Jahr seinen Part übernehme." Dekan Peter Berg war bei dem Gespräch dabei. Er hatte nichts dagegen einzuwenden. "Das dürfte also von höchster Stelle genehmigt sein", meint Wolkerstorfer und lacht.

Für ihren Rollentausch, der dann aber nur zur Hälfte verwirklicht wurde, hatten sich die beiden das ideale Jahr ausgesucht, denn dieses Jahr fiel der 6. März genau auf einen Sonntag, sodass die Prozession am Fridolinstag selbst stattfand und die Schreinträger nicht an mehreren Tagen gebraucht wurden. Denn das wäre angesichts der knapp 800 Kilometer langen Anreise aus Purkersdorf durchaus ein Problem für den neuen Schreinträger gewesen und war auch der Grund, weshalb sein Einsatz wohl einmalig bleiben wird.

Schade eigentlich, denn Wolkerstorfer hat für die Aufgabe beste Voraussetzungen. Als Pfarrgemeinderat und Mesner der katholischen Gemeinde in Purkersdorf ist ernicht nur bestens mit Kirchlichem vertraut, sondern er interessiert sich auch sehr für das Bad Säckinger Stadtleben. Sein Besuch am Wochenende war bereits der 38. In der Kur- und Bäderstadt. Er hat sich vorgenommen, als stellvertretender Vorsitzender des Freundeskreises jedes Fest in und um Bad Säckingen mindestens einmal zu besuchen. "Da gibt es einiges!" Für kommendes Jahr hat er sich beispielsweise schon das Jahreskonzert der Stadtmusik vorgenommen – die Bad Säckinger dürften ihn also nicht zum letzten Mal gesehen haben.

Und vielleicht klappt’s an Fridlini ja wieder. Wolkerstorfer würde wohl nicht nein sagen. Und vielleicht kann dann Michael Schmid tatsächlich einmal eine Fridolinsprozession vom Straßenrand sehen oder als Gläubiger mitlaufen. Dieses Mal musste auch er an den Schrein – als Ersatz für einen erkrankten Kollegen.

Autor: Elena Butz und Axel Kremp - Badische Zeitung
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